Berlin: Rechtzeitig planen: Weihnachten ohne den Partner

Berlin: Rechtzeitig planen: Weihnachten ohne den Partner

Wenn nach vielen gemeinsamen Jahren der Partner stirbt, bricht für viele Menschen die Welt zusammen. Die Lücke ist nicht nur im Alltag stark zu spüren, sondern auch bei besonderen Anlässen - wie zum Beispiel Weihnachten. Bei diesem Fest schmerzt der Verlust des Partners für viele ganz besonders.

„Weihnachten ist für viele Menschen hoch emotional, da viele damit ein Fest der Familie und der Liebe verbinden”, erklärt die Diplom-Psychologin Ulla Steger, Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologen in Berlin. Ein leerer Platz im Leben werde dabei oft viel intensiver wahrgenommen.

Trauer-Expertin Silke Haase in Berlin ergänzt: „Viele Menschen, die erst vor kurzem ihren Partner verloren haben, blicken angstvoll auf diese eigentlich feierliche Zeit, die nicht nur aus den Feiertagen besteht, sondern oft schon Wochen vorher beginnt.”

Schwierig sei dabei unter anderem, dass man an vieles erinnert werde. „Die meisten Paare und Familien haben festes Routinen und Traditionen, die sich nun verändern werden. Deswegen denken viele Menschen an die Schritte aus dem Vorjahr zurück und wissen schon im Vorfeld Das wird dieses Jahr traurig.”

Steger rät daher: „Wer erst vor einiger Zeit seinen Partner verloren hat, sollte sich gut auf die Feiertage vorbereiten und den Ablauf nicht dem Zufall überlassen.” Man müsse neue Rituale suchen und finden. „Dabei sollte man auf seine innere Stimme hören und das Fest so gestalten, wie man es selber möchte.”

Mit wem möchte ich Heiligabend verbringen? Mit wem die anderen Feiertage? Möchte ich alleine sein, mit meinen erwachsenen Kindern oder mit Freunden, die vielleicht in einer ähnlichen Situation sind? Oder möchte ich am liebsten weit weg reisen?

Weihnachten bei den erwachsenen Kindern zu verbringen, kann für viele Menschen die beste Lösung sein, wie Steger sagt. Schließlich sei das ein vertrauter Kreis, in dem sich viele wohlfühlten. „Trotzdem sollte man in sich hineinhorchen und fragen Will ich das wirklich?” Für einige Menschen könne genau dieser Weg besonders schwierig sein. Sie sind nicht zu Hause und übernehmen damit keine Gastgeberrolle.

Egal, mit wem man feiert: Meist ist es sinnvoll, schon im Vorfeld darauf hinzuweisen, dass es das erste Fest ohne den geliebten Partner ist und dass es auch bestimmt traurig wird, rät Maria El-Safti-Jütte, Ehe-, Lebens-und Familienberaterin bei der Erziehungs-und Familienberatungsstelle der Caritas in Berlin.

„Und es ist auch wichtig, die Trauer mit in das Fest einzubinden - so zu tun, als ob alles wie immer ist, wäre ja eine Lüge.” Das bedeutet, dass man der Trauer um den Partner einen Raum gibt. „Wenn man sich das nicht versagt und zulässt, dann kann auch das Feiern seinen Raum haben.”

Möglich sei auch ein kleines neues Ritual in die Feiertage einzubauen. „Zum Beispiel unter dem Weihnachtsbaum eine Kerze oder ein Bild für den Verstorbenen hinstellen, einfach, damit dieser in einer anderen Form dabei ist und seinen Platz hat.” Denkbar sei auch, ein Lied für den Partner zu singen oder ein Gedicht vorzulesen.

Diese Wünsche sollte man den anderen rechtzeitig mitteilen, findet auch Steger. „Kinder oder Freunde wissen nicht automatisch, wie es einem geht oder was man gerne machen möchte, deswegen hilft es ihnen, wenn man ihnen vorher klare Regieanweisungen gibt.”

Dazu gehöre auch, ob man über den Partner reden möchte oder nicht, ob man Heiligabend angerufen werden oder lieber seine Ruhe möchte. „Es fällt vielen Menschen zwar schwer, anderen Anweisungen zu geben, aber in diesem Fall hilft es sehr.”

Wer dagegen noch nicht wirklich weiß, wie er oder sie das erste Weihnachten ohne den Partner verbringen möchte, sollte mit anderen darüber sprechen.

„Viele haben ein klares Bedürfnis, was sie machen wollen, andere sind von der neuen Situation überfordert und müssen sich erst klar werden, was für sie das Beste ist”, sagt Diplom-Psychologin Haase. „Da kann es helfen, mit anderen gemeinsam zu überlegen, was ein guter Weg sein könnte.”

Dabei sollte man erzählen, über was man sich Sorgen macht und was vielleicht helfen könnte. „Wichtig ist, dass die Kinder oder Freunde einen wirklich beraten und einem helfen”, so Haase. Weniger gut sei, wenn zum Beispiel die Kinder einfach sagen Komm zu uns. „Wer merkt, dass das für einen nicht das Richtige ist, sollte dann auch den Mut haben und die sicher gutgemeinte Einladung ablehnen.”