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Berlin: Problem Beckenendlage: Dann zählt der richtige Dreh fürs Kind

Berlin : Problem Beckenendlage: Dann zählt der richtige Dreh fürs Kind

In der 35. Schwangerschaftswoche ging Kerstin, 33, zu einer Routineuntersuchung. Beim Ultraschall stutzte die Frauenärztin. „Plötzlich fragte sie: Huch, wo ist denn der Kopf?”, erzählt Kerstin, die in Berlin als Beamtin arbeitet. Den ganzen Tag zuvor hatte es in ihrem Bauch „gerumpelt”, wie sie sagt. Jeder Tritt, jede Bewegung sei auf der Bauchdecke zu sehen gewesen. Nach der Untersuchung war klar, was es damit auf sich hatte: Ihr ungeborener Sohn hatte sich gewendet. Er lag nun mit dem Steiß nach unten im Bauch der Mutter. Diese Position wird Beckenendlage (BEL) genannt.

Dass sich der Fötus im Uterus bewegt und wendet, ist nicht ungewöhnlich. Oft finden Kinder rechtzeitig in die richtige Position zurück: Nur bei vier Prozent ist das bei der Geburt anders. „Bis zur 37. Schwangerschaftswoche dreht sich das ungeborene Baby von selbst und wechselt immer mal wieder die Position”, erklärt Jörg Angresius, Frauenarzt aus Neunkirchen im Saarland.

Spezielle Methoden können helfen, das Kind in die Normalposition zu bringen. Kerstin bekam von ihrer Hebamme den Rat, es mit einer Moxibustion zu versuchen. Bei dieser Methode wird an bestimmten Punkten am Fuß der Schwangeren Moxakraut erhitzt. „Es fühlt sich an, als würde eine Zigarette an die Sohle rankommen”, beschreibt es Kerstin. Es sei gewöhnungsbedürftig gewesen, habe jedoch Wirkung gezeigt: „Eine halbe Stunde später hat sich mein Kind stark bewegt.” Nur drehen wollte sich das Baby nicht.

Kerstin, die zum ersten Mal schwanger war, wollte unbedingt eine natürliche Geburt. Allerdings entbinden längst nicht alle Kliniken Beckenendlagen auf diese Weise. „Bei Erstgeburten ist es nationaler Standard, in so einer Situation einen Kaiserschnitt zu machen”, sagt Angresius. Die werdende Mutter aus Berlin entschied sich schließlich, nach der Moxibustion noch die äußere Wendung zu versuchen.

Bei dieser Methode probieren die Geburtshelfer, das Kind durch Druckbewegungen auf den Bauch in die richtige Position zu drehen. Dafür gelten zwei Voraussetzungen, erklärt Ulrike Peitz, Hebamme aus Hennef bei Bonn: „Das Kind muss normal entwickelt sein, der Uterus wiederum noch genügend Fruchtwasser enthalten.”

An die äußere Wendung erinnert sich Kerstin ungern. Zunächst bekam sie ein Mittel zur Entspannung der Gebärmutter. Dann begannen die Wendungsversuche. „Der Arzt probierte, den Po des Kindes aus meinem Becken zu lösen”, erzählt sie. „Ein zweiter Geburtshelfer versuchte gleichzeitig, von oben den Kopf nach unten zu bewegen und somit das Baby zu drehen.” Dabei hatte sie starke Schmerzen: „Es war, als ob zwei Leute in den Bauch steigen.” Nach drei je einminütigen Versuchen gab der Arzt auf. Kerstins Baby sträubte sich zu sehr gegen die Wendung.

Dennoch plädiert Ulrike Peitz für diese Methode. Die Erfolgsquote liege bei Erstgebärenden bei fast 60 Prozent. Bei Frauen, die schon ein Kind haben, steige sie sogar auf über 70 Prozent. „Wenn eine äußere Wendung noch kurz vor der Geburt versucht wird, sollte das immer in einer Klinik sein”, betont Angresius. Die Ärzte müssten bereit sein, einen Kaiserschnitt durchzuführen, falls Komplikationen wie die Ablösung der Plazenta auftreten.

Die werdende Mutter müsse es wollen: Das sei die Vorausetzung, dass die äußere Wendung gelingen kann, betont Peitz. Die Kosten für die Behandlung werden von den Krankenkassen getragen. Auch Maßnahmen wie etwa die Moxibustion zahlen die Kassen. Sie können als „Behandlungen von Schwangerschaftsbeschwerden” von der Hebamme abgerechnet werden. Neben diesen beiden gibt es noch eine Reihe weiterer Methoden, mit denen Eltern ihre Kinder zum richtigen Dreh bewegen können.

Die einfachste Möglichkeit ist die bewusste Kontaktaufnahme mit dem Kind: „Zum Baby hinatmen und mit ihm kommunizieren”, erläutert Peitz. So merkt der Nachwuchs, dass er beachtet wird und kann zur Bewegung animiert werden. Eine weitere Möglichkeit sei, den Lichtstrahl einer Taschenlampe von den Rippen aus nach unten gleiten zu lassen. Damit werde dem Kind der Weg gewiesen.

Dagegen machen Klangkugeln in den Hosentaschen Geräusche. „Diese interessieren das Kind, so dass es den Kopf zu der Geräuschquelle bewegt und sich dadurch in die normale Position dreht.” Schwimmen ist ebenfalls hilfreich. Im Wasser nimmt die Spannung auf den Bauch ab, das Baby kann sich folglich leichter bewegen. Auch spezielle Haltungen wie die Indische Brücke oder der Vierfüßerstand können helfen.

Von vornherein verhindern, dass sich das Kind in die Beckenendlage dreht, können Mütter nicht, sagt Peitz. Meist bemerken Mütter das gar nicht. Der Befund kommt unerwartet beim Ultraschall - wie bei Kerstin. Nachdem bei ihr alle Versuche einer Wendung gescheitert waren, entschied sie sich für einen geplanten Kaiserschnitt. „Dadurch war das Risiko für das Kind am geringsten”, erklärt sie. Alles verlief problemlos. Ihr Sohn Vincent - 50 Zentimeter groß, 3340 Gramm schwer - kam gesund zur Welt.

(dpa)