Private Altersversorge trotz Unterhaltspflicht möglich

Absicherung : Private Altersversorge trotz Unterhaltspflicht möglich

Nach einer Trennung stellt sich häufig die Frage: Besteht ein Unterhaltsanspruch? Und falls ja, wer ist unterhaltspflichtig gegenüber den gemeinsamen Kindern und dem Ex-Partner? Unter gewissen Voraussetzungen dürfen Betroffene trotz Unterhaltspflicht fürs eigene Alter vorsorgen.

Staat befürwortet private Altersvorsorge

Wer im Alter seinen Lebensstandard halten möchte, sollte privat vorsorgen, um die Defizite der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen. Was aber sollen Unterhaltspflichtige tun, die jeden Monat bereits einige Hundert Euro für den Unterhalt eines Ex-Ehepartners und gegebenenfalls der gemeinsamen Kinder aufbringen müssen? Was viele nicht wissen: Auch Unterhaltspflichtige haben ein Anrecht, privat für sich vorzusorgen.

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) ist es grundsätzlich angemessen, wenn abhängig Beschäftigte bis zu vier Prozent des Bruttoeinkommens - zusätzlich zum Rentenbeitrag von 20 Prozent - für die private Altersvorsorge aufwenden. In Summe können Sie somit 24 Prozent ihres Bruttoerwerbseinkommens für die Altersvorsorge geltend machen. Ausnahmen bestätigen die Regel: Der Beschluss gilt nicht, wenn die betreffende Person bereits ausreichend finanziell abgesichert ist!

Auch unterhaltberechtigen (Ex)-Ehepartnern steht ein Altersvorsorgeunterhalt zu, sofern die bedürftige Person nicht bereits über eine entsprechende private Altersvorsorge verfügt. Es ist in jedem Fall ratsam, sich von einem Fachanwalt beraten zu lassen. Bei Finanz- und Versicherungsfragen sowie den Möglichkeiten der privaten Altersvorsoge helfen Finanzexperten wie Swiss Life Select.

Nettogehalt mindern, Unterhalt verringern

Der Gesetzgeber billigt eine Reduzierung des Unterhalts über Sonderausgaben. Wer die Höhe der Unterhaltszahlungen verringern möchte, sollte das zu versteuernde Bruttoeinkommen reduzieren, indem er mehr vom Brutto in die Altersvorsorge investiert. Die Aufwendungen für die private Altersvorsorge sind ein solcher Abzugsposten. Verdient ein Angestellter 100.000 Euro brutto im Jahr, werden bis zu 4.000 Euro anerkannt, was rund 333 Euro im Monat entspricht.

Es gibt Spielräume für die Investitionen in die private Altersvorsorge. Es muss nicht zwingend ein staatlich gefördertes und dadurch steuerlich begünstigtes Produkt wie die Riester-Rente sein. Das Recht auf Vermögensbildung lässt sich theoretisch auch über den Erwerb einer Immobilie wahrnehmen. Außerdem denkbar: Fondssparen, Bausparvertrag und Lebensversicherung.

Selbstbehalt als Grenze

Die monatlichen Geldzahlungen an den oder die Unterhaltsberechtigten richten sich nach dem bereinigten Nettoeinkommen - vom anrechenbaren Netto müssen Kosten für die Tilgung laufender Kredite abgezogen werden. Wer mehr verdient, muss mehr Unterhalt zahlen. Wer geltend machen kann, nur beschränkt leistungsfähig zu sein, zahlt weniger. Ein vom Netto abzugsfähiger Kostenpunkt sind berufsbedingte Aufwendungen wie die Kosten des Pkw für die Fahrt zur Arbeitsstelle.

Unterhaltspflichtigen steht ein festgelegter Selbstbehalt von 1.200 Euro zu, sofern sie für den ehemaligen Lebenspartner aufkommen müssen. Muss für den Unterhalt gemeinsamer Kinder aufgekommen werden, reduziert sich der Selbstbehalt auf 1.080 Euro - minderjährige Kinder sind stets vorrangig unterhaltsberechtigt. Die genauen Umfänge regelt die Düsseldorfer Tabelle 2019.

(vo)
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