Ohne Kinder in den Urlaub: Schlechtes Gewissen muss nicht sein

Ohne Kinder in den Urlaub : Schlechtes Gewissen muss nicht sein

Eine Auszeit von den Kindern brauchen auch die leidenschaftlichsten Eltern. Nach modernen Erkenntnissen ist es nicht nur für die Partnerschaft sinnvoll, regelmäßig ohne den Nachwuchs Urlaub zu machen.

Familienreisen können einen Heidenspaß machen und überall gibt es Reisedestinationen für Familien. Trotzdem müssen Eltern kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie die Kinder nicht auf jede Reise mitnehmen.

Wer immer nur mit Nachwuchs Urlaub macht, bricht nicht aus seiner Rolle aus und erlebt daher auch auf schönen Reisen meistens bloß den Alltag. Kleinkinder und Babys lässt man nicht zu Hause. Spätestens ab dem Schulalter können Kinder aber durchaus ein paar Tage bei Familienmitgliedern oder Freunden bleiben. Davon profitiert nicht nur das Elternpaar, das auf diese Weise wieder Momente der Zweisamkeit erleben kann, sondern auch der Nachwuchs.

„Es ist wichtig, dass Eltern eine entspannende Bett-Routine verfolgen, damit ihre Kinder gesund schlafen.“

Dr. Timothy Morgenthaler, Präsident der Academy of Sleep Medicine

Den meisten Eltern ist bekannt, dass Routinen wie das tägliche Bett-Ritual insbesondere für kleine Kinder wichtig sind, weil sie Stabilität vermitteln. Sie machen den Tagesablauf planbar und helfen beim Organisieren. Je routinierter man etwas erledigt, desto weniger muss man sich außerdem da bei konzentrieren. Für den Körper ist das ein Vorteil, denn er schont dadurch seine Energiereserven.

Andererseits bleibt der Geist hierbei auf der Strecke. In festgefahrenen Bahnen nimmt man weniger wahr und denkt kaum noch nach - man funktioniert im Grunde automatisch. Laut einer Cosmopolitan-Umfrage empfinden 45 Prozent aller Frauen zwischen 20 und 49 Routine als Lustkiller. Auch für Männer wirkt sich die Vorhersehbarkeit negativ auf das Lustempfinden aus.

Außerdem ersticken Routinen erwiesenermaßen die Kreativität, hemmen die persönliche Weiterentwicklung und steigern die Unachtsamkeit. Wer nicht regelmäßig aus der Routine ausbricht, stagniert deshalb schnell und wird unzufrieden. Reisen bieten einzigartige Gelegenheiten, aus gewohnten Mustern auszubrechen.

Dafür muss der Aufenthalt nicht einmal besonders lang sein oder das Ziel in weiter Ferne liegen: Ein Kurzurlaub beispielsweise in Amsterdam, für den die Unterkunft im Handumdrehen gefunden ist - so ein kleiner Tapetenwechsel genügt häufig bereits, um neuen Schwung und mehr Leichtigkeit in die Partnerschaft und den Familienalltag zu bringen.

Eltern erleben sich im Urlaub ohne Kinder selbst und gegenseitig außerhalb ihrer Rollen, erhalten dadurch neue Perspektiven und sehen auch den Nachwuchs mit anderen Augen. Nach der Rückkehr wissen sie ihren Alltag umso mehr zu schätzen und haben vielleicht sogar Ideen, was sie in Zukunft besser machen könnten. Auch der Nachwuchs profitiert von der „elternfreien“ Zeit.

Ob die Kinder bei den Großeltern unterkommen oder an einer spannenden Jugendreise teilnehmen: Ohne Mutter und Vater müssen sich Sprösslinge erstmals selbst organisieren und werden unabhängiger. Damit Eltern auf ihrer Reise kein schlechtes Gewissen haben, empfehlen Experten

  • mit einzelnen Übernachtungen zu beginnen.
  • zunächst nicht allzu weit wegzufahren, um im Notfall nach Hause kommen zu können.
  • das Kind in die Wahl der Unterbringung einzubeziehen.
  • die Trennung auf Zeit vorab durch einzelne Übernachtungen bei Freunden zu üben.
(vo)
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