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Berlin: Nicht jeder ist ein Trödel-King

Berlin : Nicht jeder ist ein Trödel-King

Wenn ein Mieter verstorben oder in ein Pflegeheim gezogen ist, muss seine Wohnung geräumt werden. Meist bleibt den Angehörigen dafür nicht viel Zeit.

Drei Monate müssen im Regelfall ausreichen. Das ist die gesetzliche Kündigungsfrist. Trotz trauriger Umstände machen die Vermieter keine Abstriche daran. Die Wohnung muss pünktlich und im vertragsgemäßen Zustand übergeben werden. Das bedeutet, sie muss leer sein. Alle Beschädigungen müssen behoben werden, die der Mieter verursacht hat. Dübellöcher sind zu schließen, Einbauten müssen entfernt werden, wenn mit dem Vermieter nicht ausdrücklich etwas anderes vereinbart wurde, so der Deutsche Mieterbund (DMB).

Ein straffer Zeitplan ist also nötig, um diese Aufgaben zu bewältigen. Zunächst sollte eine Inventarliste der Haushaltsgegenstände aufgestellt werden. Das ist wichtig, um den Hausrat zu bewerten. Meist überschätzen die Angehörigen den Wert der Möbel und Einrichtungsgegenstände. Nach jahrelanger Nutzung bringt der Verkauf nur noch einen Bruchteil des Anschaffungspreises, wenn überhaupt. In vielen Fällen muss das Mobiliar auf dem Sperrmüll entsorgt werden. Dafür fallen dann sogar noch Kosten an, etwa für die Miete eines Transporters.

Wer alte Stücke gegen Bares an den Mann bringen möchte, braucht erhebliches Verkaufstalent und genaue Marktkenntnis. Nicht jeder ist von Natur aus ein Trödel-King. Aber gute Vorbereitung hilft hier weiter. Mutmaßliche Wertstücke sollten einem Fachmann vorgestellt werden, bevor sie auf dem Flohmarkt oder bei einer Internet-Auktion angeboten werden.

Es ist ratsam, vor der Wohnungsräumung in der Verwandtschaft zu fragen, wer an Erinnerungsstücken aus dem Nachlass interessiert ist. Auch die Nachbarschaft sollte über die Haushaltsauflösung informiert werden. Mitunter melden sich von dort noch Abnehmer. Beliebt sind private Haus- und Garagenversteigerungen, die vorher in der Region angekündigt werden.

Auch gemeinnützige Einrichtungen sind häufig an Möbeln und Einrichtungsgegenständen interessiert. Sie holen sie aber nur kostenlos ab, wenn sie in einem einwandfreien Zustand sind. Viele Angehörige sind damit überfordert, die Wohnung ihres Verwandten leer zu räumen. Sie brauchen professionelle Hilfe. Im Branchenbuch finden sich diverse Anbieter für Wohnungsauflösungen, auch in Tageszeitungen gibt es entsprechende Annoncen. Aber der Markt ist unübersichtlich. Es gibt auch schwarze Schafe. Wer eine Firma mit der Wohnungsauflösung beauftragt, sollte im Vorfeld unbedingt die Preise vergleichen, rät der Berliner Mieterverein. Dazu ist es notwendig, mehrere Kostenvoranschläge einzuholen. Diese sind bei seriösen Anbietern kostenfrei.

Die Firma kalkuliert bei einem Besuch in der Wohnung den Aufwand, der bei der Wohnungsauflösung entsteht. Dabei berücksichtigt sie in der Regel das Volumen des Hausrats und den Zeitaufwand für dessen Beseitigung. Wichtig ist, schriftlich festzuhalten, was mitgenommen werden soll und was nicht. Am besten ist es, mit der Firma am Ende einen Festpreis zu vereinbaren.

Relativ leicht ist das, wenn der gesamte Hausrat entsorgt werden soll. Gibt es aber noch etwas zu verwerten, wird eine Preisbildung schon schwieriger. In der Praxis gilt, je wertvoller das Inventar ist, desto billiger ist die Haushaltsauflösung. Wer nur noch Sperrmüll abholen lässt, zahlt mehr als jemand, der antike Möbel oder eine komplette Porzellansammlungen entsorgen will. Denn der Haushaltsauflöser verdient auch an den verkauften Gegenständen. Angehörige, die vermuten, dass sich Wertgegenstände unter dem Hausrat befinden, sollten das im Vorfeld vom Fachmann prüfen lassen. Denn nicht jeder Haushaltsauflöser informiert seinen Auftraggeber, wenn er ein Wertstück entdeckt.

Wichtig ist, dass die beauftragte Firma eine Haftpflichtversicherung hat, die auch für so genannte Randschäden haftet, zum Beispiel wenn beim Transport das Treppenhaus beschädigt wird. Bei seriösen Unternehmen ist diese Versicherung im Preis enthalten.