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München/Reichersbeuern: Mit Kindern den Advent gestalten

München/Reichersbeuern : Mit Kindern den Advent gestalten

Die Weihnachtszeit weckt bei vielen Menschen Kindheitserinnerungen. Plätzchenduft im ganzen Haus, das Anzünden der ersten Kerze am Adventskranz, der Vater, der Weihnachtsmärchen vorliest - solche Momente begleiten einen bis ins Erwachsenenalter.

„Weihnachten prägt die Kindheit sehr”, sagt Sabine Bohlmann, Autorin mehrerer Erziehungs-Ratgeber und Mutter von zwei Kindern. Erinnerungen an diese besondere Zeit voller Geheimnisse solle man Kindern unbedingt mit auf den Weg geben. „Außerdem ist es auch für Erwachsene schön, den Zauber der Weihnachtszeit so richtig zu genießen”, betont die Münchnerin.

„In der Weihnachtszeit sollte man versuchen, mehr Ruhe und Besinnlichkeit in das Familienleben zu bringen”, findet Cornelia Nitsch, Verfasserin des Ratgebers „Die schönsten Familienrituale”.

Solche Ruhepausen seien im hektischen Alltag sehr wichtig. „Man sollte sich für diese Pausen einsetzen und versuchen, im Dezember besonders viele Gemeinschaftsaktionen für die ganze Familie unterzubringen”, sagt die Autorin aus dem oberbayerischen Reichersbeuern. Auch für ein kleines Familienfest, zu dem auch Großeltern und andere Angehörige eingeladen werden, könnte man den Advent zum Anlass nehmen. „Das muss gar nicht aufwendig sein - es geht darum, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken und es auch den Kindern zu vermitteln”, sagt Nitsch. Beschäftigungen wie Vorlesen oder gemeinsames Basteln könnten außerdem die ruhige, besinnliche Atmosphäre betonen.

Auch Sabine Bohlmann legt Wert darauf, in der Adventszeit Oasen der Ruhe zu schaffen: „Im Dezember richten wir im Kinderzimmer eine ganz besondere Leseecke ein”, erzählt sie. Ein festlich dekorierter Ast bilde den Himmel über diesem kleinen Refugium, in dem die Kinder ihre weihnachtlichen Bücher betrachten dürfen. „Diese Bücher holen wir auch wirklich nur für die Adventszeit hervor”, sagt Bohlmann. Abends könne man es sich gemeinsam mit den Kindern in dieser Leseecke bei Kerzenschein gemütlich machen und Weihnachtsgeschichten vorlesen. Dabei könne man auch ein Buch über die 24 Tage verteilt lesen, wie einen Adventskalender.

Solche Kalender sind in vielen Familien in der Vorweihnachtszeit ein Muss. „Dabei kann man ruhig auf einfache Kalender-Varianten zurückgreifen”, sagt Cornelia Nitsch. Statt jeden Tag Schokolade oder andere Geschenke auszupacken, könne es für Kinder auch spannend sein, täglich ein neues Bild hinter dem Türchen zu entdecken. „Diese Abbildungen kann man dann zum Anlass nehmen, eine kleine Geschichte dazu zu erzählen”, sagt Nitsch.

Sabine Bohlmann betont, dass man Kindern gerade in der Zeit der Geschenkeberge vermitteln sollte, dass an Weihnachten auch das Geben wichtig ist. „Wir haben beispielsweise schon einmal einen Adventskalender der guten Taten gemacht. Dafür hat sich jedes Familienmitglied überlegt, wie man einem anderen etwas Gutes tun könnte - beispielsweise mit einer Fußmassage oder indem man das Lieblingsgericht der Person kocht”, berichtet die Autorin. Diese guten Taten werden dann auf kleine Zettelchen geschrieben, und jeden Tag ist ein anderer dran, sein Versprechen umzusetzen.

Auch die Tradition des Engelsingens ist so ein Anlass, etwas für andere zu tun. „Man kann mit einigen Kindern Weihnachtslieder einstudieren, mit diesem kleinen Engelschor von Haus zu Haus ziehen und für die Auftritte Geld sammeln, das man für einen wohltätigen Zweck spendet”, schlägt Bohlmann vor. Die Kinder merkten so, dass sie mit ihren Taten etwas bewirken können.

„Vor allem jüngere Kinder sind sehr für sinnliche Erlebnisse zu begeistern. Dinge, die man schmecken, riechen, fühlen oder sehen kann, eignen sich daher als roter Faden für die Adventszeit”, sagt Cornelia Nitsch. Das gemeinsame Plätzchenbacken ist so ein sinnliches Ritual, bei dem auch schon die Kleinsten mitmachen können. „Am Anfang muss man natürlich Abstriche machen - die Plätzchen kleiner Kinder sehen natürlich oft nicht so perfekt aus”, sagt Sabine Bohlmann. Doch das Kneten des Teigs und das Ausstechen der Plätzchen sei für die Kleinen trotzdem etwas ganz Besonderes. „Zur Not kann man den Kindern auch Salzteig zum Verarbeiten geben - davon naschen sie nicht so viel.”

Aber auch die kleinen Besonderheiten wie die Adventskerzen, die während des Frühstücks leuchten, seien ein Symbol für die besondere Zeit. „Bei uns darf immer abwechselnd ein Kind die Kerze anzünden und das andere auspusten”, erzählt Bohlmann.

Damit Weihnachten seinen Zauber für Kinder und Erwachsene nicht verliert, finden beide Autorinnen es sehr wichtig, mit der Weihnachtstradition nicht zu früh zu beginnen. „Alles sollte seine Zeit im Jahr haben. So kann man sich richtig drauf freuen”, sagt Bohlmann. Sie schmücke beispielsweise die Wohnung erst kurz vor dem ersten Dezember festlich - gerne auch gemeinsam mit den Kindern. Cornelia Nitsch plädiert außerdem dafür, die Weihnachtsvorfreude langsam zu steigern - „Heiligabend ist dann der Paukenschlag”, sagt die Autorin.