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Berlin: Meldung bei der Arbeitsagentur sichert Kindergeld

Berlin : Meldung bei der Arbeitsagentur sichert Kindergeld

Kindergeld gibt es auch für volljährige Kinder, die auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz warten.

Dauert die Wartezeit allerdings länger als vier Monate, entfällt der Anspruch auf Kindergeld - sofern die Eltern nicht nachweisen können, dass ihr Kind trotz aller Bemühungen noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat.

Als Beleg für die Ausbildungssuche reicht es aus, sich spätestens alle drei Monate bei der Arbeitsagentur als weiterhin ausbildungssuchend zu melden.

Wer diese Frist versäumt, muss die Familienkasse auf andere Weise von Eigenbemühungen um eine Lehrstelle überzeugen, beispielsweise mit Bewerbungsschreiben oder Einladungen zu Vorstellungsgesprächen. Können Eltern beziehungsweise Kinder die Suche nach einem Ausbildungsplatz nicht belegen, gibt es kein Kindergeld mehr (Bundesfinanzhof, Urteil vom 19. Juni 2008, AZ: III R 66/05). Zudem muss das während der vermeintlichen Wartezeit gezahlte Kindergeld erstattet werden.

Vorsicht ist geboten, wenn Kinder bis zum Beginn ihrer Berufsausbildung oder ihres Studiums eine Arbeit aufnehmen. Grundsätzlich dürfen Volljährige nämlich höchstens Einkünfte (abzüglich Werbungskosten) von 7680 Euro im Jahr haben, ohne den Kindergeldanspruch für das gesamte Jahr zu verlieren.

Allerdings lässt sich auch bei Einkünften über diesem Grenzbetrag ein Teil des Kindergeldes retten, wenn die Pause zwischen zwei Ausbildungsabschnitten länger als vier Monate dauert. Da in diesem Fall während der Wartezeit kein Kindergeldanspruch besteht, darf das in diesen Monaten erzielte Einkommen nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs nicht zum Jahresgrenzbetrag hinzugerechnet werden (Urteil vom 23. Februar 2006, AZ: III R 82/03).

Das Finanzgericht Münster legte die Regeln für die Einkommensanrechnung jüngst noch familienfreundlicher aus. Demnach gibt es auch dann noch Kindergeld, wenn Kinder mit einem Vollzeitjob zwischen zwei Ausbildungsabschnitten den Jahresgrenzbetrag überschreiten (Urteil vom 31. März 2009, AZ: 1 K 4425/08 Kg, AO).

Im konkreten Fall stand die Tochter des Klägers im Juni in einer Berufsausbildung. Anschließend arbeitete sie bis Ende September in Vollzeit und nahm am 1. Oktober ein Studium auf. Da die Tochter wegen der Vollzeittätigkeit mehr als 7680 Euro verdiente, strich die Familienkasse das Kindergeld für das Streitjahr komplett.

Die Richter entschieden hingegen, dass das Einkommen aus der dreimonatigen Vollzeittätigkeit nicht berücksichtigt werden dürfe. Denn während dieser Zeit habe das Kind so viel verdient, dass die Eltern nicht unterhaltspflichtig gewesen seien und entsprechend auch keinen Kindergeldanspruch gehabt hätten. Würde das Einkommen trotzdem berücksichtigt, entfiele nicht nur der Kindergeldanspruch für die Übergangszeit der Vollzeiterwerbstätigkeit, sondern - zu Unrecht - auch für Berufsausbildungszeiten, begründeten die Richter.