Berlin: Lehrerverbände kritisieren Hartz-IV-Pläne für Nachhilfeunterricht

Berlin: Lehrerverbände kritisieren Hartz-IV-Pläne für Nachhilfeunterricht

Lehrerverbände halten die von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) geplante Nachhilfe für Kinder aus Hartz-IV-Haushalten für nicht praxistauglich.

„Der Verwaltungsaufwand ist für die Schulen viel zu groß, so dass die pädagogischen Prüfungen so wie vorgesehen nicht stattfinden können”, sagte der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger der „Süddeutschen Zeitung” (Donnerstagausgabe) laut Vorabbericht.

Die Nachhilfe ist Teil des geplanten Bildungspakets, bei dem Schulkinder aus Hartz-IV-Haushalten dem Blatt zufolge pro Jahr Leistungen von mindestens 250 Euro abrufen können. Nachhilfestunden soll es nur geben, wenn die Schüler die nächste Klassenstufe noch erreichen können.

Kein Geld soll fließen, wenn durch die Nachhilfe der Sprung auf eine höhere Schule geschafft werden soll. Die Lehrer sollen dabei jeweils eine „auf das Schuljahresende bezogene prognostische Einschätzung” über den jeweiligen Nachhilfekandidaten geben. Fällt diese Prognose negativ aus, besteht kein Anspruch auf Lernförderung.

Der Chef des Philologenverbands hält dies jedoch für nicht praktikabel. Um eine qualifizierte Entscheidung über einen Schüler treffen zu können, „müssten wir jeweils eine Lehrerkonferenz einberufen und uns beraten”, sagte Meidinger. Das sei nicht machbar. Die Folge werde sein, dass „wir das Verfahren sehr weit im Sinne der Schüler auslegen”. Wenn ein Schüler am Ende eines Halbjahres um eine positive Prognose für die Genehmigung von Nachhilfestunden bitte, könne man immer die Möglichkeit einräumen, dass er das Klassenziel noch schafft.

Auch die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer, sagte, sie rechne damit, dass die Lehrer wohl zu Großzügigkeit tendieren werden. Die in dem Gesetzentwurf verlangte „prognostische Einschätzung” sei extrem unpädagogisch. „Moderne Lehrer wollen keine Selektierer sein, die ein Scheitern ihrer Schüler bereits zu Beginn des Schuljahres vorhersehen”, sagte die stellvertretende GEW-Chefin. Dies werde zu Auseinandersetzungen mit den Jobcentern führen. Gebe es doch abschlägige Entscheidungen, dürfte es zu Konflikten mit den Eltern kommen.

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