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Düsseldorf: Künstliche Befruchtung ist für viele Paare zu teuer

Düsseldorf : Künstliche Befruchtung ist für viele Paare zu teuer

Für die 28-jährige Rebecca und ihren Mann Michael aus Neuss hat sich durch eine künstliche Befruchtung der Traum vom gemeinsamen Kind erfüllt: Vor einem knappen Jahr kam ihre Tochter zur Welt. Doch die Behandlung an der Uniklinik Düsseldorf war teuer.

Bis zu 4000 Euro kostet die Methode, bei der Eizelle und Samen zusammengeführt und später in die Gebärmutter eingesetzt werden. Geld, das Rebecca und Michael sich mühsam zusammensparen mussten: „Man dreht jeden Cent zweimal um und überlegt, ob man noch ein Paar Schuhe oder ein neues Kleidungsstück braucht. Auch größere Anschaffungen wurden zurückgestellt”, erzählt die Neusserin.

Deutschlandweit wünschen sich rund zwei Millionen ungewollt kinderlose Paare Nachwuchs. Am Düsseldorfer Uniklinikum hilft Reproduktionsmediziner Jan-Steffen Krüssel Betroffenen. Die teure Behandlung wird in Deutschland aber nur zur Hälfte von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Die Ausnahme bildet Sachsen, wo kinderlose Paare seit diesem Jahr Zuschüsse aus Steuergeldern erhalten. Nun werben Krüssel und Kollegen bei der NRW-Landesregierung für die Übernahme des sächsischen Modells.

„Wir sind im Gespräch mit den Politikern und halten Vorträge zu verschiedenen Anlässen, um für dieses Thema zu sensibilisieren”, sagt Krüssel. In Sachsen wurde ein Fonds aus Steuergeldern eingerichtet, aus dem die Paare Zuschüsse erhalten. Die erste Behandlung läuft wie überall in Deutschland: Die Kasse zahlt 50 Prozent der Kosten, für die zweite und dritte Behandlung gibt das Land Sachsen bis 900 Euro dazu, die vierte Behandlung wird mit bis zu 1800 Euro bezuschusst.

Über die Möglichkeiten zur Finanzierung der künstlichen Befruchtung wird laut dem Landesfamilienministerium auch in Nordrhein-Westfalen nachgedacht. Dies müsse dann aber eine gemeinsame Lösung des Bundes und aller Länder sein, heißt es. Eine Einzellösung, wie sie Sachsen eingeführt hat, wird demnach im Land zunächst nicht angestrebt. Dabei zahlt die Krankenkasse auch nur dann die Hälfte der Kosten, wenn die Paare verheiratet sind und die Frau nicht älter als 40 und der Mann nicht über 50 Jahre alt ist. Paare ohne Trauschein müssen die Kosten komplett selber tragen.

Ähnlich wie in Düsseldorf gibt es in NRW an fast allen Universitätsklinikstandorten wie Aachen, Bonn, Köln und Münster sogenannte Kinderwunschzentren. Ergänzt wird das Angebot durch niedergelassene Spezialpraxen. Eine Garantie ist die künstliche Methode der Zeugung allerdings nicht. Die durchschnittliche Erfolgsquote liegt bei knapp unter 30 Prozent. Ein Grund dafür ist, dass die meisten Frauen über 35 Jahre alt sind - und mit steigendem Alter verringert sich die Chance auf eine Schwangerschaft.

Auch die ehemals Betroffene und Vorsitzende des Vereins „Wunschkind” in Berlin, Gaby Ziegler, kennt die Probleme der ungewollt Kinderlosen. Die Neusserin hat täglich mit Paaren zu tun, deren größter Wunsch ein oder mehrere Kinder sind. „Zu ihrer Lebensplanung gehören Kinder dazu. Wenn ihnen diese Perspektive genommen wird, stehen sie vor dem Nichts”, sagt Ziegler. Betroffene müssten mühsam lernen, ohne Kinder zu leben. Der Verein bietet daher auch psychologische Hilfe an.

Er versteht sich aber auch als politischen Motor. „Weil sich viele Paare nicht outen wollen, brauchen sie eine Lobby. Es sind zwar viele, aber sie leiden heimlich”, weiß Gaby Ziegler. Hinzu komme, dass eine breite Akzeptanz und das Verständnis in der Gesellschaft für ungewollt Kinderlose fehle. Auch für Rebecca und Michael war es nicht einfach, mit dem zunächst unerfüllten Kinderwunsch umzugehen „Ein Jahr haben wir gewartet, bis wir uns in die Behandlung begaben.

Zunächst wussten nur unsere Eltern davon, später erzählte ich auch Freunden, wie unsere kleine Tochter entstanden ist”, berichtet die junge Frau. Heute weiß sie, dass es vielen Paaren so geht, sogar im eigenen Freundeskreis. Das Paar aus Neuss will nun auch ein zweites Kind auf künstlichem Weg zeugen.