Hamburg: Kindersport: Wer haftet beim Eltern-Kind-Turnen?

Hamburg: Kindersport: Wer haftet beim Eltern-Kind-Turnen?

Es herrscht lautes Treiben beim Eltern-Kind-Turnen. Kleinkinder mit dickem Windelhintern und ihre größeren Geschwister klettern auf Geräten. Ihre Eltern und die Übungsleiter helfen ihnen dabei.

Ein gesunder Spaß für Klein und Groß im Eimsbütteler Turnverband (ETV) in Hamburg. Doch wer haftet, wenn etwas kaputt geht, sich ein Kind oder eine Begleitperson verletzt? „Das kommt natürlich sehr auf den Einzelfall an, also was passiert ist”, sagt Holger Niese, Justiziar beim Deutschen Olympischen Sportbund in Frankfurt/Main.

„Und dann hängt es noch davon ab, in welchem Bundesland das passiert ist und wie der jeweilige Verein versichert ist.” Die meisten Vereine in Deutschland seien Mitglied in einem Landessportverband. Davon habe jeder für seine Mitglieder eine eigene Versicherung abgeschlossen, die dann benachrichtigt würde.

Der Hamburger Sportbund, bei dem der ETV Mitglied ist, ist beispielsweise bei der Arag-Sportversicherung in Düsseldorf versichert. Laut Wolfgang Gindorf, Teamleiter bei diesem Versicherer, sind 14 weitere Verbände auch dort unter Vertrag. „Die Verträge sind sehr individuell gestaltet.” Grundsätzlich beinhalteten sie Haftpflicht- und Unfallversicherungen für die Vereinsmitglieder und die Übungsleiter des Vereins.

„Die Idee der Sportversicherung ist es, die schweren Unfälle abzudecken”, sagt Gindorf. „Dazu gehören im schlimmsten Fall der Tod oder die Invalidität durch einen Sportunfall. Wir gehen davon aus, dass die allermeisten Menschen in Deutschland krankenversichert sind, so dass die Krankenkasse etwa bei einem Beinbruch oder einer anderen Verletzung für die Kosten aufkommt.”

Manche Landesverbände hätten darüber hinaus noch weitere Leistungen vereinbart, beispielsweise Hausaufgabenhilfe für Kinder, die länger in der Schule fehlen nach dem Sportunfall, oder Zuschüsse für Brillen-, Hörgerät-, oder Zahnersatz.

In den allermeisten Fällen gelten die Verträge nur für Mitglieder. Komplizierter wird es also, wenn beispielsweise einmal die Oma oder das Au pair-Mädchen als Nicht-Mitglieder mit den Kleinen zum Turnen gehen. Eine Reihe von Vereinen haben laut Gindorf eine Nicht-Mitgliederversicherung abgeschlossen. Wichtig sei auch zu wissen, dass die Haftpflichtversicherungen nicht im Falle von Mutwilligkeit für Sach- oder Personenschäden aufkomme. Nur fahrlässiges Verhalten sei versichert.

Wird also nachgewiesen, dass ein Kind ein Gerät mutwillig zerstört oder einen anderen Menschen verletzt hat, greift die Vereinsversicherung nicht. Das gilt aber auch für die Privat-Haftpflichtversicherung, sagt Hajo Köster vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. „Es stellt sich dann die Frage, ob die Eltern fahrlässig die Aufsichtspflicht verletzt haben. Und Kinder unter sieben Jahren haften ohnehin nicht, so dass nur bei einem eigenen Verschulden der Eltern mit Ersatz gerechnet werden kann”, so Köster.

„Wenn etwas in einem Verein passiert, dann wendet dieser sich an uns, und wir leiten dann das Versicherungsverfahren ein”, sagt Thomas Michael, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Hamburger Sportbund. Über konkrete Fälle aus den laufenden Verträgen ist leider nichts zu erfahren, auch nicht bei der Arag-Sportversicherung.

Die rechtliche Gemengelage wirkt somit ein wenig unübersichtlich, wenn Eltern mit ihren Kindern turnen wollen. Charlotte Henkel von der Verbraucherzentrale Hamburg rät Eltern daher, Mitglied in dem Verein zu werden, wenn sie das Eltern-Kind-Turnen regelmäßig besuchen wollen. Darüber hinaus könne man beim Verein gezielt nachfragen, wie es um den Versicherungsschutz für den Opa oder den Babysitter steht. Es lohne sich auch, die Aushänge und Mitgliedsanträge genau durchzulesen und nach dem Kleingedruckten zu schauen.

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