Hannover: Kinderpsychologe: Eltern sollten mit Kindern beten

Hannover: Kinderpsychologe: Eltern sollten mit Kindern beten

Der Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann rät Eltern, regelmäßig mit ihren Kindern zu beten, auch wenn sie selbst nicht gläubig sind. „Die Kindervorstellung vom lieben Gott soll man nicht stören. Sie gehört zur Poesie der Kindheit”, sagte der Erziehungswissenschaftler und Buchautor aus Hannover im epd-Gespräch.

Im Gebet wendeten sich Kinder an ein beschützendes Wesen, das Väterliches und Mütterliches vereine: „Da muss man keinen skeptischen Erwachsenenverstand ins Spiel bringen.”

Auch die Eltern profitierten vom Gebet mit ihrem Kind. Sie kämen zur Ruhe und versenkten sich in eine innere Wirklichkeit, die sich vom Alltag unterscheide. „Ob man gläubig ist oder nicht, Gebete sind immer Zeichen der Liebe zwischen Eltern und Kind.” Bergmann plädierte dafür, die Kinder mindestens bis zum zehnten Lebensjahr beim Beten zu begleiten. „Wenn ein Kind allein vor sich herbetet, ist das wie Zähneputzen, da kommt nicht viel bei rum.”

Angstmachendes oder Ermahnungen wie „Gott sieht alles”, die es früher gegeben habe, gehören seiner Ansicht nach jedoch nicht in die Kinderwelt. „Die alten Strafgebete waren unchristlich, so wie auch die moderne Strafpädagogik nach dem Motto Lob der Disziplin unchristlich ist”, sagte Bergmann. Er nimmt in der pädagogischen Debatte in Deutschland eine Gegenposition ein zu dem Psychiater Michael Winterhoff und dem ehemaligen Direktor des Eliteinternats Schloss Salem, Bernhard Bueb, die in ihren Büchern mehr Disziplin und Gehorsam fordern.

Kinder greifen Bergmann zufolge in Gebeten zumeist ihre Alltagserfahrungen auf. So nähmen sie sich zum Beispiel nach einem Streit mit der Freundin vor, sich am nächsten Tag wieder zu versöhnen. Schnell seien sie dabei auch bei elementaren Themen wie der Verbindung zwischen den Menschen und zu Gott. Dabei akzeptierten die Mädchen und Jungen, dass sich ihre Bitten nicht automatisch erfüllten. „Ein Gebet ist keine Wunschliste und der liebe Gott ist nicht der Weihnachtsmann. Darüber kann man mit den Kindern reden.”