Bremen: Kampf den Gaffern und Grapschern im Schwimmbad

Bremen: Kampf den Gaffern und Grapschern im Schwimmbad

Der Mann hat in der Dusche so seltsam herüber gestarrt. Im Wasser schwamm er ganz nah vorbei und berührte plötzlich meinen Po. War das Absicht? Eine Frage, die sich viele Kinder stellen, die im Schwimmbad Opfer von sexueller Belästigung geworden sind.

Heimliche Fotos, vermeintlich zufällige Berührungen und verstohlene Blicke - da die Übergriffe meist verdeckt geschehen, fällt es ihnen schwer darüber zu sprechen.

„Sie wissen nicht, ob sie das richtig wahrgenommen haben”, sagte Ingrid Wedlich von der Missbrauchsberatungsstelle „Schattenriss” am Dienstag in Bremen. Mit einer Kampagne wollen die Bäder in der Hansestadt Bremen ihre Gäste deshalb über sexuelle Belästigung informieren. Flyer und Plakate sollen den Opfern die Hemmungen nehmen und potenzielle Täter abschrecken. Fachleute wie Wedlich haben außerdem die Mitarbeiter geschult, damit sie Übergriffe erkennen und im Verdachtsfall richtig einschreiten können.

Zahlen, wie viele Kinder in deutschen Schwimmbädern belästigt werden, gibt es nicht. Gerade weil die Taten nicht offensichtlich sind, liegt die Dunkelziffer nach Angaben von Wedlich hoch. „Sexueller Missbrauch kommt in 80 Prozent der Fälle im Nahbereich vor”, erläutert die Psychologin. Das heißt: Verwandte, Nachbarn oder andere Vertrauenspersonen wie der Fußballtrainer sind oft die Täter. Das Schwimmbad sei aber ein Anknüpfungspunkt für sie. Dort könnten sie mit ihren späteren Opfern ins Gespräch kommen, Beziehungen aufbauen.

„Anbahnung und Sattsehen”, beschreibt Christian Spoden von der Bremer Fachstelle für Gewaltprävention die Motive. Der Therapeut betreut mehrere Sexualstraftäter, die im Schwimmbad auf Opfersuche gingen. Knappe Badebekleidung und viel nackte Haut, ein idealer Ort für Spanner und Handykameras. „Diese Bilder werden dann mit nach Hause genommen - was Lust auf mehr macht.”

Dort, wo sich viele Kinder aufhalten, zieht es auch Pädophile hin, das ist den Verantwortlichen bei den Bremer Bädern bewusst. Deshalb haben sie nicht nur ihre Badegäste genauer im Blick, auch neue Mitarbeiter müssen seit einiger Zeit ein Führungszeugnis vorweisen. Nach Ansicht von Spoden ist diese Vorsicht berechtigt: „Kinder werden zunehmend als Sexualobjekte in unserer Gesellschaft gesehen.”

Auch in anderen Schwimmbädern wird das jetzt ein Thema. Die Niederrheinwerke im nordrhein-westfälischen Viersen haben in ihren Bädern ebenfalls eine Aufklärungskampagne gestartet. Die Münchner Einrichtungen veranstalten jährlich einen Aktionstag zu sexueller Belästigung.

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