Berlin: Internet ist für die meisten Kinder Alltag

Berlin: Internet ist für die meisten Kinder Alltag

Kinder in Deutschland surfen erstmals mit neun Jahren im Internet, lösen ihre Hausaufgaben online, sind in sozialen Netzwerken aktiv und werden seltener als befürchtet Opfer von anrüchigen digitalen Inhalten.

Das sind zentrale Ergebnisse der am Dienstag in Berlin präsentierten Studie „EU Kids Online”, die von der Europäischen Kommission gefördert wurde. Allerdings sind im europäischen Ausland noch mehr Kinder und Jugendliche in virtuellen Welten unterwegs als in Deutschland.

Für die erste europaweite Studie zur Onlinenutzung von 9- bis 16-Jährigen wurden über 23.000 junge Menschen und je ein Elternteil in 25 Ländern im Frühjahr und Sommer 2010 befragt. In der Befragung mit dem Titel „Risiken im Internet” ging es unter anderem darum, ob Kinder schon Online-Gefahren begegnet sind und sie dadurch beunruhigt wurden.

Erstes Surfen mit sieben

Für die meisten Kinder in Deutschland gehört das Internet mittlerweile zum Alltag. 53 Prozent von ihnen sind der Studie zufolge täglich oder fast täglich online. Im europäischen Vergleich sind es sogar 57 Prozent. Zudem starten sie immer früher in digitale Welten: Mit neun Jahren surfen sie in Deutschland erstmals - das entspricht dem europäischen Durchschnitt. In Schweden fangen sie sogar bereits mit sieben Jahren an.

Über die Hälfte der Kinder in Deutschland haben zudem im eigenen Zimmer Internetzugang. Allerdings wird hierzulande auch gern ein mobiler Zugang genutzt: Über die Hälfte der Kinder in Deutschland (53 Prozent) nutzen das Internet über Mobiltelefone oder Smartphones (Europa: 31 Prozent). Auch die sozialen Netzwerke sind begehrt - allerdings weniger als im Ausland: 50 Prozent der deutschen Kinder haben ein Profil innerhalb eines sozialen Netzwerks eingerichtet (Europa: 57 Prozent). In den Niederlanden pflegen dagegen 78 Prozent der 9- bis 16-Jährigen ein eigenes Profil.

Panikmache unangebracht

Panikmache vor dem Internet scheint unangebracht: Europaweit gab nur jedes achte Kind an, schlechte Erfahrungen im Netz gemacht zu haben (Deutschland: jedes zwölfte Kind). In Deutschland stoßen Kinder auch seltener auf Seiten mit sexuellen oder pornografischen Inhalten (zwölf Prozent). Am häufigsten gaben Kinder aus Estland und Tschechien an (30 beziehungsweise 29 Prozent), ungewollt auf Internetseiten mit sexuellen Inhalten gestoßen zu sein.

Auch wird deutlich weniger im Internet gemobbt als befürchtet. 18 Prozent der deutschen Kinder berichteten der Studie zufolge, überhaupt schon einmal (offline oder online) gemobbt worden zu sein. 4 Prozent haben entsprechende Erfahrungen online gemacht. Beide Werte entsprechen etwa dem europäischen Durchschnitt.

Kinder vorbereiten

Der Direktor des Hans-Bredow-Instituts, Uwe Hasebrink, sagte in einem dapd-Gespräch, Angst vor dem Internet hemme Kinder und Jugendliche im Umgang mit Online-Medien. „Wenn man das Internet nur als Gefahrenzone bezeichnet, tut man den Kindern keinen Gefallen. Denn das Internet ist eines der leistungsfähigsten Kommunikationsinstrumente, das wir haben”, sagte er. Das Hans-Bredow-Institut ist deutsches Mitglied in dem Netzwerk EU Kids Online.

Kinder und Jugendliche müssten vorbereitet werden, mit welchen Inhalten sie in Kontakt kommen könnten, erklärte Hasebrink. Ihnen müssten Kompetenzen vermittelt werden, wie sie mit den für sie belastenden Inhalten umgehen könnten. Dafür benötigten sie zur Unterstützung vertrauensvolle Gesprächspartner. Eltern und Lehrer müssten entsprechend geschult werden.