Neumünster/Weimar: Gefährliche Küsse: Speichel überträgt Pfeiffersches Drüsenfieber

Neumünster/Weimar: Gefährliche Küsse: Speichel überträgt Pfeiffersches Drüsenfieber

Schnupfen, Husten, Halsschmerzen, Abgeschlagenheit und leichtes Fieber: Die meisten Menschen denken bei solchen Symptomen an eine Erkältung oder an einen grippalen Infekt und kümmern sich nicht weiter darum.

Wenn aber nach einigen Tagen die Körpertemperatur auf mehr als 38 Grad steigt und die Lymphknoten schmerzhaft anschwellen, ist nach dem Gang zum Arzt schnell klar: Hier handelt es sich um das Pfeiffersche Drüsenfieber - eine häufige, aber in der Regel harmlose Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus.

„80 Prozent der Menschen machen sie durch, nur tritt sie bei den meisten nicht in Erscheinung”, erklärt Dirk Heinrich, Präsident des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte in Neumünster. So hat sich bis zum 30. Lebensjahr ein Großteil der Bevölkerung unbemerkt mit dem Verursacher infiziert, Antikörper dagegen entwickelt und ist dadurch lebenslang immun. Zugleich bleibt aber das Virus auf Dauer im Körper und kann immer wieder über den Nasen-Rachen-Raum ausgeschieden werden.

Da das Virus hauptsächlich über den Speichel übertragen wird und am ehesten Menschen bis zum Alter vom 25 Jahren erwischt, wird die Krankheit auch als Kuss-Krankheit oder Studentenfieber bezeichnet. „Die Durchseuchung ist recht groß, das Virus ist überall präsent”, sagt die in Weimar tätige Kinderärztin Monika Niehaus vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. So können sich Kleinkinder nicht nur durch Küsse der Eltern, sondern auch durch Tröpfchen- oder Schmierinfektionen zum Beispiel im Kindergarten anstecken.

Auf den ersten Blick sieht das Pfeiffersche Drüsenfieber oft aus wie eine eitrige Angina. „Im Unterschied dazu sind die Mandeln aber schmierig grau belegt”, erläutert Niehaus. Daher rühre ein auffällig übler, süßlicher Mundgeruch, der sich durch Zähneputzen nicht beseitigen lässt. „Das Krankheitsgefühl ist außerdem stärker als bei einer Angina.” Hinzu kommen die sehr ausgeprägten, schmerzhaften Schwellungen der Lymphknoten und häufig auch Bauchschmerzen, die auf einer geschwollenen Leber und Milz beruhen.

Wen das Virus plagt, der muss das Bett hüten - und sich im Zweifelsfall im Anschluss für längere Zeit schonen. „Eine spezifische Therapie gibt es nicht”, erklärt Richard Wimmer vom Berufsverband Deutscher Internisten. Denn zum Beispiel Antibiotika wirken allein gegen Bakterien, nicht aber gegen Viren. Nur die Symptome lassen sich behandeln: Gegen das Fieber, die Halsschmerzen und Lymphknotenschwellungen verordnet der in München niedergelassene Hausarzt Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol. Um die Abwehrkräfte zu stärken, rät er außerdem zu hoch dosiertem Zink und Vitamin C. Als einfache, aber wirksame Hausmittel empfiehlt Niehaus Halswickel sowie flüssige Kost, um das Schlucken zu erleichtern. „Alles, was kalt und glatt wie Eis oder Joghurt ist, ist gut”, sagt die Kinderärztin.

Für Drüsenfieber-Patienten gilt außerdem für mehrere Wochen ein absolutes Sportverbot. Und danach sollten sie sich nur vorsichtig wieder an Belastungen herantasten. Niehaus schätzt, dass Kinder bis zu einem Vierteljahr in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt sind. Bei erwachsenen Patienten macht Wimmer die erlaubte Belastung abhängig von den Leberwerten und davon, wie die Milz abschwillt. Auch das kann dauern.

Wer sich nicht an die verordnete Schonung hält, läuft Gefahr, dass der Infekt weiterschwelt. Die begleitende Leberentzündung bleibe erhalten, und der Betroffene sei deutlich leistungsgeschwächt, warnt Wimmer. „Man bekommt außerdem leichter schwere Infektionen wie eine Bronchitis oder eine Nasennebenhöhlenentzündung.” Eher selten kann es dem HNO-Ärzte-Verband zufolge auch zu einer Hirnhaut-, Herzmuskel- oder Nierenentzündung kommen.

Schützen kann man sich vor dem Pfeifferschen Drüsenfieber nicht - es gibt keine Impfung. „Im Prinzip muss man da durch”, sagt Niehaus. Erkrankte sollten allerdings in der ersten Krankheitsphase gemieden werden, vor allem jegliche Speichelkontakte mit ihnen, rät der HNO-Ärzte-Verband. Schon nach kurzer Zeit nehme die Ansteckungsgefahr aber ab - Händchenhalten ist dann wieder erlaubt.