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Berlin/Gera: Funktionieren unter Schock: Die ersten drei Tage im Trauerfall

Berlin/Gera : Funktionieren unter Schock: Die ersten drei Tage im Trauerfall

Der Tod eines geliebten Familienmitglieds kommt oft völlig überraschend. Auch wenn Entsetzen und Fassungslosigkeit groß sind, muss sich einer in der Familie um den lästigen Papierkram kümmern.

Dafür bleibt in der Regel nicht wochenlang Zeit. Gewisse Formalitäten müssen innerhalb der ersten drei Tage nach dem Tod eines Menschen erledigt werden - und dabei geht es nicht nur um Bestattungsfragen.

Tag 1: Zunächst gilt es, den Totenschein und die Sterbeurkunde zu besorgen. „Die meisten Menschen sterben im Krankenhaus”, sagt Falk Murko von der Stiftung Warentest in Berlin. Den Totenschein erhalten Angehörige dann automatisch von der Klinik. Stirbt jemand zu Hause, muss ein Arzt gerufen werden, der den Totenschein nach der Leichenschau ausstellt. Der Mediziner klärt auch, ob der Tod auf natürliche Weise eingetreten ist - wenn nicht, muss die Polizei alarmiert werden.

Tag 2: „Innerhalb von 36 Stunden muss der Tote dann in eine Leichenhalle überführt werden”, erläutert Murko. Zu Hause könne der Angehörige ein bis zwei Tage aufgebahrt werden, sofern er keine meldepflichtige Krankheit hatte. Der Zeitraum könne mittlerweile sogar verlängert werden. „Da ist man heute flexibel.”

Mit dem Totenschein muss ein Hinterbliebener spätestens am dritten Werktag nach dem Tod zum Standesamt gehen, um sich eine Sterbeurkunde zu besorgen. Mitzubringen sind auch die Geburtsurkunde und der Personalausweis des Toten, bei Verheirateten zusätzlich die Eheurkunde, bei Geschiedenen das Scheidungsurteil. „Für die Beurkundung eines Sterbefalls ist der Standesbeamte verantwortlich, in dessen Zuständigkeitsbereich sich der Sterbefall ereignete”, erklärt Margrit Schmidt, Fachdienstleiterin Einwohnerwesen beim Standesamt in Gera.

Den Sterbefall anzuzeigen ist Pflicht. Das sollten diejenigen tun, die mit dem Verstorbenen unter einem Dach gelebt haben oder in deren Wohnung er gestorben ist. Aber auch Menschen, die beim Tod eines anderen anwesend waren, können den Sterbefall melden. Der Standesbeamte fertigt laut Schmidt auf Grundlage des Totenscheins die Sterbeurkunde - möglichst zehn Exemplare. Dieses Dokument wird beispielsweise für die Abmeldung von Renten, Kontoauflösungen, Kündigungen von Versicherungen oder Nachlassangelegenheiten gebraucht.

„Die Angehörigen sollten den Versicherer des Verstorbenen so schnell wie möglich informieren”, empfiehlt Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft in Berlin. Hier gelte die Regelung der sogenannten Kenntniserlangung: „Die Beiträge werden genau ab dem Zeitpunkt erstattet, an dem der Versicherer über den Todesfall informiert wurde.” In der Regel genüge ein Telefonat, um über den Tod des Versicherten zu informieren. „Wer aber auf Nummer sicher gehen möchte, sollte den Versicherer via Fax oder Brief mit Rückschein anschreiben”, rät die Expertin.

Für die Unfallversicherung gilt: Stirbt jemand wegen eines Unfalls, muss der Tod innerhalb von 48 Stunden dem Versicherer angezeigt werden, auch wenn der Unfall dem Versicherungsunternehmen bereits bekannt ist. „Der Versicherer hat das Recht, gegebenenfalls eine Obduktion vornehmen zu lassen”, erläutert Rüter de Escobar.

Parallel zu diesen Formalitäten gilt es, die Bestattung zu organisieren. „Innerhalb von 36 Stunden muss man den Bestatter auswählen”, sagt Murko. „Das ist eigentlich immer eine der ersten Entscheidungen, die man trifft.” Der Bestatter holt dann den Leichnam aus dem Krankenhaus oder der Wohnung ab. Zuvor sollten die Angehörigen aber klären, ob der Tote möglicherweise mit einem Bestattungsunternehmen einen sogenannten Bestattungsvorsorgevertrag abgeschlossen hat. Dann muss dieser Bestatter informiert werden, der sich um alles Weitere kümmert. Den Termin für die Beisetzung sollten die Angehörigen in den ersten zwei Tagen festlegen.

Tag 3: Am dritten Tag nach dem Todesfall stehen weitere organisatorische Fragen an. Möglicherweise müssen Absprachen mit dem Gemeindepfarrer getroffen werden. Auch gilt es, mit einer Gärtnerei die Dekoration der Beisetzung mit Kränzen und Blumen zu besprechen. Murko rät darüber hinaus, sich über Trauerkarten Gedanken zu machen und in einem Restaurant Tische sowie eventuell ein Menü für das Essen nach der Beerdigung zu bestellen. Dafür muss natürlich der Bestattungstermin feststehen. „Das ist super viel Stress, viele wissen das gar nicht”, warnt Murko.

Was sonst noch zu tun ist

Nach den ersten Erledigungen sollten alle informiert werden, die mit dem Toten irgendwie verbunden waren. Dazu zählen der Arbeitgeber, Verwandte und Bekannte sowie Vereine und Verbände. „Man muss auch alle laufenden Verträge überprüfen”, erklärt Falk Murko von der Stiftung Warentest in Berlin. Dazu zählen zum Beispiel Vereinbarungen mit Banken, der Krankenkasse, dem Gasversorger oder dem Vermieter. Zudem sollten Angehörige beim Nachlassgericht - das ist in der Regel beim Amtsgericht angesiedelt - einen Erbschein beantragen.