Freiburg: Für Komplimente sollte man sich immer bedanken

Freiburg: Für Komplimente sollte man sich immer bedanken

Ein Lob zu bekommen, ist eigentlich etwas Schönes. Aber manche Leute winden sich geradezu unter den Komplimenten anderer und tun Anerkennung gerne mit einem „Ach was, das stimmt doch gar nicht” ab.

„In Deutschland pflegen wir eine Kultur des sparsamen Lobs. Viele Leute sind Komplimente daher einfach nicht gewöhnt und müssen erst lernen, sie anzunehmen”, erklärt Michael Ziegelmayer, Diplom-Psychologe aus Freiburg.

Menschen, denen Komplimente Unbehagen bereiteten, hätten meist ein kritisches oder sogar negatives Selbstbild. „Wenn sie dann etwas Positives über sich hören, passt das nicht mit ihrer Eigenwahrnehmung zusammen, und sie fühlen sich unwohl”, sagt Ziegelmayer. Oft vermuteten solche Menschen sogar Hintergedanken, wenn ihnen ein anderer etwas Nettes sage.

Wem Lob grundsätzlich unangenehm ist, der kann versuchen, sein negatives Selbstbild zu verbessern. „Eine Übung kann sein, sich vor den Spiegel zu stellen und sich selbst Komplimente zu machen”, sagt Ziegelmayer. Oft helfe es auch, wenn man gute Freunde darum bitte, einem einmal nette Dinge zu sagen.

Gut sei auch, wenn man Komplimente, die andere einem machen, aufschreibe. „Dabei kann man das Lob und den Anlass dafür notieren. Wenn man sich diese Liste dann immer wieder anschaut, entdeckt man vielleicht positive Aspekte an sich selbst, die man vorher so noch nicht gesehen hatte”, sagt Ziegelmayer.

Wenn man ein Kompliment bekomme, sollte man trotz des Unbehagens auf keinen Fall stillschweigend darüber hinweggehen. „Man sollte zumindest versuchen, den anderen anzuschauen und sich für die Anerkennung bedanken”, sagt Ziegelmayer. So signalisiere man seinem Gegenüber, dass seine Worte angekommen sind. „Man muss auch nicht gleich etwas Nettes erwidern, wenn man ein Kompliment bekommt. Man kann es einfach annehmen und sich darüber freuen”, sagt Ziegelmayer.

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