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Essen/Düsseldorf: Feuer und Rauch als Todesfalle: Experten sorgen sich um Senioren

Essen/Düsseldorf : Feuer und Rauch als Todesfalle: Experten sorgen sich um Senioren

Der Blick in die Statistik besorgt den Essener Feuerwehrsprecher Mike Filzen: Von sechs Menschen, die in der Ruhrgebietsstadt allein in diesem Jahr durch Rauch und Flammen ums Leben kamen, waren vier über 85 Jahre alt.

Auch 2012 waren vier von fünf Todesopfern bei Bränden deutlich jenseits der Rentengrenze. „Ich gehe davon aus, dass diese Zahlen steigen werden”, sagt der Feuerwehrmann - Rauchmelderpflicht und Wachsamkeit zum Trotz.

„Es gibt eine ganz eindeutige Tendenz, dass Einsätze mit Senioren zunehmen”, sagt Christoph Schöneborn, Geschäftsführer des Verbandes der Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen. Der Grund ist einfach: Es gibt immer mehr alte Menschen - „und immer mehr Menschen wohnen ohne Familienanschluss”, erläutert Schöneborn. Geraten sie in Not, muss die Feuerwehr ran: So gebe es immer öfter Einsätze, um Türen aufzubrechen, hinter denen verletzte Alte sind. Auch Brandeinsätze in Haushalten mit Senioren nehmen anteilig zu. Dass diese in den Flammen sterben, bleibe glücklicherweise selten, sagt Schöneborn. Trotzdem gebe es auch in Nordrhein-Westfalen gezielte Bemühungen, auch Alte besser über Brandschutz und Feuergefahren aufzuklären.

Nach den jüngsten verfügbaren Zahlen des Statistischen Bundesamtes fielen im Jahr 2011 in Deutschland 376 Menschen einem Brand zum Opfer. Damit hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Zahl der Toten durch Feuer und Rauch zwar mehr als halbiert, doch das Durchschnittsalter der Opfer geht nach oben: 2011 war über die Hälfte der Feuertoten älter als 65 Jahre, 1990 waren es noch unter 40 Prozent.

Die Sensibilisierung jüngerer Menschen für das Thema Feuer und Brandschutz zeige offenbar Wirkung, sagt Annika Schnelzer, Fachfrau für Brandschutzaufklärung beim Verband der Feuerwehren in NRW. „Doch gerade die Älteren und Gebrechlichen müssen wir wieder stärker in den Blick nehmen.” Die Senioren hätten - aufgewachsen in einer Zeit der Holz- und Kohleöfen - den vernünftigen Umgang mit offenem Feuer sehr wohl gelernt. „Dieses Wissen zu reaktivieren ist auch Aufgabe der Brandschutzaufklärung.”

So besuchen Feuerwehrleute inzwischen immer öfter Pflegeheime oder Seniorengruppen lokaler Vereine, sprechen bei Festen und Tagen der offenen Tür gezielt auch die älteren Bürger an. Der Feuerwehrverband hat in Zusammenarbeit mit einer Versicherung eine Brandschutz-Broschüre gedruckt: in möglichst klarer Sprache und besonders großer Schrift für Menschen mit nachlassender Sehkraft.

Aufklärung allein kann das höhere Risiko für Alte jedoch nicht ganz ausschalten: „Das Bügeleisen vergessen, den Herd nicht ausgeschaltet - das passiert jedem, aber im Alter leider häufiger”, sagt Schnelzer. Gleichzeitig sinkt bei vielen die Reaktionszeit, die Sinne sind nicht mehr so geschärft. Wer gebrechlich sei, habe zusätzlich das Problem, sich nicht so leicht in Sicherheit bringen zu können - und das obwohl bei einem Feuer manchmal Minuten entscheidend sind. Das Allerwichtigste sei daher, dass alte Menschen auf den Notfall gedanklich vorbereitet seien: „Die Menschen müssen sich Fluchtwege einprägen und sich vergegenwärtigen, wie sie den Notruf betätigen.”

Ein weiterer Tipp kommt vom Essener Feuerwehrmann Filzen: „Es gibt auch Rauchmelder, die auch Hörgeschädigte warnen können” - kein Piepsen alarmiert dann vor Feuer, sondern ein Blitzlicht oder ein Vibrieren im Kopfkissen.

(dpa)