Greifswald/Wiesbaden: Elterngeld führt bei Einkommensstärkeren zu mehr Babys

Greifswald/Wiesbaden: Elterngeld führt bei Einkommensstärkeren zu mehr Babys

Das 2007 eingeführte Elterngeld hat einer Studie zufolge vor allem in einkommens- und bildungsstarken Familien für Zuwachs gesorgt.

Das geht aus einer Studie von Forschern der Greifswalder Universität hervor. Demnach hat sich der Anteil von Frauen mit Hochschulabschluss, die ihr erstes Kind bekamen, nach Einführung der Hilfe um 30 Prozent erhöht, wie der Chef des Instituts für Community Medicine, Wolfgang Hoffmann, am Donnerstag sagte.

Die stärksten Effekte gebe es bei Frauen, deren Haushaltseinkommen bei über 2500 Euro lag. In dieser Gruppe entschieden sich 70 Prozent mehr für ein Kind. Frauen, die aus Angst um Job oder Karriere entmutigt gewesen seien, hätten sich für ein erstes oder weiteres Kind entschieden.

Auch in der Gruppe der Frauen mit Arbeitsstelle habe sich der Anteil derer, die sich für ein zweites oder drittes Kind entschieden, um 30 Prozent erhöht. „Die Ergebnisse sind eine Bestätigung für das Elterngeld”, sagte der Sozialmediziner und Epidemiologe Hoffmann.

Insgesamt stieg die Anzahl der Babys aber nicht. Dies führte Hoffmann auf den allgemeinen Trend sinkender Geburtenraten zurück. Zudem seien die Auswirkungen des Elterngeldes gering, weil der kleinen Gruppe der einkommensstarken Familien die größere Gruppe der einkommensschwächeren gegenüberstehe. Elterngeld sei deshalb aber nicht sozial ungerecht. „Das Elterngeld hat einer Gruppe der Frauen genützt und keiner geschadet”, sagte Hoffmann.

Die Untersuchung ist nach Angaben der Forscher die deutschlandweit erste soziodemografische Untersuchung zum Elterngeld. Im Rahmen der Studie Survey of Neonates in Pommerania (SNiP) wurden alle Mütter befragt und deren soziale Daten erhoben, die zwischen Mitte 2003 und Ende 2008 Kinder in den Krankenhäusern Greifswald, Anklam und Wolgast geboren hatten. Insgesamt gingen die Daten der Mütter von 3358 Geburten in die Untersuchung ein.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hatten Väter und Mütter in den ersten drei Monaten dieses Jahres mehr staatliche Unterstützung bekommen als im Vorjahresquartal. Im Schnitt stieg der monatliche Anspruch auf das Elterngeld von 662 auf 699 Euro, wie das Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Männer hatten bis März 2010 pro Monat im Schnitt Anspruch auf 967 Euro, Frauen auf 632 Euro.

Die Unterschiede begründen die Statistiker unter anderem damit, dass viele Eltern vor der Geburt erwerbstätig waren. Auf rund acht von zehn Vätern und knapp sechs von zehn Müttern habe dies vor der Geburt ihres Kindes zugetroffen. Erwerbstätige Vätern hatten im ersten Bezugsmonat im Schnitt Anspruch auf 1114 Euro monatlich, arbeitende Mütter auf 855 Euro.

Der Grundbetrag für Eltern, die vor der Geburt ihres Kindes nicht erwerbstätig waren, lag bei 300 Euro pro Monat. Die Regierung will im Rahmen ihres Sparpakets diesen Zuschlag für nicht erwerbsfähige Eltern abschaffen.

Für die Statistik wertete das Bundesamt Daten von Eltern aus, die im ersten Quartal 2010 ihren Elterngeldbezug beendet haben. Das waren bundesweit mehr als 151 000 Mütter und knapp 38 000 Väter.