Einschränkungen im Alter? Wie Familien Lösungen finden

München: Einschränkungen im Alter? Wie Familien Lösungen finden

Auch wenn Medizin und Forschung inzwischen weit fortgeschritten sind, lässt sich der Prozess des Alterns nicht in seiner Gänze aufhalten. Schwierigkeiten mit der eigenen Beweglichkeit, Schmerzen und nachlassende geistige und körperliche Fähigkeiten können das selbständige Leben dann erschweren.

Ein Problem, vor dem viele Familien in Deutschland stehen. Wer jedoch flexibel bleibt und Hilfe annehmen kann, wird im Alter mit Unterstützung umgehen können.

Ältere Menschen brauchen früher oder später Hilfe

Wann das Alter die eigene Selbständigkeit einzuschränken beginnt, ist sehr unterschiedlich. Der bisherige Lebenswandel, die persönlichen Voraussetzungen und auch plötzlich auftretende Erkrankungen wirken sich hier auf das Wohlbefinden älterer Menschen aus. Klar ist jedoch: Im Alter kommt es irgendwann zu einem Punkt, an dem vollständige Selbständigkeit nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Und auch wenn Forscher sehr optimistisch hinsichtlich der Lebenserwartung des Menschen sind, ist eine liebende Familie hier das A und O.

Schon vor dem Altern beschäftigen sich viele Menschen mit den Schwierigkeiten, die sie möglicherweise im Winter des Lebens erwarten. Eine Umfrage zeigt, welche Punkte hier besonders kritisch zu sein scheinen. So erwarten 63 Prozent der Befragten gesundheitliche Probleme, während 48 Prozent auch die eigene Pflegebedürftigkeit als Bestandteil ihrer Zukunft sehen. Dies macht deutlich, dass die Auffassung vom Prozess des Alterns und seiner Nebenerscheinungen durchaus realistisch ist. Wer sic h schon früh bewusst macht, dass das Alter auch mit Schwund verbunden ist, kann dann besser darauf reagieren und fühlt sich nicht verzweifelt oder hilflos.

In welchem Maß Hilfe notwendig ist, kann dabei nicht pauschal gesagt werden. Manche alten Menschen benötigen lediglich tägliche Besuche, können ihren Alltag aber noch selbst strukturieren. Andere wiederum müssen rund um die Uhr betreut werden und brauchen auch bei Aufgaben wie

· der Körperhygiene

· der Versorgung mit Nahrung

· der Medikamenten-Einnahme

· und dem Halten von Ordnung in der eigenen Wohnung

konkrete Unterstützung. An dieser Stelle ist es also wichtig, dass Familien möglichst flexibel auf die Bedürfnisse ihrer Ältesten reagieren können.

Familien sollten Hilfsangebote nicht ausschlagen

Dass Flexibilität jedoch nicht immer in einem Maß gegeben ist, das die Versorgung alter Menschen möglich macht, liegt auf der Hand. Viele Söhne und Töchter stehen selbst noch mitten im Berufsleben und müssen sich um ihre eigenen Kinder kümmern. Genügend Zeit, um alten Menschen dauerhaft unter die Arme zu greifen, bleibt dann nicht.

Oft jedoch fällt der Schritt, die eigenen Eltern oder Schwiegereltern in ein Pflegeheim zu geben, schlicht zu schwer. Das Verlassen der gewohnten Umgebung ist für Senioren häufig eine einschneidendes Erlebnis, das sie unglücklich macht. Und auch das Vertrauen in eine fremde Einrichtung mit ebenso fremden Pflegern fällt angesichts mancher Berichte über die Zustände in der Pflege nicht leicht. Oma, Opa, Mama oder Papa soll es schließlich auch im Alter so gut wie nur möglich gehen.

Das wiederum ruft den Bedarf für die sogenannte ambulante Pflege auf den Plan. Dieser Bedarf verändert sich laut Zahlen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes mit dem Alter der Betroffenen. Ab 75 Jahren steigt er deutlich, bis sich im Jahr 2015 zwischen 85 und 90 mit 163.901 ambulant betreuter Personen ein Höhepunkt herauskristallisierte. Die Inanspruchnahme ambulanter Pflege ist daher ein Punkt, der für viele Familien in Deutschland immer häufiger zum Lösungsansatz wird.

Gerade im Bereich der 24 Stunden Pflege gibt es hier einige Optionen, aus denen Familien wählen können. Vom ambulanten Pflegedienst über privat angestellte Betreuer bis hin zu selbständig arbeitendem Betreuungspersonal ist das Angebot häufig etwas unübersichtlich. Hier ist es wichtig, alle Alternativen kennenzulernen und die passende Möglichkeit auszuwählen. Auch in finanzieller Hinsicht kann das durchaus einen Unterschied machen.

Pflege durch Angehörige: Unter bestimmten Voraussetzungen denkbar

Pflegebedürftige Senioren innerhalb des eigenen Familienkreises zu betreuen, kann eine Lösung sein. Hiermit verbunden sind allerdings große Herausforderungen und ein hoher zeitlicher Aufwand. Neben einer Vollzeitbeschäftigung beispielsweise lässt sich eine rund-um-die-Uhr-Betreuung kaum realisieren.

Auch der räumliche Abstand spielt bei der Pflege durch Angehörige eine entscheidende Rolle. Am leichtesten gelingt die Betreuung, wenn die Wohnung des Pflegebedürftigen im gleichen Haus oder in der direkten Nachbarschaft liegt. Hier sind die Laufwege kurz und es muss keine Anfahrt in Kauf genommen werden. Insbesondere in Notfällen kann das entscheidend sein, denn hier ist meist schnelle Hilfe notwendig.

Wer sich dazu entschließt, ein altes Familienmitglied auf eigene Faust zu betreuen und zu pflegen, nimmt daher viel auf sich. Nächtliches Aufstehen und das Führen zweier Haushalte sind dabei nur zwei Punkte einer langen Liste. Auch doppelte Einkäufe und die Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben sowie die Verwaltung von Medikamenten liegen dann in der Hand des Familienmitgliedes. Auch wenn der Wunsch nach selbst organisierter Pflege oft groß ist, gelangen viele Betroffene daher früher oder später an ihre persönlichen Grenzen und entscheiden sich entgegen ihrer früheren Überzeugung doch für professionelle Unterstützung. Weiterführende Informationen rund um das Thema „Häusliche Pflege von Angehörigen" hat das Bundesgesundheitsministerium zusammengefasst.

Die Entscheidung für ein individuell passendes Pflegekonzept lässt sich abschließend also nicht binnen weniger Stunden treffen. Familien sollten sich Zeit nehmen, ihre Optionen kennenzulernen und bei der Auswahl möglicher Alternativen auch ihre eigenen Bedürfnisse nicht vernachlässigen. So lässt sich ein gemeinsamer Weg ausarbeiten, mit dem alle Beteiligten glücklich werden können.

(vo)
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