Berlin: Einen guten Babysitter findet man nicht von heute auf morgen

Berlin: Einen guten Babysitter findet man nicht von heute auf morgen

„Die beste Babysitterin, die ich je hatte, fand ich über einen Zettelaushang an einem Baum”, sagt Sandra Coy, berufstätige Mutter von zwei Kindern. „Junge Lettin sucht Arbeit” stand darauf. Die Lettin war ein Ex-Au-Pair-Mädchen und hatte viel Erfahrung mit Kinderbetreuung. Drei Jahre lang war sie ein verlässlicher Sitter. Doch dann ging die junge Frau zurück in die Heimat und die Suche fing von vorne an.

Wie findet man einen guten Babysitter? Vor dieser Frage stehen viele Eltern, die Job und Familie unter einen Hut bringen wollen, sich Entlastung wünschen oder einfach einmal wieder als Paar etwas unternehmen möchten.

„Zunächst sollte man in der Familie und in der Nachbarschaft suchen”, raten Expertinnen wie Renate Niesel, Diplom-Psychologin am Münchner Staatsinstitut für Frühpädagogik. Auch Diplom-Pädagogin Susanne Kiendl vom Deutschen Roten Kreuz hält Babysitter, die man über persönliche Empfehlung bekommt, für die erste Wahl. Eine gute Möglichkeit seien auch Aushänge in Kindergärten, meint Kiendl.

Wer eine Anzeige in der Lokalzeitung aufgibt, muss damit rechnen, dass sich auch unqualifizierte Bewerber melden, die weniger an Kindern interessiert sind als am Geldverdienen.

Viele Babysitter bieten ihre Dienste mittlerweile in Internetbörsen an. Neben großen kommerziellen Plattformen wie http://www.betreut.de vermitteln mancherorts Kommunen oder kleinere private Firmen Babysitter via Internet. Auch über soziale Organisationen kann man fündig werden: Das Deutsche Rote Kreuz bildet selbst Babysitter aus und hat in vielen Kreis- und Ortverbänden einen kostenlosen Vermittlungsdienst eingerichtet, um bei der Suche nach geschulten Kräften zu helfen.

Was für alle Wege gilt: Einen guten Babysitter findet man nicht von heute auf morgen, auch wenn zum Beispiel ein Babysitter-Notdienst in Hamburg verspricht, schon nach eineinhalb Stunden eine weibliche Betreuerin zu vermitteln. Psychologin Niesel hält von so einem Vorgehen gar nichts: „Es ist auf keinen Fall möglich, um fünf Uhr einen Sitter zu organisieren, wenn man um acht Uhr das Haus verlässt.”

Bevor die Eltern sich zurückziehen, müssten Kind und Babysitter sich kennen: „Das Kind muss mit dem Sitter vertraut sein.” Besonders kleine Kinder dürften nicht in eine Situation kommen, in der sie aufwachen und plötzlich eine Unbekannte sehen. „Sie suchen immer den Körperkontakt und das kann nicht eine fremde Person von jetzt auf gleich übernehmen”, sagt Niesel.

Umgekehrt bräuchten auch die Eltern Gewissheit, dass ihre Kinder in guten Händen seien. Die Diplom-Psychologin empfiehlt deshalb, das Kind behutsam im Beisein der Eltern und im vertrauten Umfeld an den Babysitter zu gewöhnen: Zunächst nur für wenige Minuten weggehen und dann langsam den Zeitraum ausdehnen. Ein Treffen reiche nicht. Um festzustellen, ob ein Babysitter gut ist und zum Kind passt, müssten die Eltern vor allem beobachten: „Ist die Person übergriffig oder wartet sie, bis das Kind von selbst Kontakt aufnimmt? Reagiert sie einfühlsam und sensibel?” Wenn das Kind auch nach dem dritten Treffen immer noch nur in die Arme der Mutter wolle, sei das kein gutes Zeichen. Ähnlich sieht das die DRK-Pädagogin Kiendl. „Die ersten Termine sollten im Beisein der Eltern ablaufen. Man muss erkennen, ob der Babysitter einen Draht zu den Kindern hat und verantwortlich mit ihnen umgeht.” Achten sollte man auch auf Qualifikationen wie absolvierte Babysitter- oder Erste-Hilfe-Kurse am Kind.

Auf Kurszertifikate und einen ersten guten Eindruck allein könne man sich aber nicht verlassen, meint Kiendl. Ihr Tipp: Nach Referenzen fragen und dort anrufen. „Manchmal machen Sitter einen guten Eindruck, aber dann stellt sich heraus, sie haben nur vor der Tür gestanden und geraucht.” Die allermeisten, die in die DRK-Kurse kämen, seien aber sehr verantwortliche junge Leute, betont die Pädagogin.

„Letztlich”, findet die zweifache Mutter Sandra Coy, „zählt das Bauchgefühl”: Möchte ich mein Kind dieser Person guten Gewissens anvertrauen? Wer diese Frage mit einem klaren Ja beantwortet, hat wahrscheinlich den richtigen Babysitter gefunden.

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