Hof: Die kindliche Lust am Fluchen: Verbote bringen nichts

Hof: Die kindliche Lust am Fluchen: Verbote bringen nichts

Kinder lernen schnell: Ein paar Wochen Kita reichen oft schon aus, um einer wohlerzogenen Vierjährigen das Fluch-Repertoire eines Bierkutschers anzutrainieren.

„Schimpfwörter sind für Kinder hochinteressant. Sie erleben anhand dieser Begriffe, welche Kraft in Worten steckt und was man damit bewegen kann”, weiß Andreas Engel, stellvertretender Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). Diese Erfahrung sei sehr wichtig und positiv für die Kleinen.

Um die Flut der bösen Worte langfristig etwas einzudämmen, empfiehlt der Experte Eltern, verschiedene Strategien anzuwenden. „Eine Möglichkeit ist, die Flüche einfach zu ignorieren”, sagt Engel. Ohne die empörte Reaktion der Erwachsenen verlören Kindern schnell den Spaß an der Provokation.

Einen ähnlichen Effekt habe es, wenn man bewusst auf das Thema einsteigt und gemeinsam mit seinem Kind neue Schimpfwörter erfindet. „Wenn diese Begriffe plötzlich erlaubt sind, verlieren sie ihre Macht”, sagt Engel.

Ein Fluch-Verbot ist nach Meinung des Erziehungsexperten aus dem bayerischen Hof wenig sinnvoll. „Da halten sich die Kinder vielleicht dran, wenn die Eltern in Hörweite sind - aber verinnerlicht wird es nicht”, sagt Engel.

Wichtig sei allerdings, dass Eltern ihrem Nachwuchs auch ein Gefühl dafür vermitteln, welche Auswirkungen Schimpfwörter auf ihr Umfeld haben. „Man kann beispielsweise erklären, dass manche Begriffe innerhalb der Familie okay sind, aber dass Nachbarn oder Lehrer darauf sehr sauer reagieren können”, sagt Engel.

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