Berlin: Demenz: Blick auf verbleibende Möglichkeiten lenken

Berlin: Demenz: Blick auf verbleibende Möglichkeiten lenken

Viele Demenzkranke werden von ihren Angehörigen gepflegt. Oft ist es für sie besonders schmerzhaft, mitanzusehen, wie der Betroffene seine Fähigkeiten nach und nach verliert. „Am Anfang fallen einem erstmal die Defizite auf, all die Dinge, die der Demenzkranke nun nicht mehr so leisten kann wie früher”, sagt Helga Schneider-Schelte von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft in Berlin.

Vieles funktioniere im Alltag mit einem Demenzkranken nicht mehr so, wie man es gewöhnt sei. Schon das Tischdecken könne zu einer schwierigen Aufgabe werden, die den Betroffenen überfordere. Die Sozialpädagogin empfiehlt Angehörigen, den Blick trotzdem bewusst auf das zu lenken, was noch geht. „Wenn man sein Verhalten auf die Fähigkeiten des Betroffenen einstellt, ist es für einen selbst und den Demenzkranken oft leichter”, sagt Schneider-Schelte. Stelle man fest, dass der Erkrankte mit einer Tätigkeit Schwierigkeiten habe, solle man ihn behutsam unterstützen und ihm vermitteln: Wir kriegen das gemeinsam hin.

„Es ist wichtig, die Selbstständigkeit von Demenzkranken so lange wie möglich zu erhalten. Menschen mit Demenz wollen aktiv sein. Wird ihnen zu viel abgenommen, ziehen sie sich mit der Zeit immer mehr zurück”, sagt die Sozialpädagogin. Oft könnten Erkrankte beispielsweise ihre Hobbys mit Unterstützung noch lange ausführen. „Sie kommen im Chor oder im Turnverein wunderbar mit - aber sie brauchen vielleicht jemanden, der sie dort hinbringt und abholt”, sagt Schneider-Schelte.

Die Begleitung von Menschen mit Demenz sei sehr belastend, weiß Schneider-Schelte. Eine große Gefahr sei, in die Isolation zu geraten. Angehörigen empfiehlt sie daher, darauf zu achten, ihre sozialen Kontakte nicht zu vernachlässigen. „Ist man aufgrund der Pflegesituation stark ans Haus gebunden, könnte man zum Beispiel seine Freunde zu sich einladen und sie gegebenenfalls bitten, etwas mitzubringen”, schlägt Schneider-Schelte vor.

Außenstehende seien in so einer Situation oft unsicher und wüssten nicht, wie sie mit dem Demenzkranken umgehen sollen. „Angehörige sollten den Mut haben, offen mit der Krankheit umzugehen und den anderen Tipps zu geben, was der Demenzkranke mag und was nicht. Schließlich sind sie die Experten”, sagt Schneider-Schelte.

Auf der Internetseite der Deutschen Alzheimer Gesellschaft finden Betroffene und Angehörige weitere Informationen und Hilfestellungen.