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Schweinfurt: Bloß kein Familienzoff: Fallen bei Konfirmation und Kommunion umgehen

Schweinfurt : Bloß kein Familienzoff: Fallen bei Konfirmation und Kommunion umgehen

Im Mai wird Laura konfirmiert und steckt schon mitten in den Vorbereitungen. Auch ihr Konfirmationskleid hat die 13-Jährige aus Schweinfurt schon gekauft. Und natürlich hat sie - wie viele andere Jugendliche auch - eine klare Vorstellung, wie das Fest aussehen soll. Vor allem in Sachen Kleidung hat sie eine eindeutige Meinung . Schrille und grelle Farben sind für sie ein absolutes No-Go. „Ich finde, man sollte sich auf jeden Fall festlich kleiden“, sagt sie. „Und man sollte selbst entscheiden dürfen, was man genau anziehen möchte.“

Das bestätigt auch Uschi Aschoff, Pfarrerin in der evangelischen Kirchengemeinde St. Johannis in Bayreuth. Denn nichts sei schlimmer, als wenn Eltern sich mit ihren Kindern vor einem solchen Fest über Nebensächlichkeiten streiten und den Konfirmanden keine Freiheiten lassen.

Doch es gibt noch einen anderen Punkt, der nach Erfahrung von Aschoff häufig für Zündstoff sorgt. „Vielen graut es leider vor dem Fest, weil sie befürchten, dass die Familienstreitigkeiten gerade an der Konfirmation ausgetragen werden“, sagt die Mitarbeiterin am religionspädagogischen Zentrum in Heilsbronn. Dabei sollten an diesem Tag die Konfirmanden im Vordergrund stehen und nicht die über Jahre aufgestauten Familienstreitigkeiten.

Auch vor der Kommunionfeier machen derartige Familienstreitigkeiten nicht halt, weiß Albert Biesinger. Er ist Professor am Lehrstuhl für katholische Religionspädagogik und Erwachsenenbildung an der Universität Tübingen. Mit Schrecken denkt er an einen Fall zurück, wo der geschiedene Vater zwar zur Kommunionfeier eingeladen wurde, aber nur auf der Straße mit seiner Tochter spielen durfte. Nachdem diese ihr blütenweißes Kleid schmutzig gemacht hatte, blieben Wortgefechte und Zoff mit der Mutter nicht aus.

„Die Erwachsenen sollten sich an diesem Tag zurücknehmen, damit nicht der Familienalltag das Fest kaputt macht“, rät Biesinger. Mit klaren Absprachen und ein wenig gutem Willen könne das gelingen.

Schlecht ist seiner Meinung nach außerdem die mangelnde Vorbereitung auf das Fest - sowohl im Elternhaus als auch in der Pfarrgemeinde. In seinem Forschungsprojekt Familienkatechese bereitet er deshalb nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern gezielt auf die Kommunion vor. Dabei ermutigt er Eltern und Kinder, sich zu Hause Zeit zu nehmen, über Glaubens- und Lebensfragen zu sprechen. Das klappt beispielsweise mit Büchern zum Thema gut. „Wenn sich Eltern und Pfarrei keine Zeit mehr nehmen für eine gezielte Hinführung auf die Kommunion, ist das eine Katastrophe“, ist Biesinger überzeugt, „und die Kinder merken das auch.“

Pfarrerin Aschoff beobachtet manchmal aber auch einen übertriebenen Eifer bei der Vorbereitung auf die Konfirmation. Da wird das Fest beispielsweise mit allen möglichen Vorstellungen der Eltern überfrachtet. Konfirmanden sind nicht zuletzt von den verschiedensten Erwartungen überfordert. Als Pfarrerin gibt sie Eltern deshalb immer Tipps für ein gelungenes Fest mit auf den Weg: von der Kleiderfrage über die Zusammenstellung der Gästeliste bis hin zum gemeinsamen Essen.

Doch das ist noch lange nicht alles, denn oft genug lenken die Vorbereitung und die Hoffnung auf großzügige Geldgeschenke von der eigentlichen Sache ab. „Es sollte nicht passieren, dass die Jugendlichen nur wegen des Geldes konfirmiert werden möchten“, sagt Aschoff. Deshalb versuche sie Jugendliche darin zu bestärken, ihren Glauben für sich entdecken und darüber sprechen zu können. So manches Mal komme es dann sogar vor, dass die Jugendlichen ihren Glauben gegen ihre Eltern durchsetzen.

Dann scheint ja einem gelungenen Fest nichts mehr im Wege zu stehen - oder doch? Oft genug drehen sich Auseinandersetzungen mit den Eltern nicht um die Kleiderfrage oder die Vorbereitung, sondern um die Gästeliste oder das geeignete Restaurant.

„Man sollte sich gemeinsam mit den Eltern an einen Tisch setzen und überlegen, wen man einlädt“, findet Laura. „Auf jeden Fall sollten es Leute sein, mit denen man sonst auch etwas zu tun hat. Und zwei, drei Jugendliche in meinem Alter wären nicht schlecht.“

(dpa)