Blinde Kuh war gestern

Kindergeburtstag feiern : Blinde Kuh war gestern

Für Kinder gehört der eigene Geburtstag zu den wichtigsten Tagen des Jahres. Ein Stückchen Kuchen zu essen, Topfschlagen zu spielen und Geschenke auszupacken reicht vielen Familien für diesen besonderen Anlass daher nicht mehr aus - ein spektakuläres Familienfest muss her. Doch welche Folgen hat diese Entwicklung für Kinder und Eltern?

Ob riesige Hüpfburg, Clownbesuch mit Kinderschminken oder Fahrt zum Bauernhof mit anschließendem Ponyreiten - es gibt grundsätzlich nichts, was heutzutage nicht für die Kleinen organisiert werden könnte. Doch eine derart aufwendige Geburtstagsfeier zu planen geht nicht nur ins Geld, sondern sorgt auch für jede Menge Vorbereitungsstress bei den Eltern.

Hohe Kosten, viel Aufwand

Da verwundert es nicht, dass immer mehr Familien dazu übergehen, die Geburtstagsvorbereitungen in professionelle Hände zu übergeben. Es existieren mittlerweile auf die Ausrichtung von Kinderfesten spezialisierte Firmen, welche auf Wunsch einen perfekt durchgetakteten Tag arrangieren. Während des Events wird dann von der Begrüßung bis hin zur Mitgebe-Tüte für wirklich alles gesorgt - doch für einen solchen kunterbunten Nachmittag werden bis zu 700 Euro fällig.

Eltern müssen außerdem in Kauf nehmen, dass Einladungskarten, Geschenktüten und Geburtstagsplakate im einheitlichen Design des jeweiligen Anbieters gestaltet sind und nicht etwa selbstgebastelt. Doch dafür müssen sie sich um nichts mehr kümmern. Gestresste Mütter und Väter können von solch einer Lösung also unterm Strich ebenso profitieren wie die Firmen selbst, die über die im großen Stil personalisierten Werbemittel auf sich aufmerksam machen und neue Kunden für sich gewinnen können.

Viele Psychologen kritisieren diese Entwicklung zum Event-Kindergeburtstag jedoch, da Kinder auf solchen Festen meist nur wenig Spielraum für Eigeninitiative oder Kreativität haben und alles einem strengen Zeitplan unterliegt. Auch ist die Gefahr groß, dass dadurch ein Wettbewerbsdenken unter Kindern gefördert wird. So kann es schnell zu Neid und Enttäuschung führen, wenn der Geburtstag eines anderen Kindes noch spektakulärer ausfällt als der eigene.

Was können Eltern also tun, um ihren Kindern einen schönen Geburtstag zu ermöglichen, ohne über das Ziel hinauszuschießen? Die Kunst besteht darin, das Mittelmaß zu finden.

Weniger ist oft mehr

Für einen gelungenen Kindergeburtstag und ein glückliches Geburtstagskind braucht es in der Regel gar nicht so viel Tamtam. Ein abwechslungsreicher Mix aus ruhigen und aktiven Spielen, etwas Freiraum für die Kreativität der Kinder und ein lustiges Motto reichen oftmals schon aus, damit der Nachwuchs Spaß hat.

Ein wenig aufwendiger wird es, wenn der Kindergeburtstag durch eine besondere Torte aufgewertet werden soll. Selbstgebacken kostet diese zwar recht wenig, erfordert jedoch je nach Größe und Aufwand durchaus Zeit und Talent. Im Netz gibt es zahlreiche Anleitungen und Beispiele für tolle Torten.

Doch auch wenn der Kindergeburtstag, in egal welchem Ausmaß, stets ein wenig anstrengend für die Eltern ist - schaut man am Ende des Tages in die strahlenden Augen der Kinder, hat sich sämtliche Mühe gelohnt.

(vo)
Mehr von Aachener Zeitung