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Bad Homburg: Bettnässen ist bis zu einem Alter von etwa fünf Jahren unbedenklich

Bad Homburg : Bettnässen ist bis zu einem Alter von etwa fünf Jahren unbedenklich

Nachts in einer Pfütze aufzuwachen ist für kein Kind angenehm. Bis zu einem Alter von vier, fünf Jahren ist Bettnässen allerdings nicht bedenklich und betrifft sogar einen Großteil aller Kinder, erklärt die Kinderärztin Barbara Mühlfeld aus Bad Homburg.

„Etwa ab dem zweiten Lebensjahr lernen Kinder, ihre Blase zu kontrollieren.” Doch das Zusammenspiel von Niere, Blasenfüllung und Blasenmuskulatur sei für das heranwachsende Nervensystem des Kindes eine große Herausforderung und funktioniere in den ersten Lebensjahren noch nicht ganz fehlerfrei.

Sei das Kind aber fünf Jahre oder älter und nässe noch immer ein, sollte man den Kinderarzt darauf ansprechen, rät Mühlfeld. „Am häufigsten ist das sogenannte primäre Bettnässen. Hier waren die Kinder noch nie trocken. Betroffen sind hauptsächlich Jungs bis zu einem Alter von etwa neun Jahren.” Das Zusammenspiel von Blase und Gehirn funktioniere hier noch nicht richtig.

Diese kleine Entwicklungsstörung behebe sich bei den meisten Kindern von selbst. Motivierend könne es für das Kind sein, einen Kalender zu führen, in dem es die trockenen Tage selbst eintragen darf. „Wenn das Kind unter dem Problem sehr leidet, kann auch eine medikamentöse Behandlung gegen Bettnässen hilfreich sein.”

Andere Ursachen hat die sekundäre Form des Bettnässens: „Hier waren die Kinder schon einmal für mindestens drei Monate trocken”, erklärt die Expertin. Ein erneutes Einnässen ließe sich dann manchmal auf eine Erkrankung zurückführen, möglicherweise einen Harnwegsinfekt. „Andererseits kann das auch ein Zeichen einer psychischen Belastung sein.” Das Einnässen sei in dem Fall Ausdruck für fehlende Geborgenheit, Enttäuschung, übermäßige Strenge, Stress in der Schule oder Probleme in der Familie.

„Eltern und Kind sollten am besten den Kinderarzt aufsuchen, den das Kind von klein auf kennt, der auch mit der Familie und dem sozialen Umfeld des Kindes vertraut ist”, rät Mühlfeld. Mögliche Probleme könnten dann in einem Gespräch mit dem Arzt erörtert und Lösungswege gemeinsam ausgearbeitet werden. Hilfreich könne es zudem sein, dass Eltern den Klassenlehrer des Kindes auf mögliche Probleme mit anderen Schülern ansprechen.

„Die Behandlung des Bettnässens erfordert sehr viel Einfühlungsvermögen”, betont Mühlfeld. Die Eltern müssten sich dem Kind gegenüber verständnisvoll und geduldig zeigen. Ganz wichtig: Strafen oder Drohungen sollten grundsätzlich vermieden werden. Mühlfeld: „Mit Sanktionen löst man das Problem ganz sicher nicht.”