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Volkssport Grillen: Was steckt hinter dem Hype?

Volkssport Grillen : Was steckt hinter dem Hype?

Manche nennen es einfach Grillen, andere erheben es zum Grillsport, wieder andere nutzen nur das lautmalerische Kürzel BBQ, gesprochen Barbecue. Doch egal, wie man es genau nennt, es bleibt das Vergnügen, mit Kohle, Strom oder Gas im Freien eine Art des Kochgenusses zu zelebrieren, die so im Innenraum kein Gegenstück hat.

Vielleicht auch deshalb hat sich das Grillen in der jüngsten Vergangenheit von einem Hobby in den Sommermonaten zu einem ganzjährigen und mit höchstem Technik- und Zutateneinsatz praktizierten Vergnügen gemausert.

 Grillen als Trend: Woran sich der Hype erkennen lässt

Grillen liegt aktuell im Trend. Das hat verschiedene Gründe. Im Rahmen der Corona-Pandemie haben viele Menschen sich zunehmend um ihr häusliches Umfeld gekümmert, was gleichzeitig der Nachfrage nach Grillgeräten einen Vorschub gegeben hat.

Grillen als ganzjähriges Angebot

Das gilt nicht nur für Deutschland - auch international konnten viele Hersteller von Grillgeräten seit dem Jahr 2020 ein hohes Plus verzeichnen. Dabei wird das Grillen zusätzlich immer mehr zu einem ganzjährigen Angebot.

Das zeigt sich allein daran, dass einige Grillschulen ihre Lehrgänge und Kurse über das gesamte Jahr hinweg anbieten. Verschiedene Produkte zum Grillen sind mittlerweile ebenfalls über das ganze Jahr erhältlich, unter anderem

  • bei Online-Händlern,
  • in Fachbetrieben
  • sowie in einfachen Supermärkten.

So gibt es zum Beispiel ganzjährig eine vielseitige Auswahl an Grillkohle. Zudem sind während der kälteren Jahreszeit sogar typische Grillwaren wie diverse saftige Steaks, Gemüse, feines Fischfilet (beispielsweise vom Lachs) und vor allem frisches Wild erhältlich. Nicht weniger umfangreich ist das Angebot an Grills, die im Winter und Herbst erworben werden können.

Die Grillszene in den Medien und sozialen Netzwerken

Wie groß der Hype um das Grillen ist, zeigt sich etwa daran, dass die Aktivität immer wieder in den Medien vertreten ist. Große Portale liefern detaillierte Ratgeber, die sich mit dem Grillen selbst oder dem Zubehör beschäftigen und den Lesern einen umfangreichen Mehrwert bieten.

Volkssport Grillen: Was steckt hinter dem Hype?
Foto: stock.adobe.com/BERNARD BODO

News zur Branche, wie zum Beispiel der Börsengang des großer Grillhersteller, werden ebenfalls aufgegriffen. Darüber hinaus spielt das Grillen in einigen Fernsehsendungen eine Rolle. Das Hobby hat also eine gesellschaftliche Relevanz, die von den Medien erkannt und aufgegriffen wird.

In den sozialen Medien ist das Thema nicht weniger präsent. Über das ganze Jahr hinweg finden sich auf Instagram unter dem Hashtag Grillen aktuelle Fotos, die den Betrachtern das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Bei Facebook ist die Szene ebenfalls gut organisiert, zum Beispiel in verschiedenen Gruppen zum Thema.

Innovation durch professionelle Grilltechnik

Zudem schreitet die Technik im Bereich Grillen immer weiter voran. Wo es früher einfache Modelle gab, sind die heutzutage erhältlichen Grills immer vielseitiger, ausgeklügelter und auf ein besonderes Ziel abgestimmt. Zu den verschiedenen Geräten gehören etwa

  • Pelletgrill,
  • Lavasteingrill und
  • Smoker Grill.

Der Pelletgrill, der wie der Name bereits vermuten lässt, mit Pellets betrieben wird, liefert das Aroma eines Holzkohlegrills, lässt sich jedoch flexibler regulieren. Bei einem Lavasteingrill werden die Steine durch Gas erhitzt.

Dieses Modell punktet vor allem durch ein besonders hohes Maß an Sicherheit, eine gute Hitzeverteilung und die Vermeidung von Rauchentwicklung. Gerade Letzteres ermöglicht Rücksicht auf Nachbarn, die die Grillbegeisterung nicht teilen. Der Smoker Grill wiederum ist ein vielseitiges Instrument. Mit einem solchen Gerät können verschiedene Lebensmittel neben dem Grillen geräuchert oder gebacken werden.

Übrigens: Sogar die Digitalisierung spielt beim Grillen eine Rolle. So können die Begeisterten unter anderem die Temperatur über Apps ablesen und regeln. Zudem liefern die digitalen Anwendungen gerade Einsteigern wichtige Hinweise und Infos - zum Beispiel, wann das Fleisch gedreht werden muss.

Professionalisierung der Szene

Bei all diesen Entwicklungen ist es wenig verwunderlich, dass in der Szene eine echte Professionalisierung stattfindet. Hobby-Grillmeister haben in vielen Fällen sicherlich ein deutlich umfangreicheres Fachwissen, als dies noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war.

Aus der Essenszubereitung wird zunehmend ein Lifestyle, der mit viel Leidenschaft ausgelebt wird. Beobachten lässt sich dies unter anderem anhand der sozialen Medien und der dortigen Posts von Grill-Amateuren.

Der amerikanische Ursprung: Die Geschichte hinter dem modernen Grillsport

Das Garen von Fleisch auf dem offenen Feuer wurde bereits von Hunderttausenden von Jahren entdeckt. Über die Zeit entwickelten sich einfache Gerätschaften, die bei dieser Aktivität eine große Hilfe waren.

In Argentinien wurden Eisenkreuze verwendet, auf denen die Tiere über dem Feuer aufgespannt wurden. Steine spielten ebenfalls in anderen Teilen der Welt bereits früh eine Rolle. Die Römer wiederum nutzten erste Grillroste, die speziell für diesen Zweck gebaut wurden.

Die Grill-Kultur, wie sie sich heute in Deutschland immer mehr ausbreitet, hat ihren Ursprung allerdings in den USA. Sie entwickelte sich im Laufe der letzten Jahrhunderte durch Reisende aus Europa und den Kontakt mit den indigenen Völkern

Es ist daher wenig verwunderlich, dass das Wort "Barbecue" seinen Ursprung in der Sprache der Indianer auf Haiti hat. Bereits früh wurden nicht nur das Fleisch, sondern auch die Saucen und die Würzung wichtig für das Geschmackserlebnis.

Die Erfindung des Kugelgrills im Jahr 1951 macht das Grillen noch einmal populärer. Mit dem großen Einfluss, den die USA in verschiedenen kulturellen Bereichen während des letzten Jahrhunderts weltweit innehatten, verbreitete sich dieser Teil der Kulinarik immer mehr in andere Länder wie zum Beispiel Deutschland.

Von der archaischen Magie der Zubereitung auf offenem Feuer: Was die Grill-Lust ausmacht

Nicht nur die technische Entwicklung sorgt dafür, dass das Grillen immer mehr an Beliebtheit gewinnt. Zugleich gibt es eine Reihe von Punkten, die das Grillen zu einem echten Event machen, das weit über die Nahrungszubereitung hinausgeht.

Grillen als Kochen mit lässigem Buddy-Faktor

Das Grillen ist im Vergleich zum Kochen am Herd eher entspannt. Mit ein wenig Vorbereitung kann es fast schon nebenbei umgesetzt werden. Bei der Lockerheit des Grillens ist gleichzeitig der Umstand entscheidend, dass es im Freien stattfindet.

Natürlich müssen wie in der Küche die Garpunkte und weitere technische Details beachtet werden, damit das Ergebnis am Ende stimmt. Allerdings gilt hier vielleicht etwas mehr das Motto: "Der Weg ist das Ziel".

Ganz entspannt ein Bier zu trinken und zu beobachten, wie Fleisch oder andere Grillgüter langsam garen, hat eine ganz eigene Faszination, die vielen Grillbegeisterten großen Spaß bereitet.

Zudem gibt es nicht den einen Zeitpunkt, an dem das Essen fertig ist. Vielmehr lässt sich das Grillevent ganz entspannt über mehrere Stunden ausdehnen - und immer wieder etwas Neues nachlegen, wenn einer der Gäste dies wünscht.

Kein Spaß allein für die Sommermonate

In früheren Jahrzehnten war das Grillen vor allem eine Aktivität für die Sommermonate und für gutes Wetter. Durch das ganzjährige Angebot in diesem Bereich wird es zunehmend in den Herbst- und Wintermonaten praktiziert.

Zum einen müssen Grill-Fans auf diese Weise nicht pausieren. Außerdem ist das Wintergrillen für viele Begeisterte sicherlich ein besonderes Event, das einen ganz eigenen Reiz ausübt und neue Wege ermöglicht. So können zum Beispiel typisch winterliche Gerichte wie Wild, Gans oder Bratäpfel auf dem Grill zubereitet werden.

Damit das Grillen im Winter problemlos klappt, gibt es einige Punkte zu beachten. So empfiehlt es sich, statt einfacher Holzkohle Grillbriketts zu nutzen. Für einen Gasgrill sollte Propangas genutzt werden, da dieses erst bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt flüssig wird.

Um sich vor schlechten Wetter wie Schnee oder Regen zu schützen, können ebenfalls Vorkehrungen getroffen werden. Vor allem das Aufstellen eines Grillpavillons ist eine beliebte Option - sozusagen die Barbecue-geeignete Variante zum herkömmlichen Pavillon.

Günstige Modelle gibt es bereits ab 100 Euro. Für Grill-Fans, die planen, öfter im Winter zu grillen, kann sich diese Investition sicherlich lohnen. Dabei ist zu bedenken, welches Modell für die individuellen Ansprüche passend ist. Soll der Pavillon dauerhaft stehen oder sich schnell und einfach auf- und abbauen lassen? Auch bei den Materialien gibt es Unterschiede.

Zusätzlich sollten sich Grill-Fans die passende Kleidung für das Outdoor-Erlebnis während der kälteren Jahreszeit zurechtlegen. Schließlich soll das Beisammensein entspannt und gemütlich werden.

Ein wenig ausgetretener Koch-Pfad in Europa

Einen zusätzlichen Reiz macht womöglich der Umstand aus, dass das Grillen auf einem Niveau und mit einer Begeisterung für Details wie in den USA in Europa eher ein eher neues Phänomen ist.

Das hat zur Folge, dass umfangreiches Fachwissen im Freundeskreis sicherlich aktuell noch etwas Besonderes ist und das Grillen zudem eine gute Basis bietet, um die eigene Individualität und Kreativität auszuleben.

So gibt es viel Neues zum Entdecken und Ausprobieren, was ein bisher unbekanntes Geschmackserlebnis bietet und dem Grill-Fan sowie seinen Gästen sicherlich großen Spaß bereitet.

Vielfalt durch Grilltraditionen aus aller Welt

Noch größer wird der Horizont, wenn der Grill-Begeisterte seinen Blick auf Grill-Traditionen aus aller Welt lenkt. So ergibt sich ein nahezu unerschöpfliches Repertoire aus Speisen und Möglichkeiten.

Ein Beispiel hierfür bietet Asien. Gerade durch die dort genutzten Gewürze und andere typische Zutaten lassen sich Marinaden herstellen, die ein entsprechendes Geschmackserlebnis bieten. Zu den Zutaten zählen unter anderem:

  • Sesamöl,
  • Sesamkörner,
  • Sojasauce,
  • Zitronensaft,
  • Ingwer
  • und Curry oder Currypaste.

Typische asiatische Fleischgerichte vom Grill sind zum Beispiel Hähnchen-Spieße oder ein gegrillter Schweinebauch. Zudem besteht die Möglichkeit, einen Wok auf dem Grill zu nutzen. Hierin lässt sich vor allem Gemüse gut zubereiten.

Südamerikanische Grilltraditionen können ebenfalls für Abwechslung sorgen und ein leckeres sowie sicherlich exotisches Geschmackserlebnis bieten. Argentinien zum Beispiel ist für das Asado-Grillen bekannt.

Hierbei wird Rindfleisch genutzt, das auf Holz oder Holzkohle in großen Stücken zubereitet wird. Ziel dabei ist, dass es möglichst saftig bleibt. Anders als bei vielen anderen Grillgerichten verzichtet diese Grilltradition auf Marinaden und Gewürze, um den Fleischgeschmack in den Vordergrund zu stellen.

Ausnahmen bieten Salz und Pfeffer oder Saucen wie die scharfe Sauce Chimichurri. Als Beilage gibt es Brot, was wiederum einigen Aufwand spart und einmal mehr den Fokus auf dem Fleischgeschmack belässt.

Der afrikanische Kontinent bietet ebenfalls eine große Grillvielfalt. In Nordafrika ist es üblich, Ziegen- oder Hammelfleisch zu grillen. In Südafrika und Namibia wiederum gibt es die Tradition des Braais, die bezüglich ihres dortigen gesellschaftlichen Stellenwertes mit der Kultur des US-Amerikanischen Barbecue vergleichbar ist.

Die Begeisterung dafür ist so groß, dass ein besonderer Tag geschaffen wurde: Der Braai-Day, der am 24 September gefeiert wird. Zubereitet werden die Gerichte beim Braai-Grillen auf dem offenen Holz-Feuer, was sich im heimischen Garten wohl am besten mit einer Feuerschale umsetzen lässt.

Die Beispiele zeigen: Grillen ist ein globales Phänomen, das in verschiedenen Kulturen tief verwurzelt ist und kaum vielseitiger sein könnte. Hiervon können Grill-Begeisterte beim Ausüben ihres Hobbys umfangreich profitieren.

Vielfalt durch Zutaten abseits von Würstchen und marinierten Schweinenackensteaks

Um etwas Neues oder Anderes auszuprobieren, gibt es neben dem Blick auf verschiedene Grill-Kulturen die Möglichkeit, heimische Zutaten zu nutzen, die über die üblichen in Deutschland bekannten Grillgüter wie Würstchen oder marinierte Schweinenackensteaks hinausgehen.

So bieten zum Beispiel Fisch und Meeresfrüchte tolle Optionen. Ein gegrillter Lachs oder gegrillte Scampi bringen Vielfalt und Abwechslung in das gemeinsame Grillevent. Gemüse bietet sich ebenfalls an, vor allem

Letzterer kann zum Beispiel als Spieß mit einer leckeren Würzung zubereitet werden. Grundsätzlich lässt sich das Grill-Gemüse zudem durch Kräuter wie Thymian oder Rosmarin verfeinern. Gerade durch die beim Grillen entstehenden Röstaromen werden die verschiedenen Gemüsesorten zu einem besonderen Geschmackserlebnis.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass auf diese Weise Gäste einer Grillparty, die eine vegetarische oder vegane Lebensweise für sich gewählt haben, vollumfänglich auf ihre Kosten kommen.

Dies sind jedoch nur einige Beispiele. Der Kreativität bei der Zutatenauswahl sind kaum Grenzen gesetzt. Durch Ausprobieren kann jeder Grill-Fan ganz eigene Rezepte entwickeln, die eine besondere Individualität bieten.

Grillen als Gemeinschaftserlebnis

Zusätzlich ist das Grillen ein echtes Gemeinschaftserlebnis, das Menschen zusammenbringt. Jeder Gast einer Grillparty kann etwas ganz Eigenes beitragen und bei der Zubereitung der Speisen über der Glut viel Spaß haben. Zusätzlich können die Teilnehmer Beilagen wie Salate oder einen Nachtisch im Voraus zubereiten und beisteuern.

Gerade die "Zusammenarbeit" mehrerer Gäste bringt womöglich neue Ideen und kreative Speisen hervor. Dabei spielt natürlich neben der Essenszubereitung selbst das Zusammenkommen als kleines gesellschaftliches Event in gemütlicher Stimmung eine große Rolle. Das Grillen schafft dabei eine besondere Atmosphäre. So entstehen sehr leicht neue Kontakte zwischen Personen, die sich vor der Grillparty noch nicht kannten.

Grillen als Umsetzung achtungsvollen Fleischgenusses

Darüber hinaus haben das wachsende Wissen und die Begeisterung für Details bei den Grill-Fans zur Folge, dass der Fleischgenuss auf eine zunehmend achtungsvolle und bewusste Art und Weise stattfindet. Dabei ist die Qualität des Fleisches ein wichtiger und zentraler Aspekt.

Wo es früher beim Grillen vielleicht eher auf die großen Mengen ankam, achten Grillbegeisterte heutzutage sicherlich mehr auf die Herkunft und Aufzucht ihres Fleisches, um am Ende eine besondere Delikatesse auf dem Teller zu haben.

Lieber etwas weniger, aber dafür gutes Fleisch lautet oftmals das Motto. Dabei haben in logischer Konsequenz Faktoren wie die Nachhaltigkeit und das Tierwohl eine große Bedeutung.

Der Grund: Nur mit der Berücksichtigung dieser Aspekte kann wirklich gutes Fleisch entstehen. Zusätzlich werden vor diesem Hintergrund womöglich wieder traditionelle Metzgereigeschäfte umfangreicher aufgesucht und unterstützt.

Bei einem Einkauf im Supermarkt wiederum geben bestimmte Labels Einsteigern und erfahrenen Grill-Fans einen Aufschluss über die Aufzuchtbedingungen der Tiere. Bekannt ist vielen sicherlich die Kennzeichnung zur Haltungsform, die im Jahr 2019 eingeführt wurde.