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Kochbücher im Test: Verliebt in Paris - Rezepte und Geschichten

Kochbücher im Test : Verliebt in Paris - Rezepte und Geschichten

Anne-Katrin Weber lädt zu einem kulinarischen Streifzug durch die Stadt der Liebe. Mit atmosphärischen Bildern und appetitlichen Rezepten macht das Kochbuch Lust auf die französische Küche.

Eine Google-Suche mit den Schlagwörtern „Kochbuch Paris“ ergibt unzählige Ergebnisse, ganz weit oben steht dabei „Verliebt in Paris“, das im Hölker Verlag erschienene Kochbuch von Anne-Katrin Weber. Schon der Umschlag macht Appetit auf die Entdeckung der Rezepte und Geschichten. Atmosphärische Stimmungsfotos von Nathalie Geffroy wie die beeindruckende Stadtansicht in der Dämmerung bereits im Innentitel ergänzen die ebenfalls sorgfältig arrangierten Rezeptbilder von Julia Hoersch perfekt. Damit steht schon nach wenigen Seiten fest: Dieses Buch ist eine gleichermaßen eine kulinarische wie optische Freude.

Kulinarischer Spaziergang durch Paris

Wie in der Einleitung beschrieben, nimmt das Buch mit auf einen Spaziergang durch Paris mit seinen verträumten Gassen, romantischen Parks, kleinen Cafés – und überall köstlichen Speisen. Gleich nach dem Inhaltsverzeichnis, das vier große Kapitel aufschlägt, beginnt die kulinarische Tour mit „Über den Dächern von Paris“: Mit dem Haselnuss-Buttercreme gefüllten Gebäckring „Paris-Brest“ erfolgt die erste Liebeserklärung an die französische Pâtisserie-Kunst. Die Herstellung des Brandteigs wird verständlich beschrieben, sehr hilfreich ist dabei der Hinweis, die Ofentür in der ersten Viertelstunde des Backens nicht zu öffnen, damit das fluffige Gebäck nicht zusammenfällt. So sollte die vom legendären Konditor Louis Durand erfundene Süßspeise auf jeden Fall gelingen.

Klassiker der französischen Küche

Weiter geht es mit „Salade Niçoise“, „Grüner Erbsensuppe“ sowie einem „Ochsenkotelett mit Sauce béarnaise“, also echten Klassikern der französischen Küche. Auch wenn die Zubereitung der aufgeschlagenen Buttersauce fast mehr Aufwand bedeutet als die Präparation des Côte de bœuf, der Hohen Rippe, lohnt die Mühe, denn was gibt es Besseres als eine feine Sauce béarnaise mit ihrem unvergleichlichen Estragon-Geschmack?

Zu einer Bildstrecke des Parkfriedhofs Père-Lachaise wird die tragische Liebesgeschichte der jungen Héloïse und ihres Lehrers Pierre Abaillard mit Rezepten von „Crème brûlée“, „Moules marinières“ und „Tarte tartin“ umrahmt.

 Moules marinières, aus: „Verliebt in Paris“,
Moules marinières, aus: „Verliebt in Paris“, Foto: Julia Hoersch, Hölker Verlag/Julia Hoersch

Auch das Kapitel „Die schönsten Parks“ kombiniert die Rezepte – und ihre ausgesprochen appetitliche Präsentation – mit großzügigen Fotostrecken und kleinen Geschichten, beispielsweise zu den Romanfiguren aus „Les Misérables“ von Victor Hugo. Die dort aufgeführten Rezepte stehen zwar in keinem direkten Zusammenhang zu Pariser Parks, sie harmonieren dennoch gut zur Text- und Bildauswahl.

Im Kapitel „Entlang der Seine“ treffen „Tomatensuppe mit Tapenade“ und „Seezunge mit Buttersoße“, zu der es bedauerlicherweise (wie bei wenigen anderen Rezepten auch) kein Foto gibt, auf „Madeleines“ und „Kirsch-Galette“ – wobei die herzhaften und süßen Speisen nicht wie bei einer klassischen Menüfolge nacheinander aufgeführt werden, sondern etwas willkürlich kombiniert werden.

Saucen mit subtilem Aromenkick

Mit dem „Filetsteak mit Sauce „Café de Paris“ und Chicorée“ serviert Anne-Katrin Weber ein typisches Gericht der französischen Küche, das mit seiner raffinierten Sauce die Finesse dieser repräsentiert: ein Sardellenfilet und feingehackte Estragonblättchen sorgen zusammen mit etwas Cognac, Worcestershiresauce und Dijonsenf für den besonderen, weil subtilen Aromenkick.

 „Filetsteak mit Sauce „Café de Paris“ und Chicorée“,
„Filetsteak mit Sauce „Café de Paris“ und Chicorée“, Foto: Julia Hoersch, Hölker Verlag/Julia Hoersch

Die Rezeptauswahl bleibt ohne große Überraschungen, hier und da birgt sie ein paar ungewöhnlichere Rezeptvarianten, beispielsweise die vegetarischen „Tartines mit gerösteten Pilzen und Avocado“ oder den „Coq au vin blanc“, bei dem sich die Poularde mit einer Flasche Riesling oder Chardonnay im Bräter vergnügt. „Coq au vin“ zählt zu den französischen Nationalgerichten, da – wie in anderen europäischen Ländern auch – Geflügel bis weit in die Neuzeit hinein der am ehesten erschwingliche Fleischlieferant war. Die Popularität von Geflügel als Basisnahrungsmittel wird gerne mit dem Ausspruch von Heinrich IV. in Zusammenhang gebracht: „Je veux que le dimanche chaque paysan ait son poulet au pot“ („Jeder Bauer soll sonntags sein Huhn im Topf haben“).

Die französische Küche gilt seit der frühen Neuzeit als einflussreichste Landesküche Europas, sie wurde 2010 als erste Nationalküche als „gastronomisches Mahl der Franzosen“ in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Auch die klassische Menüfolge mit Suppe, Hauptgang und Dessert sowie die Steigerung der Gänge eines Menüs mit fünf, sieben, neun oder noch mehr Gängen wurde in Frankreich „erfunden“ und verbreitete sich von dort aus in alle westlichen Küchen.

 Für Connaisseurs und Connaisseusen der französischen Küche bietet „Verliebt in Paris“ eher wenig Neues, hier werden die klassischen Gerichte der französischen Bistro-Küche mit atmosphärischen Bildern der Seine-Metropole kombiniert. Wer je in Paris war und den besonderen Reiz der zahlreichen pittoresken Bistros und Cafés kennengelernt hat, wird mit „Verliebt in Paris“ augenblicklich in Erinnerungen an den letzten Besuch – oder Vorfreude auf den nächsten Besuch – schwelgen. Damit werden die einleitenden Worte vollauf erfüllt, das Kochbuch ist eine Liebeserklärung an Paris. Und da Liebe bekanntermaßen durch den Magen geht, lässt sich damit bestimmt auch die ein oder andere Liebeserklärung erkochen.

Vorfreude auf den nächsten Paris-Besuch

Anne-Katrin Weber, die als Köchin, Foodstylistin und Autorin eine Reihe von Kochbüchern (unter anderem „Gemüse als Hauptgericht“, „Brot ohne Kneten“ oder „Street Food – Deftig vegetarisch“) sowie den Blog „Veggielicious“ verantwortet, hat gemeinsam mit Julia Hoersch (Rezeptfotos), Nathalie Geoffroy (Stimmungsbilder Paris) und Miriam Strobach (Grafik) ein absolut stimmiges Kochbuch geschaffen, das Lust auf die Klassiker der französischen Küche und einen Abstecher in die „Stadt der Liebe“ an die Seine macht.