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Lübeck: Renekloden und Mirabellen schmecken auch herzhaft

Lübeck : Renekloden und Mirabellen schmecken auch herzhaft

Pflaumen kennt jeder. Ihre saftig-süßen Verwandten, Mirabellen und Renekloden, gelten dagegen eher als Geheimtipp. Das mag daran liegen, dass diese beiden hierzulande nur in Weinbaugebieten und in anderen geschützten Regionen Süddeutschlands gedeihen und entsprechend weniger verbreitet sind.

Wer jedoch in den Sommermonaten auf Märkten oder im Geschäft die kugelrunden Früchte erspäht, sollte sie unbedingt kosten.

Mirabellen und Renekloden sind enge Verwandte: Sie gehören zu den weltweit mehr als 2000 verschiedenen Pflaumensorten. Aus ihrer Heimat Asien gelangten sie schon Mitte des 15. Jahrhunderts nach Frankreich. Dort finden sich heute noch großen Anbaugebiete. Nicht nur der Sammelbegriff Reneklode von Reine (Königin) Claude, einer Tochter von Ludwig XII., sondern auch Sortennamen wie Mirabelle von Nancy und Mirabelle von Metz zeugen von den französischen Wurzeln der Früchte.

Die tischtennisballgroßen Mirabellen sind an ihrer kugelrunden Form und der grüngelben bis goldgelben Farbe leicht erkennbar. Ein Früchtchen wiegt nur etwa zehn Gramm. „Mirabellen haben die perfekte Größe, um als Ganzes in den Mund zu wandern”, sagt Karen Meyer-Rebentisch, Kochbuchautorin aus Lübeck. Sie seien zudem robuster als viele andere Pflaumen. „Das macht sie zur idealen Naschfrucht in der Brotbüchse.” Dank ihres geringen Säuregehalts dürfen auch Menschen mit empfindlichen Magen ausgiebig kosten.

Renekloden sind deutlich größer und säurehaltiger als Mirabellen. Sie haben je nach Sorte mal eine gelbe, grüne, rote oder blaue Haut und seitlich eine Naht. „Sie sind noch saftiger und noch wärmebedürftiger als Mirabellen und zeichnen sich durch ein eigentümliches, etwas würziges Aroma aus”, erläutert Meyer-Rebentisch.

Im Obstsalat sind beide Früchte gut aufgehoben. Gern gesehene Begleiter sind dabei Vanille und Honig. „Die beiden Früchte untereinander zu kombinieren, bringt nicht so wahnsinnig viel, weil man die Unterschiede kaum merkt”, sagt Meyer-Rebentisch. Sie empfiehlt stattdessen die Kombination mit Stachelbeeren. Damit bleibe man in der Farbe und könne eine sehr leckere grüne Grütze herstellen.

„Jahreszeitlich passen Brombeeren, späte Johannisbeeren und Sauerkirschen gut”, ergänzt Iris Graus vom Verbraucherservice Bayern in Würzburg. Auch für Kompott sind Mirabellen und Renekloden die perfekten Zutaten: Sie enthalten viel Saft und vertragen Hitze gut.

Martin Ley, Geschäftsführer der Vereinigten Großmärkte für Obst und Gemüse Rheinhessen in Ingelheim, schwört auf frischen Hefekuchen mit Mirabellen und Sahne: „Wenn man das einmal probiert hat, lässt man jeden Zwetschgenkuchen stehen.” Je nach Sorte ziehen Mirabellen allerdings beim Backen sehr viel Saft. Das gilt erst recht für Renekloden. „Da kann der Kuchen leicht durchsuppen”, warnt Graus. Sie rät deshalb, vor dem Belegen Nüsse oder Kuchenbrösel auf den Teig zu streuen. „Sie saugen die Feuchte auf.” Wer mag, kann den Kuchen mit Streuseln oder Mandeln garnieren. Bei einem Quarkguss ist mit Blick auf den Flüssigkeitsgehalt Vorsicht geboten. Der Quark sollte gut abtropfen und darf ruhig auch etwas gehaltvoller sein.

In der pikanten Küche sind vor allem orientalische Gerichte mit Mirabellen oder Renekloden bekannt. „Klassiker sind in Essig eingelegte Früchte oder Chutneys mit Zwiebeln”, erläutert Graus. Auch Möhren und Zucchini sind gute Begleiter. Mit Curry und Kreuzkümmel, sowie Chili gewürzt passt ein solches Chutney zu Lamm- und anderem Fleisch, aber auch zu Käse. In Georgien ist Tkemali - eine saure Pflaumensoße - eine Spezialität. Sie wird dort wie eine würzige Grillsoße eingesetzt.

Eine fruchtige Überraschung ist eine kalte Vorspeise aus Mirabellen oder Renekloden, die Meyer-Rebentisch empfiehlt. „Rohe geschnittene Früchte werden mit einem Dressing aus Himbeeressig zu Hühnerbruststreifen und Rauke serviert.” Für alle pikanten Gerichte sollten eher früh geerntete und damit nicht ganz so süße Früchte verwendet werden.

Wer solche Köstlichkeiten ausprobieren möchte, darf die Hauptsaison von Mirabellen und Renekloden im Juli und August nicht verpassen. „Am besten kauft man die Früchte auf dem Wochenmarkt. Dort ist die Chance am größten, dass sie auf den Punkt gereift sind”, rät Meyer-Regentisch. Die Haut darf nicht beschädigt sein, das Fruchtfleisch sollte sich elastisch-weich anfühlen. „Knallhart geerntete Früchte werden entweder gar nicht erst weich oder büßen erheblich an Aroma ein.” Ein gutes Qualitätszeichen ist auch der feine aromatische Fruchtgeruch.

Mirabellen und Renekloden sind nur sehr kurz haltbar. Größere Mengen Obst lassen sich gut konservieren - beispielsweise als Konfitüre. Auch Einfrieren ist möglich. Frisch verzehrt kommen die wertvollen Inhaltsstoffe aber am besten zur Geltung. „Beide enthalten viel Vitamin C und Betacarotin. Renekloden sind außerdem für die Eisenversorgung optimal”, fasst Graus zusammen. Dank ihres hohen Kaliumgehaltes wirken die Früchte entwässernd. Eine Extraportion Pektin bringt die Verdauung in Schwung.

(dpa)