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Berlin: Kartoffeln und Gurken aus dem Topf: Der Gemüsegarten auf dem Balkon

Berlin : Kartoffeln und Gurken aus dem Topf: Der Gemüsegarten auf dem Balkon

Im Gartenboden können Pflanzen ihre Wurzeln ausstrecken. Und wann immer sie Wasser brauchen, holen sie es sich auch. Im Topf auf dem Balkon dagegen ist der Platz natürlich begrenzt. Und Gießfehler verzeiht das Gemüse nicht auf Dauer.

Zu nasse oder zu trockene Erde wird bestraft durch Wurzelfäule oder schlaffe Blätter. Für Balkongärtner gelten daher andere Aufzuchttipps als für Menschen mit Gemüsebeet.

Vor allem für das Gefäß: „Wenn ich möchte, dass die Pflanze schön wächst und Ertrag bringt, sollte ich die Pflanzgefäße für das Gemüse so groß wie möglich wählen”, sagt Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde. Er rät zu Eimern mit 10 bis 20 Litern Volumen. Wichtig ist auch ein Abflussloch für Wasser und die Drainage. Zwar darf nicht allzu viel Wasser verdunsten, gleichzeitig muss zu viel Gießwasser abfließen können, erklärt die Bayerische Gartenakademie.

Aber es muss kein Topf sein: „Wer praktisch denkt und auf die Optik nicht so viel Wert legt, der kann einen Sack Blumenerde in eine warme Ecke des Balkons legen”, sagt Anne Staeves vom Verbraucherinformationsdienst aid. In die Unterseite kommen Löcher, damit Wasser abfließen kann. Auf der Oberseite wird ein größeres Loch in die Folie für eine Pflanze geschnitten.

Die Bewässerung ist witterungs- und standortabhängig. „Hier rate ich zum Daumentest”, sagt Wagner. Aber grob lasse sich sagen: Zu Beginn der Saison reicht es, ein- bis zweimal täglich zu gießen. Später, in der Hochsaison, sollte man die Pflanzen ruhig auch dreimal am Tag versorgen, besonders wenn sie viel Sonne abbekommen. Für Berufstätige hat Wagner einen Tipp: Das Wasser morgens im Untersetzer stehen lassen, so kann die Pflanze auch tagsüber trinken.

Gemüse im Topf braucht mehr Dünger als die Pflanzen im Garten. Die meisten Substrate sind zwar mit einer ersten Dosis versehen, nach sechs Wochen sollte aber nachgedüngt werden. Für Gemüse eigne sich normaler Balkonpflanzendünger, da dessen Phosphoranteil recht hoch ist. Je nach Angabe sollte etwa alle zwei Wochen gedüngt werden.

Auf dem Balkon oder auch in Töpfen auf dem Hinterhof lassen sich eigentlich alle Klassiker des Gemüsebeetes aufziehen. Es gibt aber auch besondere Sorten, die kompaktere Pflanzen bilden. Ein Überblick:

- Tomaten: Züchtungen, die wenig Platz brauchen und trotzdem viele Früchte tragen, sind Balconi Red oder Balconi Yellow. Wie ihr Name schon verrät, sind sie gute Gewächse für den Balkonkasten. Sie wachsen buschig und müssen nicht angebunden werden, erklärt Staeves.

- Gurken und Zucchini: Auch sie lassen sich auf dem Balkon ziehen, brauchen aber relativ viel Platz und Dünger, sagt Staeves. Gurken benötigen außerdem eine Rankhilfe. Eine bekannte Salatgurke für den Balkon heißt Picolino.

- Auberginen: Bei für den Balkon geeigneten Mini-Sorten lohnt es sich, vorgezogene Jungpflanzen zu kaufen. Denn Auberginen sind besonders empfindliche Pflanzen. Sie benötigen auch einen sehr warmen Platz, „in regnerischen, kühlen Sommern klappt es mit ihnen gar nicht”, erklärt Staeves. Die Balkon-Aubergine Ophelia F1-Hybride beispielsweise hat einen intensiven Geschmack und braucht kaum Platz. Sie ist also auch für kleinere Pflanzgefäße geeignet.

- Kartoffeln: Es braucht keinen Acker für den Kartoffelanbau. Hier tut es auch ein Pflanzsack, der mitwächst: Ein durchlöcherter Plastik- oder Jutesack wird mit fünf bis zehn Zentimetern Erde befüllt. Der Rest des Sacks wird umgekrempelt. Wichtig bei der Pflege: Die Erde, in der die Kartoffeln heranwachsen, muss immer feucht sein. Sobald die ersten grünen Triebe über die Erde wachsen, wird Substrat nachgefüllt, so dass immer nur die obersten Spitzen zu sehen sind. „Der Rand des Pflanzsacks wächst mit, bis zu einer Höhe von 70 bis 80 Zentimeter”, erklärt Staeves. Das führt dazu, dass sich Knollen auf verschiedenen unterirdischen Ebenen bilden. „Wenn das Kartoffellaub im Spätsommer gelb wird, können die Knollen ausgegraben werden.”

- Salat: Vor allem Pflücksalat ist für die Balkonaufzucht geeignet. Er kann schon ab März in Kästen gesät und nach wenigen Wochen zum ersten Mal geerntet werden. „Im Gegensatz zu Kopfsalat geht das auch portionsweise nach und nach, sofern das Herz nicht beschädigt wird”, sagt Staeves. Dünger brauchen Salate in der Regel nicht.

- Radieschen: Besondere Sorten für den Balkon gibt es nicht. Radieschen benötigen aber ohnehin nicht viel Platz, sondern begnügen sich auch mit dem Volumen eines Balkonkastens. „Damit nicht alle gleichzeitig reif sind, sät man sie am besten entsprechend zeitlich versetzt”, empfiehlt die Expertin.

- Karotten: „Bei Möhren wählt man am besten runde, kugelige Sorten”, erklärt Staeves. „Anderenfalls muss man darauf achten, dass das Pflanzgefäß tief genug ist.” Ein Beispiel für eine runde Karottensorte ist Pariser Markt 5. Die Erde sollte gut durchlässig sein. Oft lohnt es sich, Sand beizumischen. Genauso wie Radieschen benötigt das Gemüse kaum Dünger.

(dpa)