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Katharina Brandt: „Für mich muss das Leben kunterbunt sein“

Katharina Brandt : „Für mich muss das Leben kunterbunt sein“

Dreiländerschmeck-Köchin Katharina Brand im Porträt. Ihr Mentor ist Alfons Schuhbeck.

Will man Katharina Brandt, gebürtige Alsdorferin und nun Gangelterin, eine Freude machen, lädt man sie zum Essen ein. Kartoffeln mit Spinat und Ei ist ihre Lieblingsspeise – der Aufwand dürfte sich in Grenzen halten. Aber die 31-Jährige wird nur selten von Freunden bekocht. „Schade eigentlich. Dabei kann man mich mit ganz einfachen Gerichten total glücklich machen“, bedauert Katharina Brandt. Dass sich so selten jemand traut, die junge Frau zu bekochen, liegt wohl an ihrem Beruf. Katharina Brandt hat schon in der Küche von Alfons Schuhbeck gekocht, ist, was kulinarische Kniffe und ausgefeilte Handwerkskunst angeht, mit allen Wassern gewaschen. „Aber vor allem, seit ich hier auf dem Land wohne, weiß ich die traditionelle Küche mit regionalen Zutaten zu schätzen. Mit den hier erhältlichen Lebensmitteln lassen sich herrliche Gerichte kreieren. Das ist ganz nach meinem Geschmack.“

Die Leidenschaft zum Kochen hat Katharina Brand von ihrer Oma aus dem Schwarzwald geerbt. „Mit ihr habe ich viele traditionelle Gerichte wie etwa Tafelspitz mit Meerrettich zubereitet. Mit meiner Mutter habe ich die Sachen dann zu Hause nachgekocht.“ Später beginnt Katharina dann zu experimentieren. Vor allem die mediterrane Küche, so wie der britische TV-Koch Jamie Oliver sie interpretiert, hat es ihr angetan. „Ich habe also überlegt, welchen Weg ich beruflich einschlagen sollte. Dass es etwas mit Essen zu tun haben muss, war klar.“ Da man ihr von einer Ausbildung zur Köchin abrät, wird Katharina Brandt zunächst Diätassistentin am Uniklinikum in Münster. „Ich habe die Ausbildung beendet und noch ein Jahr in dem Beruf gearbeitet. Aber mir hat von Anfang an etwas gefehlt. Darum habe ich mich entschlossen, etwas Verrücktes auszuprobieren.“

Katharina Brandt bewirbt sich bei der Küchenschlacht. In der TV-Sendung müssen Hobbyköche ihre Fertigkeiten vor Profis unter Beweis stellen, und die Diätassistentin liefert ab. In insgesamt 16 Sendungen kocht sie sich bis ins Jahresfinale. Unter insgesamt 416 Kandidaten wird sie schließlich Dritte – und als beste Frau im Wettbewerb die Hobbyköchin des Jahres 2015. „In dieser Zeit habe ich wahnsinnig viel gelernt und viele Eindrücke gewonnen. In den Jurys saßen unter anderem Cornelia Poletto, Björn Freitag oder Ralf Zacherl. Mein Mentor war von Anfang an Alfons Schuhbeck, der die Sendung auch moderiert.“

Der Mentor ist offenbar begeistert von seiner Kandidatin, denn nach der Sendung kommt der Münchener Sternekoch auf Katharina Brandt zu und bittet sie, in seiner Küche zu arbeiten. „Das war für mich eine wahnsinnig große Ehre. Damit hätte ich nie gerechnet. Ich habe also meinen Koffer gepackt, mein kleines Auto genommen und bin Hals über Kopf nach München gefahren.“ Die Arbeit in dem großen und bekannten Restaurant ist eine Herausforderung, die Katharina Brand mit Begeisterung annimmt. „Ich habe so viel Input bekommen, dass ich durch die Berufspraxis mehr gelernt habe als in der klassischen Koch-Ausbildung. Eine Prüfung habe ich nie abgelegt. Aber vielleicht mache ich das ja irgendwann noch einmal.“ Alfons Schuhbeck scheint jedenfalls von den Katharina Brandts Fähigkeiten überzeugt zu sein, denn nach eineinhalb Jahren in seiner Küche bietet er ihr an, seine Kochschule zu leiten. „Das habe ich natürlich gemacht, und ich bin Alfons bis heute dankbar. Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich nun bin.“

Katharinas Traum ist es schon immer, sich selbstständig zu machen. „Außerdem wollte ich nach den hektischen und arbeitsreichen Jahren mit zahlreichen Großevents und prominenten Gästen – zum Beispiel Robbie Williams – wieder zurück nach Hause.“ Vor vier Jahren wagt sie also den Schritt in die Heimat und zieht in Gangelt-Stahe mit ihrer Partnerin zusammen. Mittlerweile sind sie verheiratet und wohnen im Eigenheim in Birgden. „Gearbeitet habe ich als Foodstylistin für verschiedene Magazine und Kochbücher. Ich habe Rezepte entwickelt, sie zubereitet und zusammen mit einem Fotografen in Szene gesetzt.“ Außerdem organisiert sie private Kochkurse, Dinner oder Catering für Firmenveranstaltungen. „Oft bin ich auch für Großevents gebucht worden, zum Beispiel von Johann Lafer.“

 Burrata: Für Katharina Brandt ein Lieblingsrezept
Burrata: Für Katharina Brandt ein Lieblingsrezept Foto: Dominik Fröls Fotografie/Dominik Fröls

Katharina Brandt ist lebensfroh, ein offener Typ, und sie liebt den Austausch mit anderen Menschen. „Ich brauche immer Abwechslung und etwas Neues. Für mich muss das Leben kunterbunt sein. Vor allem, wenn ich viele Menschen treffen kann, bin ich glücklich.“ Entsprechend hart trifft sie schließlich auch die Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen. „Wenn man sich gerade selbstständig gemacht hat, voll motiviert ist und froh, dass alles so gut läuft, ändert sich durch eine solche Krise alles.“ Im ersten Lockdown bietet sie einen Lieferservice an, aber der rechnet sich nicht. Zum Glück kommt sie mit Thomas Busch von der Metzgerei Meertens in Übach-Palenberg ins Gespräch. „Ich darf mit ihm gemeinsam das Catering-Unternehmen leiten. Zwar gibt es momentan keine größeren Events, aber ich koche meine Gerichte bei Meertens, die dann in Gläsern abgefüllt verkauft werden. Corona macht eben erfinderisch.“

Für einen Zeitungsartikel ist Katharina Brand auch mit der Community „Dreiländerschmeck“ des Medienhauses Aachen in Kontakt gekommen. „Die Idee, regionale Produkte für Rezepte aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden ohne großes Chichi, aber trotzdem mit Kreativität und frischen Ideen zu verarbeiten, hat mir gleich gefallen“. Darum ist sie nun auch mit großer Leidenschaft als Dreiländerschmeck-Köchin aktiv und kreiert ihre Gerichte für alle Freunde der regionalen, klassischen Küche, zum Beispiel: Himmel und Äd - neu interpretiert.

Nach dem Lockdown möchte Katharina Brandt wieder große Veranstaltungen mit regionalen und gleichzeitig raffinierten Speisen versorgen. „Mein großer Traum ist aber eine eigene Lokalität. Kein großes Restaurant, eher eine kleine Launch mit offener Küche, in der ich Kurse anbieten oder Feiern ausrichten kann. Ich habe viele Ideen, die ich dort umsetzen möchte. Wenn ich da hinkomme und es gut läuft, wäre ich am Ziel meiner verschlungenen Reise angekommen.“ Bis dahin wird Katharina Brandt sich sicherlich mit viel Kreativität weiterhin in ihre Zukunft kochen. Zu Hause experimentiert sie gerne mit regionalen Rezepten mit Pfiff und kocht für ihre Frau und für Freunde.