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Lüneburg: Zwischenhändler mit Verantwortung: Kaufleute im Groß- und Außenhandel

Lüneburg : Zwischenhändler mit Verantwortung: Kaufleute im Groß- und Außenhandel

Blumen, Autoreifen oder Wandfarbe: Die meisten Unternehmen stellen ihre Waren in großen Mengen her. Nur so machen sie Profit. Nach der Herstellung müssen die Produkte zum Kunden gelangen: entweder direkt oder über Zwischenhändler. An dieser Stelle kommen Groß- und Außenhandelskaufleute ins Spiel.

Kaufleute im Groß- und Außenhandel hantieren häufig mit großen Warenmengen. „Sie sind ein zentrales Element der Vertriebskette”, sagt Silvia Annen vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Aus der Masse der kaufmännischen Berufe sticht dieser durch starken Fokus auf Logistik und Warenwirtschaft heraus, erläutert sie.

Wie setzt sich die gewünschte Farbe zusammen? Zu den Aufgaben von Groß- und Außenhandelskaufleuten wie Mirco Hildebrandt gehört auch das Anmischen von Farben nach Kundenwunsch an der Farbmischmaschine. Hildebrandt arbeitet beim Farb- und Lackspezialisten Brillux. Foto: Markus Scholz/dpa

„Wir sind gewissermaßen die Zwischenhändler.” So beschreibt Mirco Hildebrandt die Aufgabe von Groß- und Außenhandelskaufleuten kurz und prägnant. Hildebrandt, 26, aus Lüneburg, hat diese Ausbildung in diesem Jahr erfolgreich abgeschlossen und arbeitet seitdem bei seinem Ausbildungsunternehmen: dem Farb- und Lackspezialisten Brillux.

Beratung nicht nur auf Deutsch: Wer Groß- und Außenhandelskaufmann werden will, sollte auch auf Englisch kommunizieren können. Mirco Hildebrandt (l) ist Groß- und Außenhandelskaufmann beim Farb- und Lackspezialisten Brillux. Foto: Markus Scholz/dpa

Hildebrandt ist in der Lüneburger Niederlassung des Unternehmens tätig. Zu seinen Kunden zählen Maler- und Stuckateurbetriebe, Baufirmen und Raumausstatter. Er hat mit Unternehmen zu tun, nicht mit Privatkunden. Die kaufen natürlich ganz andere Mengen als etwa ein durchschnittlicher Baumarktkunde. Statt einem Eimer Farbe werden oft ganze Paletten abgenommen, die der Betrieb etwa für Häuserfassaden braucht.

Der Verkäufer muss die pünktliche Lieferung dieser Mengen sicherstellen können. Ohne die Produkte können Hildebrandts Kunden nicht arbeiten. Es müssen immer genug Produkte auf Lager sein, aber auch nicht zu viele. Denn die blockieren dann wertvollen Lagerraum. „Die Bestandsführung ist sehr wichtig”, erläutert Hildebrandt. Er arbeitet zwar viel am Rechner, kalkuliert Preise und schreibt Angebote für die Kunden. Er ist aber ebenso häufig im Lager und Verkaufsraum.

In nahezu allen Branchen gibt es Bedarf an Groß- und Außenhandelskaufleuten. Die Nachfrage zeigt sich an den Ausbildungszahlen. Seit 1995 werden laut BIBB-Zahlen pro Jahr zwischen 13.000 und 19.000 Ausbildungsverträge geschlossen. Die letzten Daten stammen aus dem Jahr 2013: Da waren es 14.676 Neuabschlüsse. „Industrie, Handwerk, Handel: Der Beruf bietet breite Einsatzfelder”, sagt Annen. Die Ausbildung ist populär und rangiert bei Männern unter den Top 10 hinsichtlich der Zahl der Ausbildungsverhältnisse.

Ein bestimmter Schulabschluss ist für die Ausbildung nicht vorgeschrieben. „Die meisten Betriebe setzen zumindest die mittlere Reife voraus”, sagt Selcan Emir. Die Tendenz gehe zur Hochschulreife. Die Ausbildung dauert drei Jahre und setzt sich aus Praxis im Betrieb und Theorie in der Berufsschule zusammen.

Die Ausbildung unterteilt sich je nach Kerngeschäft der Betriebe in die beiden Fachrichtungen Großhandel und Außenhandel: „Im Außenhandel stehen Geschäfte im internationalen Feld mehr im Fokus”, erklärt Emir. Im Lehrplan geht es dann vermehrt um Zollbestimmungen und die speziellen Anforderungen an Transportverträge mit Firmen, die in außereuropäischen Ländern sitzen. Bei der Fachrichtung Großhandel lernen die Azubis eher die Details des Warenflusses: Warenbeschaffung, Warenverkauf, Management des Lagers.

Egal welche Fachrichtung Azubis einschlagen: Einige grundlegende Eigenschaften sind Voraussetzung. Organisationstalent, Interesse an wirtschaftlichem Handeln, Finanzen und Verkauf sowie Kommunikationsbereitschaft gehören dazu. „Für Introvertierte ist dieser Beruf nicht das Richtige”, erklärt Emir. Denn Kaufleute müssen ihre Waren einkaufen, verkaufen und dafür viel mit Kunden und Lieferanten reden. Viele Betriebe fordern außerdem noch gute Englischkenntnisse.

Bei der Wahl des Ausbildungsbetriebs sollten sich angehende Azubis bewusst sein, dass sie sich intensiv mit dessen Waren beschäftigen. Blumen, Autoteile, Baustoffe - mit jedem Unternehmen wartet ein anderes Warenfeld. In Mirco Hildebrandts Fall ist es die Welt der Lacke und Farben, der Wärmedämmung und Werkzeuge. „Um meine Kunden wirklich gut zu beraten, brauche ich technisches Wissen zu unseren insgesamt 12.000 Produkten.”

(dpa)