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Wie wird man eigentlich Synchronsprecher?

Nicht so einfach : Wie wird man eigentlich Synchronsprecher?

Angenehme Stimme, eingängige Intonation und das Flair von Hollywood - Synchronsprechern haben den Ruf, mitten in der Filmindustrie verankert zu sein. Dabei ist eher das Gegenteil der Fall. Dennoch kann mit dem Beruf „Synchronsprecher“ durchaus gutes Geld verdient werden. Ein Einstieg im deutschen Markt ist jedoch alles andere als einfach.

Die Auftragslage könnte in Deutschland aktuell nicht besser sein. Denn die Studios hierzulande schieben Doppelschichten, um all die Serien, Filme und Shows zu synchronisieren. Dank den Streaming-Diensten wie Amazon oder Netflix wird der deutsche Markt nahezu überschwemmt mit neuen US-Serien, die sprachlich „eingedeutscht“ werden müssen.

Des Weiteren gibt es nun den Dienst von Disney sowie Sender wie HBO oder Showtime, die selbst eine Vielzahl an Serien produzieren lassen. Hier werden nur die besten deutschen und internationalen Top Synchronsprecher und Synchronsprecherinnen eingesetzt. Wer sich die Sprechproben einmal anhört, kann sich selbst von der hohen Qualität überzeugen, die man als Synchronsprecher mitbringen sollte.

Hinzukommt, dass die Studios und Verleiher in den vergangenen Jahren dazu übergegangen sind, beliebte Serien und Filme erst kurz vor dem Start synchronisieren zu lassen. Denn bisher wurde etwa gesamte Staffeln am Stück synchronisiert. Der Nachteil daran war, dass schnell Raubkopien sowie Leaks auf dem Markt waren. Insofern muss nun schneller und sehr viel mehr in kurzer Zeit synchronisiert werden.

Im Regelfall ist ein Synchronsprecher in Deutschland als Freiberufler unterwegs. Dabei arbeiten die meisten gleichzeitig mit unterschiedlichen Studios an verschiedenen Projekten zusammen. Die Vergütung ist in zwei Teile gesplittet. Denn zum einen gibt ein „Kommgeld“, das im Normalfall zwischen 25 und 80 Euro liegt. Hinzugerechnet wird eine Pauschale je Take. Letzteres kann ein kurzer Monolog sein oder nur ein Husten. Dieser wird im Schnitt mit etwa 3,30 Euro vergütet. Um das in Relation zu setzen - ein guter Synchronsprecher schafft je Tag etwa 100 bis 120 Takes.

Anders sieht das Ganze allerdings bei Videospielen aus. So gibt es etwa große Produktionen, in denen mehr Sprechanteile zu finden sind, als in klassischen Spielfilmen. Gefordert werden hier zudem immer häufiger auch namhafte Synchronsprecher. Die Bezahlung liegt dabei meist deutlich über den üblichen 3,30 Euro. So gibt es in der Branche Synchronsprecher, die pro Take 10 Euro und mehr für Computerspiele verdienen.

Wer sich am heimischen Schnittprogramm schon einmal selbst versucht hat, weiß, wie schwierig es alleine ist, Bild und Ton in Einklang zu bekommen. Gerade in Zeiten von Corona, in denen immer mehr digital stattfindet, ist das für viele eine Herausforderung. Bei den Studios, in denen Spielfilme und Serien großer Produktionen vertont werden, ist die Messlatte noch einmal deutlich höher. Insofern ist es auch nicht ganz leicht, einen Einstieg als Synchronsprecher zu schaffen. Hierzu ist viel Arbeit nötig. Jedoch ist nicht immer gleich eine schauspielerische Ausbildung nötig, um den Weg in den Sprechberuf zu beschreiten. Auch Quereinsteiger haben durchaus Chancen.

Allerdings wird sich für viele, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, schnell Ernüchterung einstellen. Denn das Synchronisieren will gelernt sein. Dazu zählt es wochenlang zu trainieren und sich selbst stets zu kontrollieren und zu verbessern. Unverzichtbar ist zudem ein Sprechtraining unter professioneller Anleitung. Schließlich sieht der Joballtag rund sieben Stunden lesen vor dem Mikrofon vor.

(vo)