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Wie Unternehmer die Krise für sich nutzen

Welche Chancen bieten sich jetzt? : Wie Unternehmer die Krise für sich nutzen

Für selbstständige Unternehmer birgt die Corona-Krise enorme Herausforderungen aber auch Chancen. Bedingt durch die Beschränkungen, die in erster Linie den Kontakt zwischen Menschen erschweren, sind viele Geschäftskonzepte zum Scheitern verurteilt.

Insbesondere der Gastronomie-Sektor zeigt sich als extrem krisenanfällig, da diese Branche wie keine andere auf direkten Kontakt zum Kunden angewiesen ist. Gäste müssen Lokalitäten physisch betreten – erst dann können Gaststätten sie bewirten und so Umsatz generieren. Daher sind diese von den eingeführten Kontaktbeschränkungen besonders betroffen. Allerdings leiden auch viele andere Geschäftsbereiche sowie Branchen unter der Krise und in vielen Unternehmen findet aufgrund dessen ein Umdenken statt.

Selbstständige entwickeln

Ideen und Pläne, wie sie ihre Geschäftskonzepte überarbeiten können, damit diese auch in Zukunft noch erfolgreich sind. Aufstrebende Startups verblüffen durch Produkte und Dienstleistungen, die konkret auf die Bedürfnisse von Kunden in Krisenzeiten zugeschnitten sind. Speziell der digitale Sektor erweist sich als krisenbeständig, da Firmen Dienstleistungen in diesem Bereich vollkommen ohne direkten Kundenkontakt anbieten können.

Covdi-19 ändert im Allgemeinen also die Spielregeln, nach denen die Weltwirtschaft jahrzehntelang funktioniert hat. Für Selbstständige ist es daher wichtig, sich über diese veränderten Rahmenbedingungen Gedanken zu machen und entsprechend zu reagieren. Es gilt, Geschäftsmodelle anzupassen und Finanzpläne zu überarbeiten. Einige Ideen und Anregungen, wie Unternehmer dies tun können, haben wir im Folgenden zusammengefasst.

Finanzplanung

Ob Gründer oder Geschäftsführer etablierter Unternehmen – Selbstständige sollten sich regelmäßig über Finanzierungswege informieren. Im Verlauf der Corona-Krise haben sich tatsächlich einige Möglichkeiten eröffnet, die Firmen vorher nicht wahrnehmen konnten. Solche sind:

  • Staatliche Soforthilfen: Firmen, die unter massiven Umsatzeinbußen leiden, können staatliche Soforthilfen beantragen. Diese sind je nach Bundesland an unterschiedliche Bedingungen gekoppelt. Unternehmen müssen die Soforthilfen zwar versteuern, allerdings erst mit der Steuererklärung 2020 – also im Jahr 2021.
  • Steuerzahlungen durch Stundung verringern: Von sich aus verzichten die Finanzämter bis Ende des Jahres darauf, überfällige Steuerschulden zu vollstrecken. Für Unternehmer bedeutet das, dass sie geplante Vorauszahlungen einbehalten und Stundungen von fälligen Steuerbeträgen beantragen. Zusätzlich dazu ermöglicht das Bundesfinanzministerium Unternehmen, bereits gezahlte Steuervorauszahlungen vom Jahr 2019 zurückzuholen. Mehr Informationen dazu finden sich hier.
  • Entschädigung nach Infektionsschutzgesetz: Eine Änderung, die speziell auf die derzeitige Ansteckungsgefahr durch Covid-19 zugeschnitten ist, betrifft das Infektionsschutzgesetz. Wenn Arbeitgeber oder Arbeitnehmer nicht arbeiten können, weil sie sich in Quarantäne befinden, steht ihnen eine finanzielle Entschädigung zu. Diese müssen Betroffene zeitnah nach Ende der Quarantäne bei der zuständigen Behörde beantragen.

Für Selbstständige kann es sich also durchaus lohnen, sich mit staatlichen Hilfen und Fördermaßnahmen zu beschäftigen.

In Verbindung damit ist es außerdem fundamental wichtig, dass Unternehmen sich einen Überblick über anfallende Kostenpunkte, zu erwartende Umsatzeinbußen etc. verschaffen. Dies muss die Buchhaltung leisten, indem sie einen umfassenden Finanzplan ausarbeitet. Auf Betriebe kommen beispielsweise Kosten in Form von Hygienemitteln zu, die sie Mitarbeitern zur Verfügung stellen müssen. Weitere Artikel, die – abhängig vom Tätigkeitsfeld und der jeweiligen Branche – Verwendung finden, sind beispielsweise:

  • Schutzmasken
  • Schutzhandschuhe
  • Handseife
  • Desinfektionsmittel

Diese muss die Buchhaltung einberechnen. Interessant für Unternehmen, die aufgrund der Beschränkungen unterbesetzt sind, können in diesem Zusammenhang Buchhaltungssoftwares sein. Diese übernehmen die meisten buchhalterischen Tätigkeiten automatisiert. Sie schreiben beispielsweise Lohnabrechnungen, legen Speicher mit Arbeitnehmerdaten an, fertigen Dokumente für öffentliche Stellen an.

Insbesondere Startups sowie kleine und mittelgroße Unternehmen können durch das Einbinden einer solchen Software sowohl Zeit als auch Kosten sparen. Bei der großen Zahl an Anbietern, die es heutzutage gibt, sollten User allerdings gezielt diejenige wählen, die auf ihren Unternehmenstyp zugeschnitten ist. Ein Online-Vergleichs-Test bietet sich an, um einen ersten Überblick über verschiedene Funktionen der Rechnungsprogramme sowie das Kosten-Leistungsverhältnis zu gewinnen.

Ideen und Innovationen

Vorrangiges Ziel von Firmen in der Krise sollte es allerdings sein, neue Marketing- sowie Produktstrategien zu entwickeln. Es ist dabei wichtig, sich die Tatsache vor Augen zu führen, dass die Krise höchstwahrscheinlich noch sehr lange das Kaufverhalten von Kunden beeinflusst. Die Angst vor einer Infektion wird das Denken und Handeln von Konsumenten noch bestimmen, wenn der Virus längst ausgemerzt ist. In naher Zukunft setzen sich daher höchstwahrscheinlich Geschäftskonzepte durch, die den Kunden innerhalb der eigenen vier Wände ansprechen.

Das können solche sein, die Lieferdienste einbinden, aber auch Apps oder Programme, welche das tägliche Leben erleichtern. Selbstverständlich kann es kurzfristig ebenfalls lohnenswert sein, Produktideen zu entwickeln, die unmittelbar auf die Krise zugeschnitten sind. Beispielsweise sind Hygieneartikel wie Handseife, Desinfektionsmittel, Atemmasken derzeit sehr beliebt. Daraus können KMUs Kapital schlagen und neue Kunden für sich gewinnen.

Auch beim Thema Marketing gilt es, die veränderten Rahmenbedingungen einzuberechnen. Die Haupt-Zielgruppe besteht bis auf Weiteres aus Menschen, die es vorziehen, von zu Hause aus einzukaufen. Strategien konzentrieren sich im besten Fall also auf die Medien, die den potenziellen Kunden dort erreichen. Online- und Fernseh- oder Radiowerbung, aber auch Flyer, die Firmen individualisiert an Haushalte schicken, eignen sich daher gut, um Kunden anzusprechen.

Selbstständige, die die Krise für sich nutzen möchten, müssen also in erster Linie flexibel und bestimmt auf die veränderte Lage reagieren. Die Krise schafft nicht nur neue Finanzierungsmöglichkeiten, sondern stößt auch Entwicklungen an, die ohnehin überfällig sind. Das zeigt sich darin, dass immer mehr Unternehmen die Vorteile der Digitalisierung für sich entdecken. Online-Marketing, Vernetzung von Mitarbeitern sowie Online-Shops sind Bereiche, die lange vernachlässigt wurden, welche im Zuge der Krise aber an Bedeutung gewinnen.

Insbesondere Neugründer können sich dies zunutze machen und mit neuen Ideen, die digitale Verkaufs- oder Werbetechniken aktiv einbinden, den Markt erobern.

(eo)