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Was macht eigentlich eine Ozeanografin?

Job-Protokoll : Was macht eigentlich eine Ozeanografin?

Unsere Ozeane sind unerlässlich für die Regulation des Klimasystems. Gut, dass es Menschen gibt, die sie erforschen. Im Job-Protokoll erzählt Ozeanografin Johanna Baehr was sie daran fasziniert.

Was eine Ozeanografin macht? Klar - irgendwas mit Wasser, oder? Wobei in dem Beruf nicht so sehr das von Interesse ist, was im Wasser schwimmt.

Vielmehr geht es darum, physikalische Abläufe im Meer zu analysieren. Wie kalt oder wie warm ist es im Ozean? Wie bewegt er sich, wie verlaufen die Strömungen? Wie hoch ist der Salzgehalt und was macht das alles mit der Atmosphäre über dem Meer?

Solchen Fragen geht die Professorin Johanna Baehr nach. Im Jobprotokoll erzählt die Ozeanografin, die als Leiterin Klimamodellierung an der Universität Hamburg arbeitet, aus ihrem Berufsalltag.

Mein Beruf einfach erklärt

Mein Beruf sagt den meisten erstmal nichts. Ich muss ihn also erklären. Wenn Menschen dann hören, dass ich zusammen mit meinem Team am Rechner die Dynamik der Ozeane mit physikalischen Methoden erforsche und wir herausfinden wollen, welche Rolle die Ozeane im Klimasystem spielen, finden das die meisten spannend. Es geht ja beispielsweise auch darum auszuloten, welche Folgen der Klimawandel etwa für den Meeresspiegel oder für Ozeanströmungen hat und umgekehrt.

Arbeitsergebnisse der Ozeanographie sind nicht nur für Meteorologie und für die Klimaforschung relevant, sondern etwa auch für die Schifffahrt und die Fischerei. So geben die Daten etwa der Schifffahrt Anhaltspunkte, wie Routen möglichst sicher zu planen sind.

Der Weg in den Job

Ozeane sind für mich etwas Faszinierendes. Und vieles rund um die Meereskunde ist noch unklar. Zum Beispiel die Fragen, warum es bestimmte Strömungsmuster im Meer gibt oder wie sich die Meeresströmungen verändern. Ich mag es, Teil einer Forschungsgemeinschaft zu sein.

Studiert habe ich übrigens physikalische Ozeanographie in Kiel. Danach zog es mich für eine Weile zum Studieren nach Großbritannien, und zwar nach Southampton. Dort habe ich mit meiner Promotion begonnen und sie später in Hamburg abgeschlossen. Danach arbeitete ich zwei Jahre am Massachusetts-Institut für Technologie in Cambridge (USA). Seit 2009 bin ich an der Universität in Hamburg.

Meine Aufgaben

Meine Tätigkeit als Professorin an der Uni Hamburg unterteilt sich in Forschung und Lehre. Ich halte beispielsweise Vorlesungen oder Seminare zu Themen wie der Physik der Ozeane oder der Physik des Klimas. Außerdem leite ich Studierende bei ihren eigenen Arbeiten an oder nehme Prüfungen ab.

In der Forschung arbeite ich derzeit zum Beispiel in meiner Arbeitsgruppe daran, welche Rolle Ozeane bei der Entstehung von Hitzewellen - sowohl im Ozean als über Land - spielen. Wir gehen dabei auch der Frage nach, wie man das Vorkommen dieser Hitzewellen besser vorhersagen kann.

Als Instrumente benutzen wir bei unserer Arbeit Computermodelle, damit simulieren wir Meeres- und Luftbewegungen, basierend auf mathematischen Gleichungen. Die nötigen ozeanographischen Messdaten stammen oft entweder von Forschungsschiffen oder von Erhebungen via Satellit.

Da dies nicht immer umfassend gelingt, arbeiten Ozeanografen aber auch an Laborexperimenten. Wir vergleichen Messdaten und Simulationen, lernen daraus und verbessern zum Beispiel so unsere Modelle, mit denen wir dann auch bessere Vorhersagen für das Klima machen können.

Wie ein richtig guter Arbeitstag aussieht

Wenn ich etwas gelernt oder herausgefunden habe, was ich morgens noch nicht wusste, spreche ich von einem guten Arbeitstag. Oder wenn ich in den Modellsimulationen etwas finde, was gut zur Theorie passt, dann freue ich mich über dieses Erfolgserlebnis. Ein guter Arbeitstag ist für mich ein Mix aus etwas berechnen, etwas schreiben - oder auch einen Vortrag vorzubereiten - und dem Austausch mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Die Herausforderungen

Natürlich läuft nicht immer alles glatt. Immer wieder kommt es vor, dass wir die Ergebnisse der Modellsimulationen und Schwankungen, die wir in Messungen sehen, nicht verstehen. Aber das finde ich nicht weiter schlimm, denn gerade das ist ja das Interessante bei der Forschung, Verschiedenes auszuprobieren und dazuzulernen.

Einen sicheren Job hat, wie leider allzu verbreitet in der Wissenschaft, nur ein kleiner Teil von Ozeanografen. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen haben befristete Arbeitsverträge.

© dpa-infocom, dpa:220707-99-942471/3

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(dpa)