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Mainz: Schreiben will gelernt sein: Kniffe für die allererste Hausarbeit

Mainz : Schreiben will gelernt sein: Kniffe für die allererste Hausarbeit

Wer ein Studium beginnt, für den ist vieles neu: Die Kommilitonen, der Campus ? und das Schreiben von Hausarbeiten. „Eigentlich müssten alle Erstsemester in einer Einführung vermittelt bekommen, wie man eine wissenschaftliche Arbeit verfasst”, sagt Jacqueline Dagdagan von der Schreibwerkstatt der Universität Mainz.

Doch häufig seien die Tutorien sehr kurz, oder die Uni verzichte komplett darauf. Das führe dazu, dass Studienanfänger sich mit der ersten Hausarbeit schwertun. Doch wer ein paar Tipps beachtet, ist schnell fit im Schreiben.

Problem 1 - Das passende Thema:

„Ein Thema so einzugrenzen, dass man es auf 10 bis 15 Seiten behandeln kann: Da scheitern viele Erstsemester”, erklärt Dagdagan. Haben sie etwa ein Seminar über die moderne Geschichte Nordafrikas besucht, dürfte das als Hausarbeitsthema zu umfassend sein. Lieber ein kompakteres Unterthema wählen, zum Beispiel die Rolle Ägyptens im Zweiten Weltkrieg. „Außerdem braucht man eine klare These in der Hausarbeit als roten Faden”, sagt David Kreitz, Schreibtrainer an der Universität Hannover. Die These sollte drei Punkte enthalten: Was ist mein Thema, welche Frage darin beschäftigt mich, was ist meine Vermutung?

Problem 2 - Zu wenig Kommunikation mit dem Betreuer:

„Wenn man nicht nachfragt, hapert es oft schon mit Formalien wie der Länge, dem Zeilenabstand oder der Zitierform”, sagt Ulrike Pospiech. Sie ist Leiterin der Schreibwerkstatt der Universität Duisburg-Essen. Außerdem sollten Erstsemester mit dem Betreuer früh über das geplante Thema sprechen. Falls er dieses für ungeeignet hält, kann er so rechtzeitig Alternativen vorschlagen. Erwartet der Betreuer bei der Besprechung bereits eine Gliederung, so lässt sich diese etwa bei einem Termin in der Schreibwerkstatt der jeweiligen Uni erarbeiten.

Problem 3 - Literatursuche ohne Plan:

„Erstsemester googeln häufig in letzter Minute oder suchen nach einem Begriff nur im Titelverzeichnis der Bibliothek, also zum Beispiel „Ägypten””, hat Pospiech beobachtet. „Das ist wenig zielführend.” Stattdessen empfiehlt sie das „Schneeball-System”: Ein bis zwei Grundlagen-Bücher zum Thema besorgen, am besten auf Tipp des Betreuers. Dort können Studenten dann im Literaturverzeichnis nachschlagen, welche Bücher und Fachartikel zum Thema passen.

Problem 4 - Falsche Lesegewohnheiten: „Akademische Texte sind keine Romane, sondern Steinbrüche für Wissen”, erklärt Kreitz. „Ich muss aus den Texten das rausschürfen, was ich brauche.” Das heißt: Bücher nicht von vorne nach hinten durchlesen! Sondern übers Inhaltsverzeichnis, Einleitung und Schluss schnell herausfinden, wo die für die Fragestellung relevanten Infos stehen. Außerdem empfiehlt Kreitz, bei der Uni anzufragen, ob man dort kostenlos eine Lizenz für Literatur-Verwaltungsprogramme wie „Citavi” oder „Endnote” erhalten kann. „Damit kann ich meine Literatur für die Hausarbeit einfach ordnen und automatisierte Fußnoten erstellen.”

Problem 5 - Kein Bock auf Notizen:

„Man muss beim Lesen immer Anmerkungen schreiben: Wo kann ich dieses Zitat verwenden, womit setze ich diese Passage in Verbindung?”, betont Dagdagan. Schließlich sollen Studenten „nicht Gelesenes wiederkäuen wie Kühe auf der Weide Gras”, ergänzt Pospiech, sondern eigene Gedanken zeigen. Gut sei etwa, diese auf selbsthaftende Zettel zu schreiben und sie an den entsprechenden Stellen ins Buch zu kleben.

Problem 6 - Die Angst vorm leeren Blatt:

„Wenn ich vorm PC apathisch auf den weißen Bildschirm starre, sollte ich erst mal zu Stift und Papier greifen”, rät Dagdagan. Nach gelöster Blockade können Erstsemester auf zwei Arten aus den Notizen eine Hausarbeit formen, sagt Kreitz: Entweder sie schreiben einfach drauf los und rekonstruieren später, wo sie welche Quelle verwendet haben. Oder sie schlagen bei jedem Stichpunkt nach, woher Ideen oder Zitate stammen und tragen Autorname und Seite direkt als Fußnote ein. Wichtig: Wer beim Schreiben mit der Einleitung startet, muss am Ende überprüfen, ob der Text später auch das verspricht, was dort angekündigt war.

Problem 7 - Schnellschuss bei der Abgabe:

„Viele Studenten redigieren ihre Texte nicht oder zu schludrig”, erzählt Pospiech. „Ich muss den Text aber auf mehreren Ebenen prüfen, am besten ausgedruckt auf Papier”, ergänzt Kreitz. Zunächst sei es wichtig, Inhalt und Struktur der Arbeit zu checken. „Da sind Kommilitonen die besten Gegenleser: Sie haben Ahnung vom Thema.” Dann müssen Rechtschreibung und Grammatik auf den Prüfstand. „Hier können auch Familie und Freunde redigieren.”

Ist die Hausarbeit ein- oder noch besser zweimal auf allen Ebenen durchgecheckt, müssen Deckblatt und Inhaltsverzeichnis kontrolliert werden. Passt der Titel noch, sind die Seitenangaben richtig? Außerdem sollten Erstsemester die Hausarbeit nach der Abgabe noch mal auf einer externen Festplatte sichern ? so geht sie nicht verloren, falls sie diese später noch einmal brauchen.

„Die erste Hausarbeit muss nicht perfekt sein, das erwartet niemand”, beruhigt Dagdagan. „Aber wenn ich mir als Erstsemester etwas mehr Zeit nehme, kann ich mir Wissen und Routinen aneignen, die ich im Studium immer wieder brauchen werde.”

(dpa)