München: Piloten der Autobahn: Fernbusfahrer machen ganz schön Strecke

München : Piloten der Autobahn: Fernbusfahrer machen ganz schön Strecke

Jeden Arbeitstag beginnt Michael Rosenblatts mit der Kontrolle des Busses. Dann verlädt er das Gepäck der Fahrgäste und kontrolliert die Tickets, bevor er mit dem 500 PS starken Omnibus vom Hof fährt. Seit rund einem Jahr arbeitet der 42-Jährige als Fernbusfahrer für die Firma MeinFernbus.

Seit der Liberalisierung des deutschen Fernbusverkehrs 2013 sind Fernbusfahrer gefragt. „Als Fernbusfahrer ist man schon so etwas wie ein Pilot auf der Autobahn”, sagt Matthias Schröter vom Bund deutscher Omnibusunternehmen (BDO).

Seit der Liberalisierung des Fernbusverkehrs 2013 sind Busfahrer sehr gesucht. Michael Rosenblatt arbeitet für das Unternehmen MeinFernbus. Foto: Tobias Hase

Der klassische Einstieg ist eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer in der Fachrichtung Personenverkehr. Sie dauert drei Jahre. Laut der Bundesagentur für Arbeit hatten 62 Prozent der Azubis im Jahr 2013 den Hauptschulabschluss. Außerdem verlangen viele Unternehmen ein amtsärztliches Gutachten mit Sehtest sowie eine Auskunft aus dem Verkehrszentralregister.

Bevor die Reise losgeht, verlädt Fernbusfahrer Michael Rosenblatt das Gepäck. Er arbeitet für das Unternehmen MeinFernbus. Foto: Tobias Hase

In der Berufsschule lernen die Nachwuchsbusfahrer unter anderem Routen- und Tourenplanung sowie theoretisches Wissen zum Einsatz von Omnibussen. Auch das Überprüfen, Pflegen und Warten der Fahrzeuge stehen auf dem Stundenplan. „Der Berufskraftfahrer ist nicht einfach nur ein Lenker, sondern muss auch in der Instandhaltung mitwirken”, sagt Lothar Probst, Ausbildungsberater für gewerblich-technische Berufe bei der IHK Cottbus. Hilfreich für die Ausbildung sind gute Noten in Physik, Mathematik und Technik. Englisch und andere Fremdsprachenkenntnisse nützen einem ebenfalls. Schließlich hat man im Fernbusverkehr auch mit ausländischen Kunden zu tun.

Im Betrieb machen sich die Azubis zum Beispiel mit den Vorschriften für den Busverkehr vertraut: „Allein das Thema Lenk- und Ruhezeiten ist sehr umfangreich, und es ist sehr wichtig, dass sich die Fahrer hier genau auskennen”, sagt Jörg Brackmann von MeinFernbus. Auch Betriebsplanung und Logistik lernen die angehenden Busfahrer.

In der zweiten Hälfte der Ausbildung geht es auf die Straße: Die Auszubildenden machen den Führerschein der Klasse D, der Voraussetzung für die Arbeit als Busfahrer ist. Der Führerschein ist mit rund 10 000 Euro zwar teuer, die Kosten werden aber vom Ausbildungsbetrieb übernommen. Im späteren Berufsleben sind Fernbusfahrer im Schichtbetrieb tätig. „Wenn man sich auf den Beruf einlässt, muss man auch mit Sonn- und Feiertagsarbeit rechnen”, sagt Brackmann. „Dafür sieht man was von der Welt. Man kommt in Länder und Städte, die man so vielleicht nie besucht hätte.”

Ohne Konzentration geht bei langen Touren gar nichts, schließlich ist man als Busfahrer für die Sicherheit der Fahrgäste im Bus verantwortlich. „Und man muss den Umgang mit den Gästen mögen, auch wenn sie mal nicht zufrieden sind”, sagt Rosenblatt. Brackmann betont ebenfalls die soziale Komponente: „Oft ist man als Busfahrer auch als Entertainer gefragt. So kann man zum Beispiel auch einen möglichen Stau besser überbrücken.”

Die Zukunftsaussichten gelten als gut. „Sie bekommen gerade eher einen Bus als einen Fahrer”, sagt Brackmann. Der Beruf des Busfahrers ist ein klassischer Männerberuf. „Nur zehn Prozent aller Menschen, die in Deutschland Busse fahren, sind Frauen”, sagt BDO-Sprecher Schröter. „Da gibt es ein erhebliches Potenzial.”

Während der Ausbildung verdienen Berufskraftfahrer laut Arbeitsagentur im ersten Lehrjahr monatlich zwischen 678 und 711 Euro und im dritten zwischen 780 und 834 Euro. Bei der Firma MeinFernbus variiert je nach Bundesland und inklusive Zuschlägen das Einstiegsgehalt zwischen 2000 und 3000 Euro.

Die dreijährige Ausbildung ist allerdings nicht der einzige Weg ans Fernbussteuer, sagt Manuela Lenk, Verkehrsreferentin bei der IHK Cottbus. Ein schnellerer Weg ist die beschleunigte Grundqualifikation, die von Fahrschulen angeboten wird. Dabei absolvieren die Anwärter einen 140-stündigen Vorbereitungskurs, an dessen Ende eine 90-minütige Theorieprüfung steht.

Noch schneller geht es mit der verkürzten Grundqualifikation: Dabei können Interessenten ganz ohne Vorbereitungskurs Busfahrer werden. Allerdings müssen sie eine vierstündige, schriftliche Prüfung unter anderem zu Normen, Technik und Fahrsicherheit sowie eine dreieinhalbstündige praktische Prüfung absolvieren. Der Führerschein der Klasse D ist auch in diesem Fall Voraussetzung für das Arbeiten als Fernbusfahrer. Und er muss in jedem Fall alle fünf Jahre aufgefrischt werden.

Nach Abschluss der Ausbildung steht einem die Weiterbildung zum Meister für Kraftverkehr offen. Damit könnte man zum Beispiel als Disponent oder Betriebsleiter arbeiten und entsprechend mehr verdienen, sagt Brackmann. Michael Rosenblatt ist auch ohne Meister aufgestiegen. Bei seiner Firma ist er inzwischen neben seiner Tätigkeit als Busfahrer auch Assistent der Fahrdienstleitung.

(dpa)
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