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Onlinebewertungen von Arbeitgebern

Berlin : Onlinebewertungen von Arbeitgebern: Kununu und Co auf dem Vormarsch

Arbeitgeber-Bewertungsportale gewinnen immer stärker an Bedeutung. Mehr als jeder dritte Internetuser hat bereits im Netz Bewertungen von Firmen gelesen, gab kürzlich der IT-Branchenverband Bitkom bekannt. Besonders intensiv nutzen Jüngere die Plattformen, Kununu und Co spielen somit beim Werben um junge Fachkräfte eine wichtige Rolle für Firmen.

Arbeitgeber sollen kein unbeschriebenes Blatt sein

2007 gründeten die Brüder Martin und Mark Poreda in Wien das Unternehmen Kununu, am 5. Juni des Jahres ging die erste Version des gleichnamigen Portals online. Der Begriff stammt aus der afrikanischen Suaheli-Sprache und bedeutet so viel wie „unbeschriebenes Blatt". Die Idee hinter dem Start-up: Arbeitgeber sollen für Jobsuchende eben kein unbeschriebenes Blatt sein.

Mithilfe von Bewertungen, die von aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern stammen, können sich Interessenten über verschiedene Arbeitgeber informieren. Ist in den Meinungen einhellig von mieser Stimmung, Dauerstress und herrschsüchtigen Chefs die Rede - vielleicht besser nicht bewerben. Äußern sich die Mitarbeiter dagegen positiv über Arbeitsklima, Aufgabengebiete und Vorgesetze, könnte der Betrieb einen Versuch wert sein.

Scoring ermöglicht Schnellcheck von Unternehmen

Mehr als zehn Jahre später ist Kununu Marktführer, zudem gibt es zahlreiche weitere Arbeitgeber-Bewertungsportale. Sie zeigen Jobsuchenden per Durchschnitts-Score auf einen Blick, wie ein Unternehmen in der Bewertung abschneidet. Gemittelte Werte gibt's auch für die verschiedenen Bewertungskategorien. So kann ein Interessent zum Beispiel checken, wie es um die Work-Life-Balance bestellt ist oder welche Karrierechancen ein Unternehmen bietet. Auf der anderen Seite sind die Portale für Firmen eine Gelegenheit, sich als Arbeitgeber darzustellen und zu positionieren. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt zum Beispiel diese Unternehmensseite. Interessenten erfahren, dass Swiss Life Select eine deutschlandweit agierende Finanzberatung ist, die mit zahlreichen selbstständigen Beratern zusammenarbeitet und auch Quereinsteigern offen steht - vielleicht lohnt sich ja eine Bewerbung.

Jüngere Jobinteressenten nutzen Portale besonders häufig

Noch vor rund drei Jahren war die Nutzung von Arbeitgeber-Bewertungsportalen eher mau, in den vergangen Jahren hat sie kräftig angezogen. Mittlerweile, so der Branchenverband Bitkom jüngst in einer Mitteilung, lesen 36 Prozent der Internetnutzer die Onlinebewertungen. Bei den berufstätigen Onlinern sind es sogar 45 Prozent - und in der Gruppe der berufstätigen 14- bis 29-Jährigen 52 Prozent. Für Firmen kann es gravierende Auswirkungen haben, wie die Mitarbeiterbewertungen ausfallen. So haben sich laut Bitkom 84 Prozent der wechselwilligen Interessenten schon einmal von den Bewertungen in ihrer Entscheidung beeinflussen lassen. 46 Prozent von ihnen entschieden sich für, 54 Prozent gegen die jeweilige Firma. Im viel beschworenen "War For Talents", dem Werben um begehrte Fachkräfte, können sich Firmen einen Bewertungs-GAU auf den Portalen also nicht leisten. Das beste Mittel gegen miese Noten: gute und faire Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern Gestaltungsraum und Perspektiven bieten.

(vo)