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Bremen: Nicht berieseln lassen: In der Berufsschule zählt Eigeninitiative

Bremen : Nicht berieseln lassen: In der Berufsschule zählt Eigeninitiative

Die Ausbildung im Betrieb ist für Jugendliche nur die halbe Miete. Die andere Hälfte entfällt auf die Berufsschule. Je nach Job lernen die Azubis dort entweder an ein bis zwei Tagen in der Woche oder in einem festgelegten Zeitraum im Jahr als Blockunterricht. Wer denkt, er könne sich dabei auf seinem Stuhl zurücklehnen und berieseln lassen, liegt aber falsch. Die Schulnoten guckt sich unter anderem der zukünftige Arbeitgeber ganz genau an. In die Abschlussnote der Ausbildung fließen sie aber nicht mit ein. Fleiß alleine hilft nicht, um in der Berufsschule zu überzeugen. Wichtig sind außerdem folgende Punkte:

- Anforderungen richtig einschätzen: Die größte Herausforderung ist das richtige Zeitmanagement. Der Aufwand von der betrieblichen Arbeit und den zwei Schultagen werde von vielen unterschätzt, sagt Peter Reckemeyer. Er ist Schulleiter bei den Kaufmännischen Lehranstalten in Bremerhaven. Hinzu kommt, dass Klassenarbeiten oder Referate zu Hause vorbereitet werden müssen. Damit das Lernpensum nicht irgendwann völlig aus dem Ruder läuft, müssen Azubis kontinuierlich am Ball bleiben. „Es geht darum, selbst den Überblick über den Stoff zu behalten.” Wer die Aufgaben ein paar Monate schleifen lässt und erst am Ende des Berufsschuljahres Gas gibt, übernimmt sich leicht. Das schafften viele nur mit Nachhilfeangeboten.

- Nicht den Unterricht umgehen: „Die Berufsschule ist nicht so wichtig” - diese Meinung vertreten nicht nur einige Azubis. Manchmal kursiert diese Haltung im Betrieb selbst. Einige Ausbilder schreiben dann Entschuldigungen für ihren Lehrling, warum er aus betrieblichen Gründen nicht am Unterricht teilnehmen kann. „In Ausnahmefällen wie bei einer Inventur oder saisonalen Arbeiten ist das natürlich in Ordnung”, erklärt Sven Thora. Er kümmert sich bei der Arbeitnehmerkammer Bremen unter anderem um Ausbildungsrecht. Auf Dauer gerieten Jugendliche damit aber schnell in einen Wissensrückstand.

Haben Azubis das Gefühl, ihr Chef möchte sie öfter einmal im Betrieb behalten, sitzen sie in der Zwickmühle. Am besten wenden sie sich dann an ihren Berufsschullehrer. Er kann das Gespräch mit dem Ausbilder suchen. Denn der Schulunterricht ist keine Spaßveranstaltung: Laut Berufsbildungsgesetz (BBiG) müssen Betriebe ihre Auszubildenden für die Berufsschule freistellen.

- Schwächen früh eingestehen: Manchmal merken Jugendliche im Schulunterricht sehr schnell, dass sie hinterherhinken. Je eher sie sich das und ihrem Vorgesetzten eingestehen, umso besser. „Das wird einem niemand als Schwäche auslegen”, sagt Thora. Ihre Defizite können Azubis beispielsweise mit Nachhilfeunterricht bei einem privaten Bildungsträger ausgleichen. Oder sie nehmen ausbildungsbegleitende Hilfen in Anspruch, ein Angebot der Agentur für Arbeit, das für Azubis und den Betrieb nichts kostet. „Der Arbeitgeber oder der Jugendliche kann sich dafür an den Berufsberater bei uns wenden”, sagt Frank Fleischmann, Pressesprecher der Arbeitsagentur Suhl. Die Nachhilfe wird dann individuell und passgenau auf den Azubi zugeschnitten.

Schlechte Leistungen können verschiedene Gründe haben: Meist hapert es an Mathe- oder Deutschkenntnissen. Auch das Umfeld zu Hause und zu wenig Unterstützung durch die Eltern können es Azubis schwermachen voranzukommen.

Bevor Jugendliche Unterstützung in Anspruch nehmen, suchen sie am besten das Gespräch mit ihrem Berufsschullehrer: „Ich sollte genau abklären: „Wo liegen meine Schwächen?”, rät Arnd Höljes, stellvertretender Schulleiter der Kaufmännischen Lehranstalten in Bremerhaven.

- keine Patzer bei den Formalien: Nicht nur ihrem Ausbildungsbetrieb gegenüber haben Jugendliche Pflichten - sondern auch gegenüber der Berufsschule. Das betrifft zum einen die Urlaubsplanung: „Grundsätzlich darf Urlaub nur in der Ferienzeit genommen werden”, sagt Florian Haggenmiller von der Jugendabteilung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Einfach schwänzen ist also keine Option.

Wer krank ist, muss dies ebenfalls sowohl seinem Ausbilder als auch seinem Lehrer mitteilen - am besten vor Unterrichtsbeginn. „Ob man eine Krankschreibung vorlegen muss, hängt von der Schulordnung ab”, sagt Thora von der Arbeitnehmerkammer. Im Zweifelsfall fragen Jugendliche besser nach.

- Mitstreiter suchen: Kontakt zu ihren Mitschülern sollten Jugendliche nicht nur suchen, um Pläne fürs Wochenende zu schmieden. „Gespräche helfen, den Wissenstand abzugleichen und zu sehen: Wie weit sind die anderen?”, sagt Haggenmiller. Außerdem zeige sich immer wieder, dass Berufsschüler vor allem dann mit ihrem Unterricht zufrieden sind, wenn es eine Schülermitvertretung gibt. So haben Azubis mehr Mitspracherechte und können Wünsche äußern, welchen Stoff der Lehrer behandeln soll. Auch hier lohnt es sich also, nicht als Einzelkämpfer aufzutreten, sondern in der Gruppe zu arbeiten.

(dpa)