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Köln: Mit Messer, Leim und Falzbein: So arbeiten Buchbinder

Köln : Mit Messer, Leim und Falzbein: So arbeiten Buchbinder

Ihren Traumberuf fand Valerie Abraham zufällig. Auf der Suche nach einer Ausbildung wollte sie nach dem Abitur „etwas mit Medien” machen, erzählt sie. Obwohl man dabei heute zuallererst an neue Medien denkt, arbeitet Abraham heute in einem Beruf, der bis in die Antike zurückreicht.

Die 23-Jährige ist derzeit im dritten Jahr ihrer Ausbildung zur Buchbinderin in der Buchbinderei und Prägerei Edmund Schaefer in Köln. Von Broschüren bis hin zu Büchern produziert Abraham verschiedene Drucksachen. Ihr Metier ist alles, was zwischen zwei Buchdeckel passt - und mehr.

Buchbinder arbeiten im Handwerk, in Buchbindereien und Verlagen, aber auch in großen Bibliotheken. Sie stellen neben Büchern Kassetten etwa für Münzen oder Parfüms her. Auch in der Reparatur und Konservierung sind Buchbinder tätig. Sie erneuern verschlissene Bücher und restaurieren wertvolle Schriften.

Viele Buchbinder rahmen außerdem Bilder, Landkarten oder Fotos. „Die Buchbinderei ist ein abwechslungsreicher Beruf. Man muss flexibel sein, immer wieder nach Lösungen für unterschiedlichste Probleme suchen”, sagt Frank Dowerg. Er ist Obermeister der Buchbinder-Innung Berlin-Brandenburg.

Die Ausbildung dauert drei Jahre. Einen bestimmten Schulabschluss braucht es nicht, allerdings hatte 2013 mehr als jeder zweite Ausbildungsanfänger (52 Prozent) die Hochschulreife. In der Berufsschule beschäftigen sich die Azubis etwa mit den verschiedenen Werkstoffen. Außer mit Papier arbeiten Buchbinder unter anderem mit Leder, Leinen, Pergament sowie mit Samt und Seide.

„Man muss mit Materialien umgehen können”, erzählt Dirk Jachimsky, Inhaber der Buchbinderei Edmund Schaefer und Valerie Abrahams Chef. Wichtig seien für den Beruf neben räumlichem Vorstellungsvermögen auch Grundkenntnisse in Mathe, etwa für die Materialberechnung.

Im Betrieb werden die Lehrlinge langsam an ihre späteren Aufgaben herangeführt. So produzierte Valerie Abraham ganz zu Anfang ihrer Ausbildung erst einmal eine einfache, geklammerte Broschüre - die Arbeit mit Messer, Leim und Falzbein erfordert Genauigkeit und Übung. „Bis ich selbst ein ganzes Buch erstellt habe, hat es ein wenig gedauert”, erzählt sie. Diese Vorbereitung ist wichtig, sagt Dirk Jachimsky: „Man muss bestimmte Grundlagen im Umgang mit Papier kennen, bevor man damit arbeitet. Sonst kann man viel falsch machen”.

Da Buchbinder meist in kleinen Betrieben individuelle Einzelstücke oder Kleinstauflagen maschinell und in Handarbeit herstellen, sind handwerkliche und gestalterische Fähigkeiten wichtig. „Es kommt auf Kreativität und Geschick an”, sagt Paul Ebsen von der Bundesagentur für Arbeit. Auch Geduld brauche man, sagt Auszubildende Abraham: „Für ein Buch muss man mindestens drei Tage rechnen. Eine Woche bis zehn Werktage sind Standard.”

Ganz ohne körperliche Anstrengung geht es in der Buchbinderei nicht, ergänzt Hans-Dieter Jung, der als Vorstandsmitglied im Bund Deutscher Buchbinder zuständig für den Bereich Ausbildung ist. „Früher musste man das Papier noch von Hand schleppen, das machen heute Maschinen. Trotzdem kann es sein, dass man mal einen Stapel Papier heben muss, das kann schon 25 bis 30 Kilos wiegen.” Darüber hinaus arbeite man viel im Stehen, was anstrengend sein kann. Den Kontakt mit den Kunden darf man als angehender Buchbinder ebenfalls nicht scheuen.

Der traditionsreiche Beruf ist heute ein Exot. „Das Handwerk wurde durch die Digitalisierung ziemlich gebeutelt”, sagt Dirk Jachimsky. 2013 begannen laut Informationen der Arbeitsagentur nur 51 Lehrlinge ihre Ausbildung. Frank Dowerg befürchtet langfristig eine weitere Verkleinerung der Branche.

Während der Ausbildung verdient man laut Arbeitsagentur zwischen 366 und 406 Euro im ersten Lehrjahr und zwischen 446 und 506 Euro im dritten. Das spätere Gehalt variiert je nach Betrieb und Bundesland. Das Einstiegsgehalt, sagt Jachimsky, liege bei rund 1700 Euro. Es kann aber auch deutlich weniger sein. „Ich würde den Beruf keinem empfehlen, der darauf hofft, darin das große Geld zu verdienen. Man muss sehr viel Liebe dafür mitbringen”, sagt Frank Dowerg.

Wer sich nach seiner Ausbildung noch weiterbilden will, kann die Prüfung zum Buchbindermeister ablegen oder den Techniker in der Fachrichtung Papiertechnik machen. Auch über ein Studium, etwa in Restaurierung und Konservierung, kann man sich bei entsprechender Eignung weiterqualifizieren.

Das Wichtigste für sie sei, nach der Ausbildung eine Stelle zu finden, erzählt Valerie Abraham. Später würde sie gerne in der Restaurierung arbeiten, sich dafür in einer Fortbildung oder einem Teilzeitstudium neben der Arbeit qualifizieren. Sie mag es, „alte Bücher wieder aufzumöbeln”. Ihr Tipp für den Traumjob? „Man sollte auch am Lesen interessiert sein. Wenn man sich mit dem Produkt so gar nicht identifizieren kann, ist es schwierig.”

(dpa)