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Berlin: Loben statt kränken: Mitarbeiter nicht permanent unter Druck setzen

Berlin : Loben statt kränken: Mitarbeiter nicht permanent unter Druck setzen

Fast jeder hat schlechtes Führungsverhalten schon einmal erlebt: Da ist der Hotelchef aus dem letzten Urlaub, der eine Auszubildende vor Gästen zur Schnecke macht oder der beste Freund, der von seiner Versetzung als letzter erfährt.

„Es gibt sie noch, die Chefs, die Mitarbeiter verschleißen und als Austauschware betrachten”, sagte Julia Scharnhorst vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Doch in Zeiten von Fachkräftemangel und demografischen Wandel könnten sich das immer weniger erlauben, so die Expertin im Gespräch mit dem dpa-Themendienst.

Ganz unabhängig davon sollten Chefs vor allem auf eine transparente Kommunikation achten. Führungskräften sei häufig gar nicht bewusst, was die Mitarbeiter störe, erzählte Scharnhorst. Manche Abteilung ist etwa seit Monaten genervt, weil sie von wichtigen Entscheidungen statt vom Chef immer zuerst aus dem Intranet erfährt. Solche Probleme ließen sich leicht beheben, wenn Vorgesetzte sich mit ihren Teams zusammensetzen und direkt fragen: „Wie hättet ihr den Kommunikationsfluss gerne.”

Wollen sie nicht soweit gehen, helfe es zumindest zu erläutern, warum Führungskräfte auf eine bestimmte Art und Weise kommunizieren. Häufig gebe es dafür handfeste Gründe. Dann können Mitarbeiter aber zumindest nachvollziehen, warum sie nicht früher informiert werden.

Neben einer transparenten Kommunikation sei Anerkennung der Leistungen wichtig. „Lob ist der beste Stresspuffer”, rät Scharnhorst. Wer das Gefühl hat, dass die eigene Leistung gesehen wird, bringt im Job auch gerne Höchstleistung. Auf Druck oder Kränkungen reagierten Mitarbeiter dagegen häufig mit Frustration. Ständige Demütigungen könnten sogar krank machen. Eine gute Faustregel sei, sich ein Lob pro Tag vorzunehmen.

Außerdem würden gute Führungskräfte beim Thema Work-Life-Balance ein Vorbild sein. Dazu gehöre, keine E-Mails nach Feierabend an die Mitarbeiter zu schreiben oder ständig Überstunden zu schieben. Sonst entstehe bei den Untergebenen schnell der Eindruck, dass von ihnen ebenfalls ständige Verfügbarkeit erwartet werde.

(dpa)