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Berlin: Lernen mal anders: Als Azubi ins Ausland

Berlin : Lernen mal anders: Als Azubi ins Ausland

Gute Fremdsprachenkenntnisse und Auslandserfahrung sind in vielen Berufen eine Voraussetzung. Doch im Gegensatz zu Studenten gehen Azubis eher selten in die Ferne. Gerade mal vier Prozent eines Jahrgangs verlassen während ihrer Ausbildung Deutschland, wie die Nationale Agentur Bildung für Europa errechnet hat. Doch auch für Azubis werde ein Auslandsaufenthalt immer wichtiger, sagte Susanne Boy, Mobilitätsberaterin der Handwerkskammer Berlin im Gespräch mit dem dpa-Themendienst.

Eine Reise ins Ausland sei nicht nur für die eigene Persönlichkeit von Vorteil, sondern erweitere auch den Horizont im eigenen Berufsfeld. „Es kann zum Beispiel hilfreich sein, zu wissen, wie die jeweilige Branche im Ausland arbeitet”, erklärte die Expertin. Die erworbenen Sprachkenntnisse machten den Azubi zudem für den heimischen Betrieb wertvoller. „Das ist dann eine zusätzliche Kompetenz, mit der man bei der Übernahme punkten kann.”

Förderprogramme gibt es inzwischen viele. Das größte ist das EU-Austauschprogramm Leonardo da Vinci, das Praktika in allen europäischen Ländern unterstützt. Azubis können an organisierten Gruppenaustauschen teilnehmen oder sich selbst einen Betrieb in einem Land ihrer Wahl suchen. Auch die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit organisiert Auslandsreisen in die Niederlande und Norwegen. Wer nach Frankreich will, kann vom Deutsch-Französischen Jugendwerk ein Stipendium bekommen.

Vor der Planung muss zunächst der Ausbildungsbetrieb gefragt werden. Denn der muss die Reise in die Ferne genehmigen, so Boy. Nicht jeder Chef ist begeistert, wenn der Azubi Wochen oder sogar Monate als Arbeitskraft fehlt. Deshalb sei es ratsam, dem Ausbildungsleiter klarzumachen, dass es auch für seinen Betrieb Vorteile habe, wenn der Azubi über den Tellerrand schaut.

Außerdem muss eine Freistellung bei der Berufsschule beantragt werden. Vor dem Auslandspraktikum empfiehlt es sich, einen Sprachkurs und ein interkulturelles Training zu absolvieren, um sich auf die Gepflogenheiten im jeweiligen Gastland vorzubreiten. Infos bekommen Azubis bei den Berufsschulen und Handwerkskammern.

Der Zeitpunkt der Auslandsstationen will gut überlegt sein. „Im ersten Jahr ist es wichtig, zunächst Erfahrung im eigenen Betrieb zu sammeln. Am Ende kollidiert ein Auslandsaufenthalt wiederum mit den Abschlussprüfungen”, erläuterte Boy.

Der beste Zeitpunkt sei deshalb in der Mitte der Ausbildung, also in der Regel im zweiten Lehrjahr. Meistens dauerten die Stationen in der Fremde zwischen zwei und vier Wochen, aber auch längere Praktika seien möglich. Nach dem Berufsbildungsgesetz darf der Auslandsaufenthalt aber ein Viertel der gesamten Ausbildungszeit nicht überschreiten. Bei längeren Aufenthalten muss außerdem der verpasste Stoff der Berufsschule nachgeholt werden.

Nach dem Aufenthalt bekommen Azubis, die über eines der Förderprogramme ins Ausland gegangen sind, in der Regel automatisch ein Zertifikat über das System Europass der EU. Wer ein individuelles Zeugnis haben möchte, sollte dieses rechtzeitig in dem Gastbetrieb beantragen, empfahl die Expertin. „Das macht sich gut für spätere Bewerbungen.”

(dpa)