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Kündigung durch den Arbeitnehmer: Was gibt es zu beachten​

Fristen : Kündigung durch den Arbeitnehmer: Was gibt es zu beachten

Wer als Arbeitnehmer den Job zum aktuellen Zeitpunkt oder in naher Zukunft selbst kündigen will, sollte wichtige Tipps zu formalen Voraussetzungen beachten.

Sogar während der Suche nach dem neuen Job ist es sinnvoll, sich bereits mit dem Thema Kündigung und entscheidenden Details wie beispielsweise Fristen oder dem zustehenden Resturlaub zu beschäftigen.

Beachtenswerte Kündigungsfristen für einen Arbeitnehmer

In Deutschland gelten auch für Arbeitnehmer Kündigungsfristen. Dabei ist zunächst entscheidend, ob ein Arbeitsvertrag mit besonderen Regelungen besteht oder allgemeine Fristen gültig sind. Im Vertrag können die Beteiligten sich theoretisch auf längere Kündigungsfristen einigen. Während der Probezeit ist ohne Arbeitsvertrag noch täglich eine Kündigung mit einer Frist von zwei Wochen möglich.

Ab dem siebten Monat im Job liegt die Kündigungsfrist hingegen bei vier Wochen. Mit diesem Mindestabstand dürfen Angestellte ein Arbeitsverhältnis ohne abweichende Vertragsregelungen zum 15. oder zum Ende des Monats kündigen. Über die Fristwahrung entscheidet das Datum, an dem das Kündigungsschreiben dem Arbeitgeber zugegangen ist.

Rechtswirksame Form einer ordentlichen Kündigung

Es ist zwingend erforderlich, dass eine Kündigung schriftlich erfolgt. Wer stattdessen dem Vorgesetzten nur eine E-Mail schreibt oder mündlich kündigen will, beendet das Arbeitsverhältnis damit nicht wirksam. Darüber hinaus dürfen die eigene Unterschrift und das Datum auf dem Kündigungsschreiben nie fehlen.

Der Text muss die Kündigungsabsicht unmissverständlich ausdrücken. Zugleich bleibt es unverzichtbar, dass das Kündigungsschreiben sich mit dem Namen und weiteren Daten eindeutig dem Verfasser zuordnen lässt.

Gründe für die Vereinbarung eines Kündigungsgesprächs

Für eine respektvolle Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist es fast immer sinnvoll, mit dem Vorgesetzten ein Kündigungsgespräch zu vereinbaren. Dabei können Angestellte den bisherigen Arbeitgeber während der Vorbereitung auf die Zeit nach dem letzten Arbeitstag unterstützen. Der Chef erkundigt sich im Kündigungsgespräch beispielsweise über aktuelle Schwierigkeiten, die der Nachfolger in der Position bewältigen muss. Vorschläge für Nachfolgeregelungen und die Übergabe der laufenden Projekte verbessern die Atmosphäre beim Abschied aus einem Unternehmen ebenfalls.

In außergewöhnlichen Fällen versuchen Arbeitgeber außerdem, den Arbeitnehmer im Kündigungsgespräch mit der Aussicht auf Gehaltserhöhungen oder Beförderungen doch noch vom Verbleib zu überzeugen.

Mitteilung an Vorgesetzte und Kollegen in der richtigen Reihenfolge

Die Vorgesetzten sollten in der Regel als die ersten Mitarbeiter eines Betriebs von der Kündigungsabsicht eines Angestellten erfahren. Falls der Chef stattdessen durch den Flurfunk im Unternehmen zuletzt vom Entschluss zur Kündigung erfährt, leidet darunter die Arbeitsatmosphäre. Es ist wichtig, dass der Vorgesetzte durch ein persönliches Schreiben oder ein Vorgespräch und nicht über Dritte vom bevorstehenden Abschied eines Arbeitnehmers erfährt.

Zustehender Resturlaub bei einer Kündigung

Wenn einem Angestellten noch Urlaubstage zustehen, muss der Arbeitgeber dementsprechende Urlaubsanträge im Normalfall vor dem Ende des Arbeitsverhältnisses noch genehmigen. Mit dem Einverständnis des Arbeitnehmers besteht alternativ die Möglichkeit, den verbleibenden Urlaubsanspruch auszuzahlen. Durch eine Kündigung geht der Anspruch auf Resturlaub grundsätzlich nicht verloren.

Wer in der zweiten Hälfte eines Kalenderjahrs kündigt und mindestens sechs Monate im Unternehmen gearbeitet hat, darf den gesetzlichen Jahresmindesturlaub vor dem Abschied komplett ausschöpfen. Bei einem Austrittsdatum in der ersten Jahreshälfte stehen dem Arbeitnehmer die Urlaubstage hingegen nur anteilig zu. Es ist für den Arbeitgeber üblicherweise nicht möglich, einen bereits gewährten Urlaub zurückzufordern.

Anforderung eines Arbeitszeugnisses mit dem Kündigungsschreiben

Arbeitnehmer profitieren davon, die bisherigen Vorgesetzten im Kündigungsschreiben direkt um ein qualifiziertes Arbeitszeugnis zu bitten. Bei späteren Bewerbungen hängen die Erfolgschancen oft entscheidend von diesem Zeugnis ab. Angestellte sollten das ausgestellte Arbeitszeugnis sorgfältig überprüfen, um den Text wegen einer fehlerhaften Bewertung rechtzeitig anfechten zu können. Obwohl die Anforderung der schriftlichen Bewertung durch den Arbeitgeber für bis zu drei Jahre nachträglich möglich bleibt, ist die zeitnahe Ausstellung des Dokuments sinnvoll. Denn nach langen Zeiträumen fällt es den früheren Vorgesetzten schwerer, sich an Details zu erinnern und den Anspruch des Arbeitnehmers auf ein objektives Arbeitszeugnis umfassend zu erfüllen.

Gefahren bei Kündigung ohne neuen Arbeitsvertrag

Bevor der Arbeitsvertrag beim neuen Arbeitgeber unterschrieben ist, bleibt eine Kündigung immer mit hohen Risiken verbunden. Wer sein Arbeitsverhältnis als Angestellter selbst kündigt und nicht direkt mit der Tätigkeit in einem anderen Betrieb beginnt, muss wegen einer Sperrfrist bis zu drei Monate auf die Auszahlung von Arbeitslosengeld warten.

Solange Arbeitnehmer eine Jobzusage nicht schriftlich nachweisen können, ist eine Kündigung somit auch im Hinblick auf die finanzielle Situation sehr riskant. Es kommt regelmäßig vor, dass sich ein Unternehmen in der letzten Phase eines Bewerbungsprozesses doch noch umentscheidet. Zudem lässt sich eine mündliche Zusage ohne Zeugen schwer nachweisen.