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Hohenroda: Kleinwüchsige: Zu wenig Akzeptanz in der Arbeitswelt

Hohenroda : Kleinwüchsige: Zu wenig Akzeptanz in der Arbeitswelt

Kleinwüchsige Menschen werden in der Arbeitswelt nach Ansicht eines Interessenverbandes deutlich unterschätzt. Vielen Firmen in Deutschland fehle der Mut, Kleinwüchsige einzustellen oder sie in verantwortungsvolle Positionen zu befördern, sagte Wolfgang Küssner (60), Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien (BKMF).

Der Verband hält bis Sonntag im osthessischen Hohenroda das 24. Kleinwuchsforum ab. Küssner beklagt, dass sich vor allem mittelständische Unternehmen schwer täten, kleinwüchsige Menschen einzustellen. „Und wenn, dann müssen sie häufig hinter den Kulissen arbeiten, wo sie möglichst keinen Kundenkontakt haben.” Es sei wünschenswert, Betroffene nicht aufgrund ihrer geringen Körpergröße zu diskriminieren. Ihnen sollten die gleichen Chancen gegeben werden wie Menschen ohne Handicap. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Es gibt für vieles Lösungen - zum Beispiel höhenverstellbare Büromöbel.”

Nach Verbandsangaben gibt es rund 100.000 Kleinwüchsige in Deutschland. Frauen werden meist nicht größer als 140, Männer nicht größer als 145 Zentimeter. Für Kleinwuchs seien mehr als 500 Ursachen bekannt.

In Schulen und Kindergärten sei die Integration dagegen auf einem guten Weg, befand Küssner. „Da werden zunehmend Hemmungen abgebaut - auf beiden Seiten”, sagte er. Der Verband hofft, dass sich mit der Inklusion Bildungschancen für Kleinwüchsige verbessern. Der gemeinsame Unterricht für behinderte und nicht behinderte Kinder in Regelschulen soll nach einer UN-Behindertenrechtskonvention vorangetrieben werden. Kleinwüchsige könnten aufgrund ihres geistigen Vermögens auch Schulen wie andere Kinder und Jugendliche besuchen.

Im Alltag müssen sich die Betroffenen mit vielen Problemen herumschlagen. Beispiel: Kleidung einkaufen. „Mein Sohn ist 28 Jahre alt und 1,45 Meter groß. Doch in seiner Größe 33/34 bekommt er im normalen Geschäft nur Kinderschuhe”, verdeutlicht Küssner. Auch der öffentliche Personennahverkehr sei schwierig zu nutzen. „Es gibt zu wenig Einstiegshilfen in Bussen und Bahnen.”

Bei seinem in europaweit einzigartigen Forum in Hohenroda thematisiert der 1988 gegründete Verband die Lebenssituation von Kleinwüchsigen. Ärzte und Fachleute berichten auch über Gesundheitsfragen. Gesprochen wird diesmal über Medikamente, die Wachstum ermöglichen sollen. Zudem geht es um orthopädische Maßnahmen und bestimmte Hüft-OPs. „Viele Kleinwüchsige klagen mit der Zeit über Schmerzen in der Hüfte, den Beinen und Gelenken”, erklärte Küssner.

(dpa)