1. Leben
  2. Bildung und Beruf

Zürich: Große Klappe, nix dahinter: Wie Mitarbeiter Schaumschläger entlarven

Zürich : Große Klappe, nix dahinter: Wie Mitarbeiter Schaumschläger entlarven

Die schlechte Nachricht zuerst: Aus einem Tiefstapler wird wohl nie ein Blender. Ist es ihm doch gerade zuwider, sich aufzuspielen und seine Qualitäten herauszustellen. Vor allem Frauen neigen nicht selten dazu, die eigenen Stärken herunterzuspielen.

Die Folge: Schaumschläger bremsen sie aus oder benutzen sie. Doch mit Geschick, dem richtigen Auftreten und dem Wissen, wie die Mechanismen funktionieren, lässt sich Blendern das Handwerk legen.

„Die Menschen sind gegengeschlechtlich geprägt, die Jungen von den Müttern, die Mädchen von den Vätern”, sagt Roman Maria Koidl. Er ist Unternehmer und hat ein Buch zum Thema Blender geschrieben. Mütter hielten ihre Söhne häufig für die Größten. Die Töchter hingegen wollten sich vor ihren Vätern beweisen, ihnen gefallen, und das funktioniere oft über Leistung. Nach diesem Verhaltensmuster agieren sie später auch als Erwachsene.

„Blender zeichnen sich dadurch aus, dass sie in der Regel wenig von der Materie verstehen, aber viel Wind darum machen”, erklärt Svenja Hofert, Karriereberaterin aus Hamburg. Das habe viel mit Körpersprache, Aussehen und Auftreten zu tun. Es sei der viel beschworene Halo-Effekt, sagt Hofert. Der Begriff aus der Psychologie beschreibt das Phänomen, dass Menschen dazu tendieren, ihren ersten Eindruck immer weiter zu bestätigen. Sie nehmen in der Folge vor allem das wahr, was zu ihrem ersten Eindruck passt, und unterdrücken, was davon abweicht.

Wer oft von Schaumschlägern ausgebremst wird, sollte deshalb zunächst den eigenen Auftritt überprüfen. „Eine überzeugende Stimme, ein fester Händedruck und Statussymbole wie teure Uhren und dicke Autos sind für viele Zeichen für Erfolg und Kompetenz”, erklärt Hofert. Oft werden Beschäftigte von ihrer Umwelt anders wahrgenommen, wenn sie zum Beispiel an ihrer Stimme arbeiten.

Vor allem in den ersten zwei Minuten eines Gesprächs ist es wegen des Halo-Effekts außerdem wichtig, zu punkten. Das gilt gerade auch für Vorstellungsgespräche, sagt die Karriereberaterin Madeleine Leitner aus München. In diesem Zeitraum sollten Tiefstapler sich besonders bemühen, sich zu positionieren. Der erste Eindruck lässt sich später nur mühsam korrigieren.

Üblicherweise kämen zu Beginn Fragen wie „Wo liegen Ihre Stärken und Schwächen?” oder „Erzählen Sie mal etwas über sich”. „Genau das sind Situationen, in denen man sich positionieren muss”, sagt Leitner. Blendern gelingt das oft spielend. Wem das nicht leichtfällt, der sollte versuchen, möglichst konkret zu antworten und Beispiele nennen, die für die eigenen Qualitäten sprechen. „Da kann man erzählen, welche Situation einen belastet hat, wie man vorgegangen ist, und wie das Ergebnis war.”

Mancher muss da auch erst die eigene Schambarriere überwinden. „Wir leben in einer Gesellschaft, in der man sich ständig präsentiert, in den sozialen Netzwerken, im Job, in der Öffentlichkeit”, erzählt Koidl. Wer nicht untergehen will, könne sich dem kaum entziehen. Die eigenen Qualitäten offensiv zu bewerben, ist deshalb nicht peinlich, sondern eine Notwendigkeit. Wer sich das klarmacht, hat häufig weniger Schwierigkeiten, sich zu vermarkten.

Autorität habe ein Stück weit immer auch der, der sie sich anmaßt, erklärt Buchautor Koidl. Blender täten das ohne Substanz, die zurückhaltenderen Kollegen müssten sich die Autorität erst verschaffen. Wichtig dafür ist, sich der eigenen Kompetenzen bewusst zu sein und sie selbstbewusst zu vertreten. Wer sich unsicher ist, wo die eigenen Stärken liegen, kann zum Beispiel Freunde oder vertraute Kollegen um Feedback bitten.

Doch den Schaumschlägern nachzuahmen, ist nicht alles. Gleichzeitig sollten Mitarbeiter versuchen, sie zu entlarven. Gibt der Kollege wieder einmal mächtig an, helfen sachliche Nachfragen, rät Koidl. Häufig wird der Aufschneider zwar versuchen, die Fragen abzubügeln oder sich darüber lustig zu machen. Davon darf sich jedoch keiner abschrecken lassen. Stattdessen lieber noch ein zweites Mal nachfragen, um dem anderen das Handwerk zu legen.

Zwar mache sich mit so einem Verhalten niemand beliebt. Doch mit Loyalität kommen Mitarbeiter auch nicht weiter, sagt Hofert. Gerade wenn sich ein Kollege mit fremden Federn schmückt, sollten sie das öffentlich machen und den Chef bei Gelegenheit darüber aufklären.

Bei alldem versuchen Tiefstapler schließlich am besten, sie selbst zu bleiben. Sich zu verstellen, bringt nichts. Das wirkt schnell angestrengt und unauthentisch. „Ein Spatz sollte nicht versuchen, ein Pfau zu sein”, gibt Leitner ein Beispiel. „Es gibt aber Pfauen, die aussehen wie Spatzen, und die sollten ihrem Gegenüber die Chance geben, die Pfauenfedern zu erkennen.”

(dpa)