Fachkräftemangel: Wie Unternehmen Nachwuchstalente gewinnen können

Fachkräftemangel : Wie Unternehmen Nachwuchstalente gewinnen können

Der Fachkräftemangel ist für deutsche Unternehmen ein großes Problem, langfristig könnte er sogar das Wirtschaftswachstum bremsen. Inzwischen sieht die Situation so aus, dass sich junge Talente einen Betrieb ihrer Wahl aussuchen - und nicht andersherum. Dementsprechend müssen Unternehmen viel für ihr Image tun. Die wichtigsten Zahlen und Maßnahmen stellt unser Ratgeber vor.

Dass dem Fachkräftemangel schleunigst etwas entgegengesetzt werden muss, ist in Anbetracht jüngster Umfrageergebnisse klar: So gaben laut des Konjunkturberichts der Industrie- und Handelskammer (IHK) zwei Drittel der hiesigen Betriebe an, Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Nachwuchskräften zu haben (wir berichteten). Der umfassende Innovationsreport 2017 der DIHK klingt noch dramatischer: Demnach gaben 82 Prozent der 1.700 befragten Unternehmen an, dass sie ihre Innovationstätigkeiten einschränken müssen, da sie "keine geeigneten
Facharbeiter, Akademiker oder Auszubildenden finden".

Herausforderung annehmen und neue Strategien entwickeln

Diese Situation zu akzeptieren und die Akquise von Fachkräften als Herausforderung anzunehmen ist für Unternehmen der erste Schritt, um sich im Wettbewerb um die besten Talente durchzusetzen. Erforderlich ist in vielen Fällen auch eine neue Recruiting- und Employer-Branding-Strategie, um das eigene Unternehmen als Arbeitgebermarke aufzubauen. Unternehmen müssen von ihren Vorzügen überzeugen und auf den richtigen Plattformen präsent sein, um auf dem Radar potenzieller Kandidaten zu landen.

Die Print-Anzeige ist schon längst nicht mehr unter den Top-3-Kanälen, mit denen sich Bewerber ansprechen lassen. Stattdessen sind Online-Stellenbörsen und Karrierewebsites zusammen mit Mitarbeiterempfehlungen die wichtigsten drei Kanäle, heißt es in einer aktuellen Studie der Zeitschrift Personalwirtschaft. Auch Social Media wird immer wichtiger - besonders um junge Talente unter den sogenannten Digital Natives anzusprechen.

Mit einer breiter aufgestellten Recruiting-Strategie einhergehen müssen auch Maßnahmen zum Employer-Branding und eine Umstellung auf digitale Recruiting-Tools.

Letztere erlauben die Veröffentlichung und Verwaltung von Stellenausschreibungen auf diversen Plattformen. Employer-Branding ist, so bringt es eine Überblicksseite zu dem Begriff auf den Punkt, "Pflicht, nicht Kür" und "kein Trend, sondern ein Muss". Die Effekte zielen aber nicht nur auf potenzielle Bewerber ab, sondern auch auf die Mitarbeiter. Denn diese tragen ihre Zufriedenheit nach außen und sorgen für jene im Recruiting so wichtigen Mitarbeiterempfehlungen.

Work-Life-Balance wird immer wichtiger

Faktoren, die sich positiv auf die Arbeitgebermarke auswirken, sind beispielsweise Maßnahmen zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Work-Life-Balance wird bei jungen Nachwuchsfachkräften immer häufiger großgeschrieben. Auch firmeninterne Sportangebote, frisches Obst und gut organisierte Teamevents sind gute Möglichkeiten, um gleichermaßen intern wie extern von den Vorzügen der eigenen Firma zu überzeugen.

Allerdings spielt auch das Gehalt eine wichtige Rolle: "Personalmanagerinnen und Personalmanager werden alle Register ziehen müssen, um ihre offenen Stellen besetzen zu können", erklärt Tim Böger, Geschäftsführer der Vergütungsberatung Compensation Partner, gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Im Handwerk zeigte sich das schon in der Vergangenheit: Der Fachkräftemangel führte in der Branche bereits zu höheren Preisen für Handwerkerleistungen. Der Grund: Nur dadurch konnten Betriebe ihren Angestellten höhere Gehälter zahlen.

(vo)
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