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Winterberg: Esperanto als Vatersprache: Sprachkurs auf dem stillen Örtchen

Winterberg : Esperanto als Vatersprache: Sprachkurs auf dem stillen Örtchen

Eine neue Sprache lernen und nach nur zwei Wochenend-Kursen schon sprechen und verstehen? Das verspricht der Deutsche Esperantobund (DEB). Viele Teilnehmer eines Treffens in Winterberg bestätigen das. 130 Teilnehmer aus zehn Nationen treffen sich dort im Moment zur Internationalen Frühlingswoche des Deutschen Esperanto-Bundes.

Sie reden Esperanto - eine Plansprache, deren Ziel es ist, Menschen über Sprachgrenzen hinweg eine einfache Verständigung zu ermöglichen. Im Alltag haben sie dazu sonst kaum die Möglichkeit.

Andreas Langholf hatte im vergangenen Sommer im Urlaub eine französische Esperanto-Gruppe kennengelernt. „Die haben uns gesagt, dass wir uns das mit unseren Vorkenntnissen in Englisch, Deutsch und Polnisch in zwei Monaten selbst beibringen können”, sagt der 31-Jährige. Daraufhin habe ihr Mann im Internet ein Esperanto-Lehrbuch bestellt, sagt seine Ehefrau Esther. „Für uns war das ein Experiment. Das lag dann zwei Monate bei uns auf dem Klo.”

Mitreden kann nun auch schon der knapp zweijährige Sohn Birk des Paares aus dem Baden-Württembergischen Langenburg. „Das ist schon irre, wenn man sieht, wie er sich hier mit den anderen Kleinkindern Esperanto-Brocken über den Tisch wirft”, sagt der Vater, der mit seinem Sohn regelmäßig Esperanto-Bilderbücher anschaut.

„Es gibt weltweit wohl bis zu 2000 Menschen, die sich als „Esperanto-Muttersprachler” sehen”, sagt der Sprecher des DEB, Louis von Wunsch-Rolshoven. Doch eigentlich sei Esperanto in dieser Hinsicht eher eine „Vatersprache”, weil vor allem Männer ihren Nachwuchs auf Esperanto erzögen. „Häufig sprechen die Männer Esperanto mit den Kindern, während die Mütter ihnen die jeweilige Landessprache beibringen.”

Die 45-jährige Sigita Stai?iunaite ist mit ihrem Sohn Titas aus dem litauischen Kaunas nach Winterberg gereist, damit der Achtjährige Kontakt zu anderen Kindern bekommt und seine Esperanto-Kenntnisse anwenden kann. „Ich habe die Sprache 1988 gelernt”, sagt die Ärztin. Damals sei das eine Möglichkeit für Auslandsreisen gewesen, weil Esperanto von der damaligen UdSSR gefördert wurde. Heute sei sie viel in der Welt unterwegs und nutze Esperanto häufig.

Wie viele Menschen die Sprache, die vor 130 Jahren von einem polnischen Augenarzt entwickelt wurde, heute sprechen, weiß niemand. Aber das Internet hat den Anhängern der Kunstsprache neue Möglichkeiten eröffnet. „Man findet durch Esperanto überall in der Welt Leute mit offenen Herzen und offenen Türen”, sagt Andreas Langholf, der als Agrar-Ingenieur viel unterwegs ist.

Die Anhänger der Sprache haben ihre eigene Gemeinschaft. „Das heißt „pasporta servo” und ist ähnlich wie Couchsurfing”, sagt die Organisator des Winterberger Treffens, Petra Dückershoff. Mehr als 1000 Mitglieder in 90 Ländern bieten Besuchern dabei Hilfe und auch ein Quartier an.

(dpa)