Coworking: Anhaltender Erfolg der geteilten Büroflächen

Gemeinsam arbeiten : Coworking: Anhaltender Erfolg der geteilten Büroflächen

Gemeinsam allein arbeiten: Das ist das Motto in einem Coworking-Space. Aus ganz unterschiedlichen Berufsfeldern finden sich nebeneinander Freiberufler, Selbstständige, Kreative und junge Gründer ein. Jeder beschäftigt sich mit seinen eigenen Aufgaben - doch zwischendurch findet reger Austausch statt, es werden Kontakte geknüpft oder neue Ideen geboren.

Vor allem diese offene und anregende Atmosphäre ist es, was die Essenz eines funktionierenden Gemeinschaftsbüros ausmachen sollte. In der Regel handelt es sich dabei um modern und stylish eingerichtete Großraumbüros, in denen die Gedanken fließen können. Außer aus finanziellen Gründen entscheiden sich viele vor allem aufgrund der sozialen Kontakte und der kreativen Atmosphäre fürs Coworking - und zwar jedes Jahr mehr.

In wenigen Jahren zu weltweitem Erfolg

Der - zumindest offizielle - Startschuss fürs Coworking fiel 2005 in San Francisco. Als Alternative zu ständigen Dauerbesuchen in Cafés schlossen sich einige freiberuflich tätige Freunde zusammen und mieteten sich gemeinsam Büroräume an. Das funktionierte so gut, dass sich die Coworking-Welle schnell ausbreitete. Noch im selben Jahr gab es in Berlin ähnliche Einrichtungen unter anderem Namen. Erst das betahaus nannte sich 2009 offiziell Coworking-Space.

Das Wachstum verlief in den ersten Jahren rasant: 2011 gab es etwas über 1.000 Gemeinschaftsbüros, 2017 waren es bereits über 13.000. Mittlerweile nutzen nicht nur Freiberufler oder kleine Unternehmen Coworking - auch große Konzerne wollen von der ideenbringenden Atmosphäre profitieren und mieten zunehmend flexible Arbeitsplätze in Coworking-Spaces an.

Vorteile des Coworkings

Die Vorteile des Gemeinschaftsarbeitens sind vielfältig - was auch der Erfolg dieses Konzepts zeigt. Wer sich einen Arbeitsplatz in einem Coworking-Space mietet - das ist meist tage-, wochen- oder monatsweise möglich -, muss sich zuhause kein vollwertiges Büro einrichten: Dazu gehören schließlich nicht nur der Laptop und eine sehr gute Internetverbindung, sondern auch ein ergonomischer Stuhl, ausreichend Platz auf dem Schreibtisch, Drucker, Konferenzräume für Kundengespräche und auch ein Kaffeeautomat.

Gerade junge Gründer können sich mit der flexiblen Anmietung von Arbeitsplätzen die Ausgaben für Büroausstattung und Co. während der Anfangsphase sparen. Den Kontakt zu den anderen Mietern im Coworking-Space sehen ebenfalls viele als großen Vorteil. Wer allein im Homeoffice arbeitet, kann durchaus schnell vereinsamen. Neben etwas Small Talk besteht beim Coworking die Chance, sich mit interessanten Leuten aus ähnlichen oder auch ganz anderen Branchen zu vernetzen. Daraus können sich spannende Kooperationen oder einfach Inspirationen für eigene Projekte ergeben.

Nachteile des Coworkings

Der größte Nachteil ist vor allem, dass nicht jeder für die Arbeit in einem offenen Coworking-Space geeignet ist. Der Lärmpegel ist in einem Großraumbüro naturgemäß höher als im Homeoffice. Manch einer empfindet den Small Talk an der Kaffeemaschine zudem eher als anstrengend. Außerdem kann es ungünstig sein, in direkter Nachbarschaft mit Konkurrenten anderer Unternehmen oder Freiberuflern aus derselben Branche zu arbeiten.

Falls man Kunden im Gemeinschaftsbüro trifft und diese dabei Kontakt zur Konkurrenz herstellen, ist das mitunter schlecht fürs eigene Geschäft.

Immer mehr Coworking-Spaces: Wo geht die Reise hin?

Auch wenn die erwähnten Nachteile für einige durchaus ins Gewicht fallen dürften, überwiegen für viele die Vorteile. Die Erfolgswelle des Coworkings hält weiter an. Eine aktuelle Studie hat anhand vieler Faktoren und genauer Analysen untersucht, in welchen europäischen Städten das Coworking in den nächsten Jahren am meisten expandieren wird. Auch zwei deutsche Städte - München und Berlin - sind unter den zehn Städten, denen das größte Wachstum in diesem Bereich vorhergesagt wird.

Um möglichst verlässliche Aussagen zu treffen, hat das Immobilienberatungsunternehmen, das die Studie durchgeführt hat, viele Aspekte beleuchtet: Neben der aktuellen Gesamtmenge an Büroflächen und dem Anteil der Coworking-Flächen gehörten dazu auch die generelle Wirtschaftsleistung am Standort sowie das Potenzial an Arbeitskräften, die typischerweise in Gemeinschaftsbüros anzutreffen sind.

Coworking wird in den nächsten Jahren weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Die Anbieter entsprechender Büroflächen versuchen nicht ohne Grund, immer attraktiver zu werden - beispielsweise mit Zusatzangeboten wie einem integrierten Café oder einem Fitnessstudio.

(vo)
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