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Auslandsjahr planen: Die wichtigsten Vorbereitungen

Auslandsjahr planen : Die wichtigsten Vorbereitungen

Für viele Menschen ist ein längerer Aufenthalt im Ausland ein echter Traum. Der Reiz, fremde Kulturen zu entdecken und eine neue Sprache zu lernen, ist oft die Triebfeder für den Entschluss, sogar ein ganzes Jahr im Ausland zu verbringen.

Ob Au pair, Auslandspraktikum Work & Travel oder Schüleraustausch: Die Möglichkeiten sind vielfältig. Waren es ursprünglich ausschließlich Studenten, die ein sogenanntes "gap year" jenseits von Deutschland verbrachten, verwirklichen heute mehr und mehr Menschen, die mitten im Berufsleben oder kurz vor der Rente stehen, ihren Traum in Form eines Sabbaticals. Dass ein solches Projekt viel Vorbereitung bedarf, liegt auf der Hand. Wer zum Beispiel kümmert sich während dieser Zeit um die Wohnung? Welche Papiere sind notwendig? Wie wird das Auslandsjahr finanziert? sind dabei nur drei Fragen von vielen.

Wohin soll es gehen?

Über allem steht natürlich die Frage aller Fragen: In welches Land soll es gehen? Viele haben bereits ein Traumziel, während sich andere noch nicht festgelegt haben. Für die Entscheidung hilfreich sind zum Beispiel Überlegungen, welche Kultur am reizvollsten erscheint, ob Sprachkenntnisse erlernt oder ausgebaut werden sollen.

Hinzu kommt die Frage, ob das Austauschjahr selbstständig organisiert werden soll oder eine Austauschorganisation mit ins Boot geholt wird. Ein Work & Travel-Jahr muss nicht zwingend in die Hand einer Organisation gelegt werden. Übernimmt eine Austauschorganisation die Planungen, fallen zusätzliche Kosten von mehreren hundert Euro an. Generell ist es hilfreich, verschiedene Anbieter miteinander zu vergleichen. Vorteil einer eigenständigen Planung ist außerdem eine deutlich höhere Flexibilität bei der Wahl der Flüge, Jobs und Unterkünfte. Wer seinen Auslandsaufenthalt über einen Vermittler organisieren lässt, profitiert hingegen davon, dass die Organisation nicht nur die komplette Planung übernimmt, sondern gleichzeitig ein Ansprechpartner vor Ort ist. Wichtig ist aber, sich rechtzeitig anzumelden, denn die meisten Organisationen haben Bewerbungsfristen, die normalerweise schon zu Beginn eines Jahres enden.

Je nachdem, um was für einen Aufenthalt es sich handelt, müssen mehr oder weniger viele Voraussetzungen erfüllt sein. Zum Beispiel folgende:

Auslandsjahr planen: Die wichtigsten Vorbereitungen
Foto: Adobe Stock
  • Rechtzeitige Abstimmung mit der Schule oder dem Arbeitgeber
  • Mögliche Impfungen
  • Fachliche Vorbereitungen
  • Gesundheitsprüfung
  • Beantragung des Visums
  • Eventuelle ärztliche Behandlungen

Finanzierung des Auslandjahres

Und wer bezahlt das Ganze? Die Kosten für den Auslands-Aufenthalt variieren je nach Land, Aufenthaltsdauer, den Inklusivleistungen der Austauschorganisation sowie der Höhe der Fördergelder. Ein einjähriger Schüleraustausch in den USA zum Beispiel kostet zwischen 9000 bis 24.000 Euro, für ein Auslandsjahr in Costa Rica muss mit etwa 8000 bis 11.000 Euro gerechnet werden. Menschen, die ein Sabbatical planen, haben für ihre Auszeit meistens Geld zurückgelegt und/oder arbeiten als Backpacker in ihrem Traumland. Unter Schülern und Studenten sind finanzielle Fördermöglichkeiten wie Stipendien der EU, von Ministerien oder Stiftungen beliebt. Ein möglicher Anspruch auf Kindergeld während der Abwesenheit wird von der Familienkasse individuell geprüft. Auch ein Auslands-Bafög, das übrigens nicht zurückgezahlt werden muss, ist hier möglich, und zwar für alle, die grundsätzlich förderberechtigt sind. In welchem Umfang, hängt von der Art des Aufenthalts und vom Gastland ab. So ist es innerhalb der Europäischen Union und in der Schweiz möglich, dass eine Ausbildung sogar komplett gefördert wird und zwar bis zum Erwerb des ausländischen Bildungsabschlusses. Bei Aufenthalten außerhalb der EU wird Bafög maximal ein Jahr gezahlt.

Günstiger wird ein Auslandsjahr auch über geförderte Freiwilligendienste. Normalerweise trägt der Volunteer die Kosten für die An- und Abreise sowie für Verpflegung und Unterkunft selbst und arbeitet im Gastland ehrenamtlich. Allerdings gibt es auch hier Förderprogramme, die einen Großteil der Kosten übernehmen. Aber: Ob Stipendium, Bafög oder Freiwilligendienste - entsprechende Anträge müssen rechtzeitig gestellt werden. Wer als Au-Pair ins Ausland geht, betreut die Kinder der Gastfamilien. Unterkunft und Verpflegung sind frei, außerdem wird ein Taschengeld gezahlt. Versicherungsgebühren (Haftpflicht-, Unfall und Krankenversicherung) müssen die Teilnehmer selbst bezahlen. Die Vermittlung übernehmen meistens Agenturen, wichtig dabei ist, dass ein Arbeitsvertrag abgeschlossen wird, in dem auch Regelungen zu Versicherungen aufgenommen werden.

Work & Travel selbst organisieren

Gute Vorbereitung ist alles, wenn mittels Work & Travel in Eigenregie für einen längeren Zeitraum ferne Länder bereist werden. Auch hier gilt: Rechtzeitig planen, denn die Einreisebedingungen unterscheiden sich von Land zu Land. Das ist für die Beantragung des Visums von Bedeutung. Fragen, die in Zusammenhang mit der Aufenthaltserlaubnis geklärt werden müssen, sind zum Beispiel jene, wie und wo das Visum beantragt werden muss und welche Unterlagen dazu notwendig sind. Auch eine gültige und passende Reiseversicherung ist ein Muss. Hier ist wichtig, dass die ausgewählte Versicherung im Gastland anerkannt wird, und dass die Konditionen stimmen. Apropos Versicherung: Wer zu Coronazeiten unterwegs ist, sollte wissen, dass Reisewarnungen oft kein Rücktrittsgrund mehr sind.

Neben dem Flug ist auch die Unterkunft während des Auslandsjahres ein Kostenfaktor. Backpacker übernachten größtenteils in kostengünstigen Hostels. Wer länger an einem Ort bleiben möchte, kann auch ein WG-Zimmer oder ein Appartement mieten. Fragen, die in diesem Zusammenhang wichtig sind:

  • Was muss beachtet werden, wenn im Ausland ein Zimmer oder eine Wohnung gemietet wird?
  • Wie teuer darf die Unterkunft sein?
  • Wo finde ich passende Unterkünfte?

In vielen Ländern wie etwa in Kanada, Neuseeland oder Australien wird für einen Aufenthalt außerdem eine Steuernummer und ein Bankkonto im Reiseland benötigt, um arbeiten zu können. Die Steuernummer muss jedem Arbeitgeber vorgelegt werden. Sinnvoll ist außerdem, bereits vor Antritt der Reise die Höhe des Steuerbetrags zu kennen. Um überhaupt Arbeit zu finden, ist ein guter Lebenslauf, entweder in der Sprache des Gastlandes oder auf Englisch notwendig. Wie dieser auszusehen hat, gehört deshalb ebenfalls zu den Planungen, genauso wie die Frage, wo im Ausland es passende Jobs gibt, und was zu tun ist, wenn sich keine Arbeitsstelle finden lässt.

Verträge kündigen, medizinische Behandlungen abschließen

Wer ein Jahr im Ausland verbringen will, muss sich außerdem rechtzeitig um Organisatorisches rund um den eigenen Haushalt kümmern: Abos für Fitnessclub oder Zeitschriften, Mitgliedschaften in Vereinen, Versicherungs- und Mobilfunkverträge müssen gekündigt, medizinische Behandlungen abgeschlossen werden. Dazu gehören auch die notwendigen Impfungen. In diesem Zusammenhang ist auch wichtig, welche Voraussetzungen bei der Corona-Impfung gelten. Die USA zum Beispiel erlaubt derzeit keine Einreisen bei Kreuzimpfungen. Wer Medikamente benötigt, sollte rechtzeitig mit seinem Arzt sprechen, um eine ausreichende Menge mit in das Reiseland zu nehmen zu können. Der Arznei sollten auch englischsprachige Beipackzettel beiliegen, weil es beim Zoll zu Kontrollen kommen kann. Auch der Reisepass sollte rechtzeitig auf seine Gültigkeit geprüft werden. Gleiches gilt für einen internationalen Führerschein. Vergessen werden sollte auch nicht, einen Nachsendeantrag für anfallende Post einzurichten.

Die Frage, wer während der Abwesenheit ein Auge auf die Wohnung hat, falls diese nicht gekündigt wird, sollte ebenfalls rechtzeitig geklärt sein. Oft werden Wohnungen für den Zeitraum der Reise auch untervermietet. Dabei sind allerdings rechtliche Dinge zu beachten. Ist die Wohnung nicht untervermietet, darf nicht vergessen werden, Strom, Wasser, Telefon und Gas zu kündigen. Sicherungen werden am besten herausgedreht und das Wasser abgestellt.

Nicht zu viel einpacken

Viele Reisende machen den Fehler, viel zu viel mit in das Gastland zu nehmen, insbesondere Work & Traveller ziehen dann mit schweren Rucksäcken oder Koffern voller Dinge, die nicht benötigt werden, von Ort zu Ort. Deshalb: Sinnvoll ist, das Gepäck mehrere Male zu Hause vorzupacken und eine Strecke damit zu Fuß zurückzulegen. Hinzu kommt, dass die Gepäckauflagen von Airline zu Airline unterschiedlich sind. Die Packliste sollte deshalb nur Dinge aufführen, die wirklich gebraucht werden. Was den finanziellen Aspekt betrifft, ist eine Kreditkarte (rechtzeitig beantragen!) unumgänglich, aber auch ausreichend Auslandswährung für die ersten Tage, eine Bauchtasche oder Brustbeutel, alle Notrufnummern der Banken, sowie ein Tan-Generator beziehungsweise eine entsprechende App.

(vo)