Arbeitnehmer: Viele Pflichten, aber auch Rechte

Arbeitnehmer : Viele Pflichten, aber auch Rechte

Viele Arbeitnehmer kennen sich sehr gut mit ihren Pflichten gegenüber ihrem Arbeitgeber aus. Darüber vergessen die Arbeitnehmer allzu schnell, dass sie keineswegs nur Pflichten haben, sondern auch viele Rechte. Um diese Rechte zu stärken, gibt es für den Arbeitnehmer Tarifverträge sowie Gewerkschaften.

Tatsächlich sind sich die meisten Angestellten ihrer Rechte nicht wirklich bewusst. Der Arbeitsalltag wird nach den allgemein akzeptierten Strukturen verbracht - da fallen die Pausen schnell unter den Tisch und die Überstunden gehören stillschweigend dazu. Auch die Erreichbarkeit über die eigentliche Arbeitszeit hinaus gehört zum guten Ton in der deutschen Arbeitswelt. Wer etwas erreichen möchte, ist verfügbar. Doch ist das tatsächlich die Pflicht eines Arbeitnehmers oder hat dieser nicht ein Recht auf einen Feierabend? Und was sind die Aufgaben des Arbeitnehmers? Muss er jede Aufgabe erfüllen, die ihm sein Chef überträgt oder gibt es eine Grenze?

Tarifverträge als Grundlage

Um die Arbeit grundsätzlich zu regeln, gehen Arbeitgeber und Arbeitnehmer miteinander einen Arbeitsvertrag ein. Eine besondere Form eines solchen Vertrags bilden die Tarifverträge. Tarifverträge sind meist branchenintern festgelegt und für alle Betriebe innerhalb der Branche gültig. Eine Ausnahme bilden Tarifverträge im öffentlichen Dienst. In jedem Fall legen sie ein verbindliches Einkommen und vergleichbare Rahmenbedingungen für eine Berufsgruppe fest. Verträge dieser Art stärken stets die Rechte des Arbeitnehmers. Arbeitnehmer sollten sich dementsprechend über die spezifischen Tarifverträge für ihre Berufsgruppe informieren. Ein gutes Beispiel sind die aussagekräftig formulierten Tarifverträge für gewerblich Beschäftigte in der Gebäudereinigung. Sie klären ausführlich über die Rechte der Beschäftigten auf und stärken diese durch eine deutliche Ausformulierung der Arbeitskonditionen. Denn insbesondere die Klarheit und Definition macht es Arbeitnehmern im Alltag leichter, auf ihre Rechte zu bestehen.

Arbeit ohne Arbeitsvertrag?

Rechte und Pflichten gehen Hand in Hand. Das gilt auch für Arbeitnehmer - wobei die Rechte hier häufig unklar sind. Foto: Pixabay.com/© Pashminu Mansukhani (CC0 Creative Commons)

Es gibt Situationen, in denen der Arbeitgeber einen hohen Bedarf hat und der neue Arbeitnehmer sofort einspringt. Im Eifer des Gefechts ist der Vertrag noch nicht aufgesetzt oder nicht von beiden Parteien unterzeichnet. Aber ist das legal? Das Nachweisgesetz verpflichtet den Arbeitgeber in Paragraph 2 Abs. 1 Nachweisgesetz dazu, binnen eines Monats nach Arbeitsantritt die Verträge aufzusetzen. Das Nachweisgesetz führt zudem genau auf, welche zehn Punkte der Arbeitgeber in diesem Vertrag klären muss:

  • Name und Anschrift beider Vertragsparteien
  • Start des Arbeitsverhältnisses
  • Dauer des Arbeitsverhältnisses falls eine Befristung vorliegt
  • klarer Arbeitsort oder Hinweis auf verschiedene Einsatzorte
  • klare Beschreibung der Tätigkeiten
  • Höhe des Arbeitsentgelts (ebenso Angaben zu vorhandenen Zuschlägen, Zulagen, Prämien und Sonderzahlungen und ihren Fälligkeiten)
  • klare Vereinbarung zur Arbeitszeit
  • Anzahl der Urlaubstage
  • Kündigungsfristen beider Parteien
  • Hinweis auf zugrundeliegende Tarifverträge oder Dienst- und Betriebsvereinbarungen

Das sind die Pflichten des Arbeitsgebers. Aber ist es für den Arbeitnehmer schlau, bereits vor einer Vertragsunterzeichnung zu arbeiten? Auf der einen Seite winkt ein guter Einstieg - gerade in akuten Notsituationen beim Arbeitgeber. Doch auf der anderen Seite besteht so in der ersten Phase der Anstellung wenig Klarheit über die Grundlage der Zusammenarbeit. Und möglicherweise nimmt sich der Arbeitnehmer die Möglichkeit, über einiges im Vertrag zu verhandeln, weil es sich längst im Arbeitsalltag eingespielt hat. Hier sind Fingerspitzengefühl und Menschenkenntnis gefragt.

Arbeitszeit und Überstunden

Eine der Kernaussagen im Arbeitsvertrag betrifft die Arbeitszeit. Wenn Überstunden nicht vertraglich geregelt sind, kann der Arbeitgeber sie nicht einfordern. Es sei denn, es ist eine reelle Notsituation durch eine Katastrophe entstanden. Hier hat der Arbeitgeber das Recht, den Arbeitnehmer zu Überstunden zu verpflichten. Jede andere Überstunde muss vertraglich geregelt sein. Und eine Erreichbarkeit über die Arbeitszeit hinaus darf grundsätzlich nicht erwartet werden, wenngleich die Realität in vielen Branchen anders aussieht. Eine Ausnahme bilden Berufe mit einem Bereitschaftsdienst. Doch auch der Umfang des zu leistenden Bereitschaftsdienstes muss vertraglich geregelt sein.

Arbeitsaufgaben: Klar definiert?

Die Arbeitsaufgaben werden im Arbeitsvertrag zwar genannt, doch in der Regel können wenige Worte die Tätigkeiten nur grob umreißen. Aus dem Arbeitsalltag heraus entstehen oft weitere Arbeiten. Ist das bereits illegal und kann vom Arbeitnehmer abgelehnt werden? Nein, nicht unbedingt, denn der Chef verfügt über das sogenannte Weisungsrecht. Dieses hat seine natürlichen Grenzen bei Gefahren für den Arbeitnehmer oder illegalen Tätigkeiten. In einem Graubereich liegen Tätigkeiten, die mit dem eigentlichen Arbeitsfeld des Arbeitnehmers keine Schnittstelle haben oder aber für weniger qualifizierte Mitarbeiter geeignet sind. In einem solchen Fall hilft der Dialog mit dem Chef, um die Aufgaben klarer und der eigenen Qualifikation entsprechend zu definieren.

Pausen sind ein Recht des Arbeitnehmers

Der lange Arbeitstag lässt viele Arbeitnehmer in Deutschland schlecht zur Ruhe kommen. Pausen scheinen in diesen vollen Tag kaum vorzukommen. Und doch sind Pausen ein ganz klares Recht des Arbeitsnehmers. Jeder Arbeitgeber muss seinen Mitarbeitern Pausen ermöglichen. An dieser Stelle nimmt die Gewerkschaft ver.di Bezug auf Paragraph 4 des Arbeitszeitgesetzes und formuliert die folgenden Rechte. Wer zwischen sechs und neun Stunden arbeitet, dem steht eine Pause von 30 Minuten zu. Bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden entsteht ein Anrecht auf 45 Minuten Pause. Dabei darf die Pause in unterschiedliche Blöcke geteilt werden. Allerdings muss jeder Block mindestens 15 Minuten lang sein.

Verdienst für Arbeitnehmer sehr wichtig

Viele Arbeitnehmer sondieren die Lage auf dem Arbeitsmarkt sehr genau, um gegebenenfalls den Job zu wechseln. Bei vielen steht der Wunsch nach einem höheren Gehalt beim Jobwechsel ganz oben. Doch muss bei dem Wunsch nach mehr Gehalt in allen Fällen gleich der Arbeitsplatz gewechselt werden? Nicht unbedingt, denn in vielen Fällen ist es möglich, eine Gehaltsverhandlung mit dem Vorgesetzten zu führen. Wer sich auf eine solche Verhandlung intensiv vorbereitet, kann mit guten Ergebnissen rechnen.

Verhandeln als Grundrecht

Ein ganz wichtiger Grundsatz für jeden Erwachsenen lautet: Verhandeln ist ein Grundrecht. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass jede Verhandlung erfolgreich ist. Aber wer von vorneherein gar nicht verhandelt, gewinnt auch nichts. Ein paar Tricks für Verhandlungen helfen, die Gespräche leichter zu machen. Mit etwas Übung gehen Verhandlungsgespräche dann immer leichter von der Hand. Es gilt: Wer mit etwas Spielraum und Leichtigkeit in eine Verhandlung geht, gewinnt durch Lockerheit. Wer lange zögert und sich nicht recht traut, kann durch negatives Auftreten aufgrund von Frust die eigene Verhandlung sabotieren. Aus diesem Grund ist es essentiell, Verhandlungen nicht auf die lange Bank zu schieben und immer sachlich zu bleiben.

Klarheit über die eigenen Rechte

Der erste Schritt ist immer, sich die eigenen Rechte bewusst zu machen. Nur wer über seine Rechte informiert ist, kann für sie einstehen. Dabei sollte ein sachlicher Dialog mit dem Arbeitgeber gesucht werden, um die Rechte im gelebten Arbeitsalltag zu integrieren.

(vo)
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