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Arbeitgeber Baubranche: Warum sich der Einstieg jetzt mehr lohnt denn je

Arbeitgeber Baubranche : Warum sich der Einstieg jetzt mehr lohnt denn je

Die Arbeit in der Baubranche hat in weiten Teilen der Bevölkerung einen schlechten Ruf, allerdings nicht immer zurecht. Der Wettbewerb „Top Job“, der jedes Jahr stattfindet und die Arbeitgeberattraktivität bewertet, hat bewiesen, dass es in der Baubranche attraktive Arbeitgeber gibt.

Bei dem branchenübergreifenden Wettbewerb sind regelmäßig 25 Prozent der erfolgreichen Bewerbungen aus dem Bausektor. Im Jahr 2018 wurde ein mittelständisches Unternehmen sogar Arbeitgeber des Jahres. Die Bewertung der verschiedenen Unternehmen erfolgt auf der Grundlage einer umfangreichen Mitarbeiterbefragung, die auf unabhängigen wissenschaftlichen Studien der Universität St. Gallen basiert.

Baubranche boomt

In Deutschland herrscht derzeit ein regelrechter Bauboom. Die Verwaltungen haben 2019 über vier Prozent mehr neue Wohnungen genehmigt als noch im Vorjahr, so die Auskunft des Statistischen Bundesamtes. Insgesamt waren es rund 360.000 Baugenehmigungen, allerdings nicht nur für neue Wohnungen, sondern auch für Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden. Schon seit zehn Jahren hält der Trend der zunehmenden Bautätigkeit nun an. In jüngster Zeit schwächt sich diese Dynamik etwas ab, dennoch steigen auch die Zahlen der Wohnungsfertigstellungen.

Ein Grund für die rege Bautätigkeit ist die Tatsache, dass Immobilien eine werthaltige Kapitalanlage sind. Außerdem ist der Hypothekenzins auf einem Rekord-Tiefstand. Dennoch scheint überall immer noch Wohnungsmangel zu herrschen. Was darauf schließen lässt, dass der Bauboom - wenn auch in abgeschwächter Form - weitergehen wird.

Das Bedienen großer Maschinen lernen Maschinenführer in vielen Betrieben bereits mithilfe von Simulatoren und Virtual Reality. Foto: dimitrisvetsikas1969 / Pixabay

Fachkräftemangel wird zum Problem

Der zunehmende Fachkräftemangel macht sich auch in der Baubranche bemerkbar. Nicht zuletzt das schlechte Ansehen der Baubranche, das sich bereits seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts stetig verschlechtert hat, trägt zu diesem Problem bei. Dabei besteht in der Öffentlichkeit ein vollkommen falsches Bild.

Auch die Baubranche bietet von der Ausbildung bis zur Bauleitung die besten Berufs- und Karrierechancen sowie Zukunftsperspektiven auf allen Ebenen. Es ist Zeit, dass die Unternehmen ihre hohe Arbeitgeberattraktivität nach außen kommunizieren, um mit Vorurteilen und überalterten Klischees aufzuräumen.

Gut ausgebildete Fachkräfte als wesentliches Betriebskapital

Damit Arbeitgeber attraktiv sind und gutes Personal finden und halten können, brauchen sie eine entsprechende Arbeitgeberattraktivität. Das funktioniert heute nicht mehr ausschließlich über das Gehalt. Gute Arbeitgeber bieten mehr als eine attraktive Bezahlung. Gefragt sind interne Kommunikation, werteorientiertes Management und Führungsqualitäten.

Auch in der Baubranche halten Digitalisierung, Vernetzung und IoT-Lösungen (IoT = Internet of Things, das Internet der Dinge) Einzug und stellen die Branche vor große Herausforderungen. 93 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass diese technischen Entwicklungen die Prozesse überall und speziell auch in der Baubranche verändern werden.

Dabei reicht die Bandbreite der Entwicklungen von der Ausbildung bis zur Herstellung von Baustoffen. So lernen beispielsweise Maschinenführer mithilfe von Virtual Reality in Simulatoren die für den praktischen Alltag und kritische Situationen notwendigen Fertigkeiten und Fähigkeiten.

Traineeprogramm für angehende Ingenieure

Die Initiative Deutschland baut! e. V. ist ein Programm für High-Potentials in baunahen Ingenieurwissenschaften. Mit dem abwechslungsreichen Programm geben führende Unternehmen, die zur Wertschöpfungskette Bau gehören, im gesamten Bundesgebiet Einblicke in ihre Arbeit. Dabei kommt es immer wieder auch zu Übernahmen durch die teilnehmenden Unternehmen.

Für die Berufsstarter bedeutet die Initiative viele spannende Projekte, die sie mit viel Eigenverantwortung bewältigen. Ziel der Initiative ist es, die Branche insgesamt als Arbeitgeber attraktiver zu machen, die Absolventen für die Branche zu interessieren und sie dort zu halten. Jobs entlang der Wertschöpfungskette in der Baubranche sind sehr attraktiv und herausfordernd, wie beispielsweise der Umgang mit hochmoderner IT oder das Building Information Modeling (BIM).

Dabei werden alle Phasen eines Gebäudes oder Bauwerks in einem digitalen Modell wiedergegeben. Das fängt bereits bei der Planung an, geht über die Bauausführung bis hin zu Nutzung und Verwaltung. Das Datenmodell aus BIM ist die Grundlage für alle Projektbeteiligten. Das Modell liefert 3D-Darstellungen der Gewerke und im Idealfall Informationen zur Qualität, dem zeitlichen Ablauf oder den Kosten für Erstellung und Betrieb. Schon sehr früh können Nachwuchskräfte in der Baubranche eigenverantwortlich Projekte leiten. In anderen Industriezweigen gibt es diese Chancen nicht in diesem Maß.

Einzigartige Chancen in der Baubranche

Die Baubranche bietet wie keine andere Branche Chancen für einen steile Karriere. Insgesamt gibt es rund 70.000 Bauunternehmen, das sind viel mehr als in den meisten Industriezweigen. Auch ist es in der Baubranche nicht ungewöhnlich, an eine gewerbliche Ausbildung noch ein Studium des Bauingenieurwesens anzuhängen. Mit einer solchen Basis stehen anschließend alle Türen offen, bis hin zu Aufgaben in der Geschäftsleitung.

In anderen Branchen sind die Zukunftsaussichten nicht so rosig. Keiner weiß, wie sich beispielsweise die Automobilbranche entwickeln wird, wie lange es noch Verbrennungsmotoren geben wird. Aber in irgendeiner Weise werden sich die Menschen fortbewegen und dafür ist Infrastruktur erforderlich, und zwar in Form von Gebäuden, Straßen, Brücken.

Digitalisierung hält Einzug

Wie in vielen anderen Branchen steht auch die Baubranche vor den Herausforderungen des digitalen Zeitalters. Daraus entwickeln sich neue, spannende Berufsbilder. Für die junge Generation ist beispielsweise das modulare, serielle Bauen hochinteressant, das auf prozessualen und digitalisierten Abläufen basiert. Die Vielfalt an Jobs ist einzigartig. Dabei ist Building Information Modeling nur ein Aspekt. Die bauausführenden Unternehmen stehen unter großem Druck. Sie müssen die Effizienz ihrer Geschäftsprozesse verbessern, um ihre häufig sehr geringen Margen aufzubessern. Der Preiswettbewerb innerhalb der Branche ist enorm.

Das Erfolgspotenzial ist allerdings nicht einzig im Einsatz von Softwarelösungen zu suchen. Auch die Unternehmensorganisation oder Projektabläufe sind hier wichtig. Unternehmen brauchen fitte Köpfe, die sich mit den Datenstrukturen auseinandersetzen können. Denn bei unstrukturierten Prozessen hilft auch moderne Software nicht bei der Optimierung.

(vo)